Persönliches

Was ich noch sagen wollte…. Meine Gedanken zu #bodyshaming und #bodypositivity

Es ist garnicht lange her, im Januar, da fragte mich eine liebe und geschätzte Bloggerkollegin, ob ich denn auf meinem Blog auch vor hätte mal über ernstere Themen zu sprechen. Ich verneinte. Ganz im Ernst: Mein Blog, dass ist mein “Happy Place”. Sorgen, Nöte und Probleme, eigene und die Anderer, waren schon im Leben 1.0 viel zu oft viel zu allgegenwärtig. Warum auch noch hier?

Jetzt gerade lest ihr aber die Einleitung zu einem eben solchen Post. Einem ernsten, sehr persönlichen Post. Es ist ein Thema, mit dem ich so meine Erfahrung habe und das mir, seit ich geschnallt habe, dass es ein Thema ist,  sehr am Herzen liegt.

Mein Thema heute: Bodyshaming!

Oder lautet es Body Positivity? Ich kanns jetzt nicht so genau sagen, weil ich das jetzt einfach runterschreibe. Ich hab mir dutzend gute Anfänge für diese Sache ausgedacht, aber letztlich bin ich zu aufgeregt für ein so strukturiertes Vorgehen. Es müsste jetzt Bodyshaming sein, denn ich habe geschrieben, dass ich damit Erfahrung habe. Erfahrung habe ich nur mit Bodyshaming. Ein bisschen durcheinander . Trotzdem mal von Anfang an:

Manchmal nehmen Dinge einen komischen Lauf. Manchmal fängst du mittelschwer motiviert deine 10.000 Diät an und brichst sie nach ein paar Tagen wieder ab, weil du im Grunde weißt, dass du keine Diät machen willst. Du weißt, das du nicht auf eine Zeit in der Küche und all die leckeren Sachen verzichten willst. Du weißt, dass du deinen zwei Töchtern eigentlich schuldig bist, ihnen etwas anderes vorzuleben als das  ewige Ausmerzen wollen deiner scheinbaren Makel.

Rückblickend war meine Mutter in meiner Kindheit gefühlt immer auf irgendeiner Diät. Ich selbst habe als Kind “Diät” als Rollenspiel gespielt und Essenspläne aufgesschrieben etc. Will ich das für meine Kinder? Eine späte Einsicht, aber besser als keine. Ich höre also auf, diese neue Diät oder Nahrungsumstellung zu machen und in menem Kopf verhakt sich ein Gedanke, den ich schon so oft hatte. Der Leider immer nur eine nette Idee war. Der es nie aus dem Kopf heraus ins Leben geschafft hat. Und dann sagt jemand den du magst zu dir:

 Du musst dich selbst so annehmen, wie du bist!

Gut gesagt, aber was ist denn, wenn du du das nicht kannst? Kann man sowas lernen? Ein bisschen Netzrecherche später stolpere ich über einen  Blogpost auf dem Blog Kathastrophal. Selbstliebe istin diesem Post Katjas Thema. Ist das mein Problem? Ist es der Mangel an Selbstliebe und gar nicht das Überangebot an Fleisch auf meinen Hüften?

Als ich mch weiter durchs Netz treiben ließ bin ich  über etwas gestolpert, was mich erstaunt hat. Den Rant von Lina Mallon über den inflationären Gebrauch des Begriffs “Bodypositivity”. Das erstaunliche für mich war daran nicht die Haltung oder die Worte die Lina vertrat, sondern das ich da stand und dachte: Hä? Was? Bodypositivity?

Ich bin ja nun wirklich viel im Netz unterwegs. Ich glaube tatsächlich, dass mir zumindest am Rande kein trending Topic entgeht, aber von Bodypositivity hatte ich echt noch nix gehört. Blende ich sowas aus?

Mir wurde ein bisschen eng im Herz und im Hals, als ich das durch meine Kanäle jagte. So viele Beiträge, Seiten, Facebookgruppen. Artikel in Zeitungen und Blogs die mich zum Teil zu Tränen rühren. Und überall lese ich in diesem Zusammenhang von Embrace, der Dokumentation von Tamryn Brumfitt. Muss ich haben, denke ich. Muss jeder haben, denke ich heute.

Die Kernfrage: Mag ich mich selbst?

Na klar, denkt jetzt der ein oder andere, statt die Arschbacken zusammen zu kneifen und einfach 10 – 20Kilo abzunehmen kommt sie jetzt mit so nem esoterischen Gequatsche daher, aber ihr irrt. Denn wenn ich darüber so richtig richtig, richtig nachdenke, dann wird mir eine Sache schockierend bewusst:

Ich erinnere mich an keinen Tag in meinem Leben, aussserhalb der Schwangerschaften, an dem ich meinen Körper und mein Aussehen wirklich gut fand. Hübsch. Schön. Vorzeigbar. Keinen Tag. Woran ich mich stattdessen erinnere?  Ich erinnere mich daran wie ich  1997 beim Betriebsarzt des Ausbildungsbetriebs  nach einem Bluttest gefragt wurde, wie lange ich denn bereits nicht  gegessen hatte und ob ich denn wohl essgestört sei? Das war wohl meine erste ernsthafte Diät. Die Max-Planck-Diät . Ich war 1 Meter 67 groß und 46 Kilo schwer und auf Diät. Ich erinnere mich an die Klassenfahrt mit der Fachoberschule die ich absagen wollte, weil ich fast 58 Kilo wog und mich so nicht ins Schwimmbad traute. Ich weiß, dass ich mich 2004 bei den Weight Watchers angemeldet habe mit einem Startgewicht von 62 Kilo. Nicht auszudenken. Mein Körper und ich, wir haben ein Problem.

Seit Jahren ist es zum Beispiel ein ganz großes Drama für mich, auf Feiern und Veranstaltungen zu gehen. Da spielt noch anderes mit rein , aber viel liegt auch darin begründet, dass ich mich als Person den Anderen nicht stellen mag. Optisch.So lane ich nicht, wie im Job, den Schutzschild des Fachwissen vor mir her trage, ist das alles unheimlich schwer für mich.

In der letzten Woche gab es hier riesen Theater, weil ALLE KINDER ins Freibad gehen können außer Jule. Weil Jules Mutter nicht ins Freibad geht.  In den ganzen bisher 14 Jahren ihrer Elternschaft war ich erst 2 mal im Freibad. Und 3 mal Hallenbad. Urlaube ausgenommen, denn im Ausland geht es. Da kennt mich ja keiner.  Aber hier? Allein der Gedanke ans Freibad löst bei mir Panikattacken aus. Was letztlich ja auch nur heißt, dass ich durch mein Selbstbild in meiner Lebensqualität eingeschränkt bin. Und meine Familie auch.  Umso peinlicher übrigens, dass ich neulich noch jemandem hochtrabende Worte übermittelte, dass ich da in dieser Türkei beschlossen hatte, das mir das alles schnurz piepegal ist und ich mir diese Freude mit den Kindern nie mehr nehmen lassen  und das zur Nachahmung empfehle. Und dann steh ich heulend im Schlafzimmer und nix geht mehr. Tja. Manchml kann ich auf diese “IN YOUR FACE!” Art mutig sein und es hält nicht länger als ein Schokoeis. Selbst jetzt überlege ich schon, welche tausend Gründe es gibt, warum ich diesen Post besser nicht veröffentlichen sollte. Was denken denn die Leute? Ach, ja.

Als ich dann Embrace sah, nahm mich das sehr mit. Ich dachte, dass es eigentlich ein Wunder ist, dass ich nie essgestört war. Und ich schalt mich selbst eine Idiotin, weil ich mich so doof veralte. Weil ich so ein schlechtes Vorbild bin und weil ich es doch eigentlich hätte besser wissen müssen. Der Film wühlt mich auf und macht mich für dieses Thema sehr dünnhäutig. Ich weiß, dass ich was ändern will, etwas ändern muss, aber:

Wo sucht man eigentlich, wenn man sich selbst verloren hat?

Wer sich im Netz mal durch all diese Beiträge zu #bodypositivity wühlt, Videos schaut, Texte liest und Bilder betrachtet, der wird sehr schnell merken, dass diese Problematik weitverbreitet ist. Aber warum? Was führt dazu, dass tausende Menschen sich als “nicht genug” empfinden? Und warum sind wir so engstirnig in Hinsicht darauf, was ein schöner Mensch ist, was Schönheit ausmacht?

Darf ich vorstellen: Die Schuldige bin ich!

Hallo, mein Name ist Vanessa, ich bin 37 Jahre alt, wiege fast 80 Kilo, bin zweifache Mutter, habe Zehen die machmal aussehen wie schrumplige kleine Gürkchen, Akne und widerborstiges Haar. Und, leider muss ich zugeben,  ich bin Schuld an diesem kruden Frauenbild, dass heutztage in den Köpfe wohnt. Ja, ich! Zumindest mitschuldig bin ich, also der Täter, obwohl ich doch eben nich das Opfer war, denn:

Man sieht mich selten. Ich ziehe mir Filter an. Schwarz-weiß. Den “Beautyfilter”. Ich zeige mich nur in kleinen Teilen. Ausgewählten. Günstigen. Ganz selten mal siehst du mich im Ganzen und gar in Farbe. Womöglich noch stehend. Ha, nein, eigentlich nie. Das mag ich nämlich nicht. Ich bin mir unangenehm.  Wenn wir uns im echten Leben sähen, würde ich mich in einen elastischen Bodyformer stecken. Und was anziehen das kaschiert. Und am Ende vielleicht doch nicht zu unserer Verabredung gehen. Weil du besser aussiehst als ich. Schlanker, größer, pickelfreier, modischer.

So wie ich machen es viele Frauen. Überall auf der Welt. Und somit verschwindet alles rechts und links vom “idealen Frauenbild” langsam aber sicher in der Versenkung. Und alle anderen Frauen denken ebenfalls, dass alle außer ihnen selbst ohne Makel und wunderschön sind.

Aber das stimmt ja garnicht. Die meisten von uns sehen nämlich ganz anders aus. Anders als wer? Anders als alle. Eben wie sie selbst. Kleine, große, dicke, dünne Frauen. Muttermale, Leberflecke, krause Haare, glatte Haare. Alle sind anders. Aber: Die sieht man nur leider nicht.

Und jetzt frag ich mich, wie tragisch ist das bitte, dass wir uns selbst so geringschätzen? Das wir zulassen, dass die Industrie oder wer auch immer ein Bild von uns Frauen zeichnet, dass auf die wenigsten von uns zutrifft? Und das wir uns von diesem Frauenbild dann auch noch runterziehen lassen? Da müssen wir was machen.

Ach, was willst du denn da als einzelner Mensch machen?!

Das sag ich euch! Ich therapier mich jetzt selbst und benutze euch schamlos dafür. So schwierig es mir erscheint und so unsicher es mich macht, wenn es einmal hier steht, mag ich keinen Rückzieher mehr machen:

Ich mache Schluss damit! Ich kaschiere nichts mehr, mache keine Diät, lasse mich nicht mehr mit blöden Sprüchen herabsetzen und vorallem verstecke ich mich nicht mehr! Ich steh ab jetzt  für mehr echte Menschen in der Timeline! Echte Ärsche, Brüste, Bäuche! (Okay, ich rede nicht von immer und alle nackig, nur das wir uns richtig verstehen). Ich partizipiere an dem, was großartige Frauen wie Anna und Fraenzi schon vorgemacht haben und ich hoffe, dass viele von euch auch aus ihrem Schneckenhaus herauskommen und dem Bodyshaming den dicken Finger zeigen! Ich bin so viel mehr als nur meine Körbchengröße oder mein Bauchumfang. Das sollt ihr wissen. Aber zu mir als Mensch gehört auch mein Körper. Es ist vielleicht nicht der, den du gern hättest, aber für mich wird es keinen anderen geben. Ich bin hier. Ich bin echt. Und ich hoffe inständig, dass mich nicht der Mut verlässt. Das ist nur mein kleiner Beitrag, aber wie ja eigentlich immer ist es so, dass viele kleine Beiträge auch mal etwas Großes sein können. Und da habe ja schon Leute angefangen, viele kleine, größere und mitttelgroße Beiträge zu leisten. Ich will meinen Teil dazu beitragen. Für uns alle.

Selbstliebe

Ich rutsche schon wieder ins pathetische ab. Aber es ist halt eben auch für mich ganz persönlich wichtig. Um glücklich zu sein. Ich will das. Ich springe hier nicht nur auf ein Trittbrett eines trending topics, weil ich Leser will. Mir wäre fast am liebsten, wenn es keiner liest, denn , naja, ich stehe ja noch am Anfang meines Selbstversuchs. Da ist jetzt nicht viel Selbstbewusstsein. Also drückt mir die Daumen! Wenn ich den Mut behalte, sehen wir uns ab jetzt viel öfter. Ganz und in Farbe. Zum Beispiel auf Instagram, wo ich die nächsten Tage von der Ostseeradtour berichten werde. Und ein paar mehr Gedanken zu diesem Thema Selbstliebe/Bodypositivity/ Bodyshaming habe ich auch noch, glaube ich. Noch ein anderer Punkt, in dem ich mich schuldi sprechen kann. Aber erstmal eins nach dem anderen.

Liebste Grüße,

Vanessa

 

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6 Comments

  • Reply
    Chrissy
    2. Juni 2017 at 18:17

    Hey, sehr beeindruckender Post!
    Soll ich dir mal sagen, was ich gedacht habe bevor wir uns zum ersten Mal getroffen haben? Die schreibt so toll, die kann sich soooo gut ausdrücken mit Worten und verdammt, angesichts dessen was ich da von ihr immer lese bei insta muss die echt ganz schön was im Kopf haben! Und als wäre das nicht eigentlich schon genug, scheint sie auch noch Humor zu haben, und zwar genau diesen einen, ganz besonderen Humor den ich so mag. Und ich? Was soll die von mir denken? Ich rede manchmal immer so blöd, “und so” “und da” “und ja ne” Und während dessen ich vielleicht was erzählen will schwirren mir 1000 andere Gedanken im Kopf herum und oft verliere ich dann während ich rede den Faden. Total bescheuert. Was ich damit sagen will, du hast mich total geflasht mit deiner ganzen Art! Mit deiner selbstsicheren Art wie du Dinge beschreibst und erzählst. Ich kann die Sache mit dem Körpergefühl ehrlicherweise nur teilweise nachvollziehen. Aber ich kenne es aus dem nahen Familienkreis dass so etwas sehr belastend sein kann. Weil sich wohl irgendwie immer alles ständig und wie bei dir wohl auch schon seit der Kindheit um dieses Thema dreht. Und ich glaub auch, dass das der Punkt ist. Es dreht sich einfach gedanklich immer alles um diese eine Sache. Und das müsste man mal irgendwie stoppen können. Ich glaube, dann verliert sich -Achtung Wortspiel- das Gewicht auf diesem Thema. Und ich kann dir versichern, keine zweifach Mutter die ich im Freibad sehe hat den perfekten Body. Keine. Ich nicht u alle anderen auch nicht. Und by the way, die dazu gehörigen Männer auch nicht;-)

  • Reply
    Nicole
    22. Juni 2017 at 09:13

    Wow!!! Wie geht es dir damit jetzt? Ich hoffe, du bleibst bei diesem Standpunkt und teilst dich darüber auch bei Instagram mit!

    Ganz ganz toll!💛

    • Reply
      FrauPiepenkoetter0105
      22. Juni 2017 at 10:53

      Ja, bislang halte ich das ganz gut durch und reflektiere mich auch viel in der Hinsicht. Heute wollte ich eigentlich dann endlich mal den Weg ins Freibad nehmen, aber jetzt ist Starkregen udn Gewitter angesagt. MÖP! Dafür darf sich dann ab morgen die hollandische Nordeseeküste an meinem Beachbody im neuen Bikini erfreuen.Ich hab tatsächlich noch ganz viel Erkenntnis die ich hier und auf Instagram teilen möchte. Liebe Grüße

  • Reply
    Bucketlist und Review: 10 Dinge für den Juli! | frau-piepenkoetter.de
    30. Juni 2017 at 23:46

    […] “Den Blogpost” veröffentlichen. Es ist nicht wirklich DER BLOGPOST geworden, aber einer der aus seiner Richtung winkt. Es geht um Körperempfinden und Selbstliebe und die Fortsetzung die sich ein bisschen mehr mit dem […]

  • Reply
    Susanne
    9. August 2017 at 09:38

    Liebe Vanessa,
    wie sehr mich Dein Post beeindruckt!!!! Du sprichst mir aus dem Herzen. Vieles hätte ich genau so schreiben können. Wenn ich denn “darüber” sprechen würde. Bei mir gipfelte es darin, dass ich sogar zu meiner Hochzeit gerne auf den Fotografen verzichtet hätte. Freunde konnten mir das Gott- sei-Dank ausreden. Aber tatsächlich habe ich mich auch an diesem Tag unwohl gefühlt in dieser “Mittelpunkt-Rolle”. Soviel zum Thema Lebensqualität…..
    Ich werde Deinen Artikel sicher noch wieder und wieder lesen. Und ich wünsche mir so sehr, dass Dein Mut und Dein Engagement einen kleinen Sprung zu mir macht und auch einen Funken entzündet. Ich bin mit diesem eher nicht vorhandenen Selbstwertgefühl schon etwas länger unterwegs. Viel zu lange! Mein ganzes Leben lang. Leider kann ich mich nicht immer hinter Fachkompetenz, Zuverlässigkeit o.ä. verstecken. Gerade werden meine Kinder flügge und ich merke (empfinde) die Schutzmauer bröckelt. Dein Posting kam zur rechten Zeit für mich. Einen ganz besonders herzlichen Dank dafür.
    Viele Grüße
    Susanne

  • Reply
    Blog des Monats September – Frau Piepenkötter | tastesheriff
    9. Oktober 2017 at 14:29

    […] die ich mich kaum traue zu teilen. So richtige Herzensthemen. Wie meine Meinung zu Trends, etwas über mein Körpergefühl und definitiv Posts auf die ich schöne Rückmeldungen bekomme, wie den Post über die […]

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