Du bist dein wichtigster Trend. Oder „Warum mein Wohnzimmerschrank nicht mit mir spricht!“

Was bisher geschah…

Ich glaube es war 2007. Da wollten wir unserer Tochter, damals vier Jahre alt, ein neues Fahrrad kaufen. Wir hatten uns schon umgesehen und recherchiert und es auf ein paar Modell eingegrenzt, die wir ihr dann zeigten. Was das alles mit dem Schrank im Wohnzimmer zu tun hat? Abwarten.

„Die mag ich nicht!“ „Aber Schätzchen, was möchtest du denn für ein Fahrrad?“ „Ein schönes! So eins mit so einer Schraube! Nicht so ein blödes!“

Ratlose Eltern und ein Kind in Verweigerungshaltung. Kein Pucky-Rad, kein süßer kleiner Beachcruiser. Nichts. Ein Rad mit einer Schraube? Wir hatten keine Ahnung, was sie meinte, bis wir irgendwann Bilder vom letzten Campingurlaub ansahen. „Da, Mama! So ein Rad will ich!“ Sprachs und zeigte auf einen rasanten Niederländer auf seinem, ihr ahnt es, Klapprad.

Tatsächlich hatten wir diese ganze Fahrraddiskussion wenige Tage nach dem wir aus dem Urlaub gekommen waren, begonnen. Maja hatte vorher also auch tatsächlich haufenweise Klappräder gesehen (das ist so ne Campingplatzsache….). An denen ist in der Regel nun aber wirklich nichts schönes und zum ersten Mal wurde mir bewusst, wie stark dein Geschmack doch von diesen äußeren Einflüssen geprägt wird. Oder sagen wir besser beeinflusst, denn tatsächlich glaube ich, dass wir durch die optische Omnipräsenz mancher Dinge oder Trends auch beginnen ein „habe wollen“ für etwas zu entwickeln was eben NICHT unser eigener Geschmack ist. Eine praktische Erklärung dafür, warum ich mir in den späten 90ern mal die schrecklichen Plateau-Turnschuhe meiner Freundin geliehen habe. Diese Dinge sind hip/in/trendy und geben somit eine große Portion gesellschaftliche Akzeptanz und Ansehen. Du hast es. Du trägst es. Du gehörst dazu. Gratuliere.

Und nu?

Eine andere Frage ist allerdings, wie wohl du dich damit fühlst. Wie sehr lebst du diesen Trend? Tatsächlich lese ich derzeit häufiger von Leuten die viel Geld für immer wieder neue Grünpflanzen ausgeben, weil ihnen die alten ständig dahinsiechen. Urban jungle ist Trend, aber sollte es nicht viel mehr nur für die Trend sein, die Freude daran haben, sich um ihr Grünzeug zu kümmern? Denen Umtopfen wie eine Wellnessbehandlung erscheint? Muss man denn Geld und Zeit für etwas investieren und ewige Frustration in Kauf nehmen, nur weil es gerade angesagt ist, wenn es in der Hütte grünt und blüht? Sollte ich das „Weiß“ in dem ich mich so wohlfühle aufgeben, weil immer häufiger davon die Rede ist, dass „dunkelbunt“ jetzt Trend und Weiß langweilig ist?

Der Schlüssel zum Glück

Wenn ich jeden Trend bedingungslos mitmache, gehöre ich bald zu allen, aber nicht mehr zu mir selbst! Und das fände ich gerade im Bezug auf das Wohnen tragisch, denn das hier ist doch mein Rückzugsort. Mein Zuhause. Hier soll es mir gefallen und nicht den Leuten die mir auf Instagram kleine Herzchen zurücklassen. Klar, ich freu mich, wenn es euch gefällt, aber die Priorität muss auf den Menschen liegen die hier wohnen.

 

Was ich an den Messeständen der Blogger von Decor8 und Vosgesparis auf der imm so beeindruckend fand, war, dass man das Gefühl hatte, sie stünden mit all dem, was sie ausstellten in Verbindung. Holly Becker ermutigte uns dazu, Dinge auf ihrem „Booth“ zu fotografieren ohne darauf zu achten, was die anderen für Motive wählen. Wir sollten uns davon frei machen.

Die beiden Frauen haben einen großen und tiefen Eindruck bei mir hinterlassen und ich habe tatsächlich noch viele Tage über das Gehörte und Erlebte nachgedacht. Die Situation wurde noch dadurch verstärkt, dass ich Meik Wikings Buch Hygge gelesen habe (Rezension? hier!). In mir fing es an zu arbeiten. Und arbeitet noch.
Nach und nach habe ich angefangen, meine „Wohnentscheidungen“ zu reflektieren. Und ich habe (leider) festgestellt, dass ich mich definitiv nicht davon frei machen kann, dass ich durch Medien, Websites und soziale Netzwerke wie Pinterest und Instagram stark beeinflusst werde. Es gibt hier so einige Sachen, die ich unbedingt haben musste, die aber „absolut nichts für mich tun“ (diese Zeile sei Guido und Miri gewidmet). Schlußendlich weiß ich jetzt, warum so manche Dinge, die von meinen Abonnenten bei Instagram abgefeiert werden (ich denke da an einen gewissen großen Schrank aus Holz in lichtgrau lackiert), die sich für mich einfach nicht richtig anfühlen. Braucht zufällig jemand von euch einen großen Schrank? Ich nämlich nicht.

Jetzt, da ich mir über so manches klargeworden bin, kribbelt es in meinen Fingern und ich möchte tausend Dinge am besten sofort ändern. Warum das keinen Sinn macht und wie ich glaube die Dinge „on a budget“ regeln zu können, erzähl ich euch beim nächsten Mal.

Liebste Grüße,

Vanessa

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4 Comments

  • Reply
    Frau Piepenkötter
    16. Februar 2017 at 15:41

    Ja,was man doch für Geld hätte sparen können, wenn man schon zeitig so schlau gewesen wäre! Der Schrank ist verkauft. In gute Hände. Und der Mann hat jetzt immer Angst, wenn ich ein Möbel schief angucke. Da muss er durch! Liebste Grüße!

  • Reply
    nic [luzia pimpinella]
    16. Februar 2017 at 22:57

    Also bei mir gedeiht das Grünzegs. Haha. 😉 Spaß beiseite…

    Du hast total und sowas von Recht. Ich selbst bin ja auch so ein Influencer-Ofer und ertappe mich dabei, mit Dingen zu liebäugeln, die am Ende dann doch nichts für mich tun. Ich denke, da können wir uns alle nicht so ganz schon freimachen, in dieser SoMe Blase, in die mittlerweile irgendwie alles gleich aussieht. Umso wichtiger, ab und zu zu reflektieren, ob man das überhaupt noch selbst ist… der da die (Kauf)Entscheidungen trifft. 😉

    Liebste Grüße
    Nic

  • Reply
    Blog des Monats September – Frau Piepenkötter | tastesheriff
    3. September 2017 at 06:00

    […] meistens eben die, die ich mich kaum traue zu teilen. So richtige Herzensthemen. Wie meine Meinung zu Trends, etwas über mein Körpergefühl und definitiv Posts auf die ich schöne […]

  • Reply
    Frau Piepenkoetter I Möbeltrends und Wohninsoiration für 2018
    21. Januar 2018 at 18:54

    […] Mein erster Gedanke war tatsächlich, dass mich wenig so richtig kickte. Viel war dem letzten Jahr schon sehr ähnlich. Zum Teil auch die Präsentation der Dinge auf den einzelnen Ständen. „Schade!“ dachte ich im ersten Augenblick, aber wenn man ein bisschen länger auf diesem Gedanken kaut, ist es dann aber fast genau das Gegenteil. Wie schlimm wäre es, wenn sich alles von Jahr zu Jahr komplett ändern würde? Wenn dein heißes Teil von 2017 in 2018 schon wieder so „alt“ ist, dass du es in den Keller stellen willst?  Design as fast as Fast Fashion? Gut, dass es nicht so ist. Wenn du mit dieser veränderten Sichtweise auf die Messe schaust, dann siehst du es positiv, dass sich Dinge nicht komplett geändert haben, dass bestehendes Design im Kleinen abgewandelt wird, Klassiker immer noch ihre Bühne finden und die Übergänge langsam und fließend scheinen. Warum ich zwar immer interessiert an aktuellen Trends bin, auch wenn ich nicht vorhabe mich diesen zu unterwerfen ist übrigens schon zu anderer Zeit hier Thema gewesen. Wenn es dich interessiert, findest du den Artikel hier. […]

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