Frau Piepenkötter auf Kur: Mimimi, Bestandsaufnahme und was bisher geschah!

Frau Piepenkoetter I Mutter-Kind-Kur

Letzten Mittwoch bin ich los. Zur ersten Mutter-Kind-Kur meines Lebens. Ach nein, halt! Ich war schon mal zur Kur. Da war ich aber noch nicht eingeschult. Aber es war tatsächlich die gleiche Kurklinik in die ich amMittwoch mit den Mädchen fuhr. Sehr schön war die Frage im Aufnahmebogen, ob ich schon einmal da war und ob ich ggf. in das selbe Zimmer möchte wie beim ersten Mal. Meine Fresse! Das war Mitte der 80er. Definitiv nicht.

Im Gegensatz zu den meisten Frauen ( ja, immer Frauen) in meinem Freundes- und Bekanntenkreis war ich noch nie zur Kur. Bei uns war in den letzten 15 Jahren einfach nie der richtige Zeitpunkt. Für mich. Und auch jetzt wäre nicht der richtige Zeitpunkt, wenn wir nicht für Jules Fructoseintoleranz keine adäquate Beratung bekommen hätten und es somit unerlässlich war, dieses Angebot der Krankenkasse anzunehmen.

Wie alles begann…

Die Kur beantragt habe ich im Oktober. Ich habe den Antrag eingeworfen, als wir quasi schon unterwegs zum Flughafen Richtung Ägypten waren. Der festen Überzeugung, dass man diese Kur eh ablehnt. Schließlich hatte ich beantragt auch mein fast 15jähriges Kind mitzunehmen. Wenn ich jetzt zurückschaue, weiß ich, dass ich nur deshalb überhaupt nen Antrag gestellt habe. Weil ich dachte es wird eh nicht genehmigt. Aber dann hätte ich alles versucht, was mir möglich ist. Ich wäre fein raus.

Doch während ich an einem ägyptischen Hotelpool lag und per Whatsapp mit den Kita-Kollegen Vertretungsprobleme klärte, beschied irgendwo im Ruhrgebiet ein Krankenkassenmitarbeiter positiv. Frau Piepenkötter muss zur Kur und alle Piepenkötterchen gehen mit. Na Bravo!

Die folgenden Monate habe ich das ganz gut ausgeblendet. Diese Kursache. Ich hab ja zu tun. Um den Rest kümmer ich mich, wenn er da ist. Also der Antrittstermin. Letzten Mittwoch also. Das gute Pferd springt knapp. Ich sag es euch ja immer.

Zwischendrin habe ich mich auch mal fast schon drauf gefreut. Drei Wochen raus aus dem Alltag. Drei Wochen Nordsee.  Dann aber wieder nicht. Meistens nicht.

In den letzten Wochen hat sich die dunkle Wolke „Kur“ über meinem Kopf extrem verdichtet. Personalmangel, Grippewelle, Arbeit, Arbeit, Arbeit…alles Mist! Ich hab das gemacht, was ich sehr sehr gut kann. Ich habs ignoriert. Bis Mittwoch halt. Denn dann gings los.

Frau Piepenkötter I Mutter Kind Kur in Horumersiel

Aber warum eigentlich Kur? Achtung, es folgt: Mimimi….

Eine Bestandsaufnahme. 2010 hab ich mit zwei kleinen Kindern eine Ausbildung in Vollzeit angefangen, die manchmal mehr als 50 Stunden pro Woche an Aufwand bedeutete. 2013 wurde ich fertig. Mit einem Einserdurchschnitt. Nebenbei hatte ich noch die Zusatzqualifikation zur „Fachkraft für Kleinstkindpädagogik“ absolviert. Und stundenweise von Zuhause gearbeitet. Damit wir rumkommen. Ich sage ja gern selbst von mir, dass ich unter Volllast am besten laufe.

2013 hat der Mann eine Langzeitfortbildung begonnen. Wir haben uns dafür entschieden, weil wir mit der Arbeitsstelle die mit der Qualifikation einher ging und meiner angestrebten Position ein gutes Auskommen haben würden. Sparsam gelebt hatten wir auch schon lange genug. 2 Jahre war er nur am Wochenende zuhause. Ich war allein mit beiden Kindern und im neuen Job, inklusive 2 Jobwechseln. Einer davon wegen Mobbing. Nicht immer Spaß, aber man hält durch.

2015 war der Mann fertig. Ich übernahm nur 2 Jahre nach Abschluss meiner Ausbildung eine Leitungsstelle. Alles was ich darüber wissen musste, hatte ich mir quasi nebenbei angelesen. Wir verkauften unser Haus und begannen im Dezember 2015 zu bauen an. Im Januar 2016 wurde der Mann krank. Sehr krank. So krank, dass er fast starb. Dank einer Pankreatitis weilte er 4 Wochen auf der Intensivstation, danach im Krankenhaus und in der Reha, bis er im Sommer wieder nachhause und im Herbst des Jahres wieder arbeiten konnte. Wir zahlten das alte Haus noch (bis zum Auszug), das neue Haus schon und der Mann rutschte in den Krankengeldbezug an genau dem Zeitpunkt an dem wir eigentlich dachten wir würden durch meine neue Leitungsstelle und seine Anstellung als Steiger eigentlich mehr Geld zur Verfügung haben als je zuvor. Pustekuchen!

Zwischendrin zogen wir um. Erst mit der Kita, dann mit der Familie. Dank Personalwechsel und -ausfällen arbeitete ich nicht selten mehr als 40 Stunden die Woche, machte nebenbei meinen Fachwirt und begann zu bloggen um nicht den Verstand zu verlieren. Ich bloggte mit einem Zeitaufwand von ca.10-20 Stunden die Woche. Heute ist es durchaus mehr. Und wer jetzt denkt, dass an dieser Stelle dann alles gut und überstanden ist, alle munter und gesund, dem sei gesagt, dass dieser Zustand ca. 3 Monte anhielt. Dann flatterte der Zettel ins Haus den wir schon seit Monaten bang erwarteten. Werksschließung. Der Standort des Mannes bzw. sein Arbeitsplatz schließt für immer seine Tore. Und nu?

Frau Piepenkoetter I Bestandsaufnahme

Reif für die Kur?

Ach, quatsch. Nach all dem was da so hinter uns liegt, denke ich durchaus berechtigt, das sich alles regeln lässt, solange wir zusammen und gesund sind. Alles. Und trotzdem macht das etwas mit mir. Es ist so ein Grundsummen der Ungewissheit das durch mein Leben zieht. Alles was ich jetzt denke und entscheide, entscheidet der Kopf. Impulsivität und Risikobereitschaft sind Fehl am Platz. Aber das war ja noch nie mein Lifestyle. Trotzdem habe ich das Gefühl schon seit Ewigkeiten nur noch auf das zu reagieren, was das Leben mir so vor die Füße wirft. Ich regel das. Alles. Aber ich gestalte mein Leben nicht mehr selbst. ich funktioniere. Ein erster Ausbruch in die Selbstbestimmtheit war die Rückkehr ( wenn man es  so nennen kann) in die Blogosphäre. Aber ich merke, mir ist das zu wenig. Ich hätte gern mein Leben zurück, aber mir fehlt es an Kraft und Strategie. Und jetzt, am Sonntag, nach dem ich schon ein paar Tage hier in der Kureinrichtung bin und mich vom Allgemeinmediziner über die Psychologin bis hin zum Osteopathen schon jeder für meinen Umgang mit mir selbst gerügt hat, da merke ich: Ich war Kur-reif. So richtig.

Gott, wenn ich mir das alles so durchlese klingt das schrecklich. Mimimi. Trotzdem fühlt sich diese Rückschau an, als hätte mich das Schicksal fortwährend aufgefressen, durchgekaut und ausgespuckt nur um mich dann wieder aufzufressen, durchzukauen und auszuspucken. Damit machen wir dann jetzt Schluss, oder?

Dieser Text macht vielleicht keinen Sinn und er bietet euch bedauernswerter Weise keinen Mehrwert ( es sei denn ihr seit in einer ähnlichen Situation und könnt zwischen den Zeilen ein „I feel you, Sister!“ erkennen und fühlt euch gedrückt). Aber es ist auch etwas, was raus musste und was mich zu dem Menschen macht der ich bin. Ich kann euch zu Selbstfürsorge nicht viel erzählen, denn scheinbar weiß ich darüber fast nichts, aber ich kann euch ein bisschen daran teilhaben lassen, was ich hier darüber lerne. Vielleicht hilft es ja. Mir. Euch. Uns. Mal schauen!

Danke fürs Zuhören!

Liebste Grüße

Vanessa

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17 Comments

  • Reply
    miriam (fernlane.de)
    18. März 2018 at 12:30

    Vanessa, letzte Woche (oder so) habe ich dich in einem dieser albernen Instagram Stories Templates als „inspirierende Frau“ getaggt und du hast mir nur zurück geschrieben „Ich frage mich die ganze Zeit, mit was ich bitte inspiriere“ (und dann dieses Kinnkratz-Emoji). Ich hab dir dann nur zurückgeschrieben, dass du da sicher auch noch drauf kommst. Und jetzt liest du nochmal deinen Text und dann weißt du es. Dass du nicht „mit was“ inspirierst, sondern weil du bist, wie du bist. Weil du dich und dein Umgang mit diesem Sturm aus Scheiße (sorry falls du bildlich), der euch da umfliegt, reflektierst und weil du das dann auch noch teilst. Und weil du jetzt auch noch lernst, Selbstfürsorge zu betreiben.
    Ich hab nach wie vor keine hilfreichen Worte, aber du sagst ja (genau in diesem Moment per Facebook-Messenger), dass zuhören und „aha“ sagen reicht.
    Ich höre und: „Aha.“

    • Reply
      FrauPiepenkoetter0105
      18. März 2018 at 12:33

      ❤️

  • Reply
    Minza willSommer
    18. März 2018 at 12:33

    Nix Mimimi, wahnsinn Frau Piepenkötter, wie stark Du bist, sein musst(est)! Bin damals selber in so einiges reingestolpert, beruflich (vor der Architektur) in die Leitung eines Jugendwohnprojekts, Überstunden bis über 100%, funktionieren, auf Außen reagieren (I feel you, Sister), später nebenbei noch n Vollzeit-Praktikum beim Schreiner fürs Studium, schlafen kann man mit Glück auch im Nacht- und Wochenenddienst, so sehr alles inhaltlich mein Ding war und immer noch ist …und dann noch Dein Drumrum, hossa!! Stark sein, Durchziehen, das kannste und jetzt Du, Selbstbestimmtheit und so ♥ . Wünsche Dir Kraft, Geduld und Zuversicht in Durststrecken und … Spaß, ganz viel davon! LG Maren

    • Reply
      FrauPiepenkoetter0105
      18. März 2018 at 14:59

      Dankeschön ❤️

  • Reply
    Andrea
    18. März 2018 at 12:54

    I feel you sister ♥️

  • Reply
    Sabine Schemper
    18. März 2018 at 16:07

    Sister, i feel u! 💖💖
    Danke für deine ehrlichen Worte.

    • Reply
      FrauPiepenkoetter0105
      18. März 2018 at 19:36

      So gern.

  • Reply
    Leo
    18. März 2018 at 18:41

    Liebe Vanessa! Für mich hatte der Text einen Mehrwert! ❤️
    Ich traue mich bisher nicht, den Antrag zu stellen, weil ich fürchte, dass er bewilligt wird 😊 Danke, dass du drüber schreibst! Leonie

    • Reply
      FrauPiepenkoetter0105
      18. März 2018 at 18:57

      Hey Leo! Das tut echt nicht weh hier. Mach das ruhig. Oder warte noch den Augenblick, bis ich dir Einblick verschaffen konnte. Ich komme gerade echt gut runter!

  • Reply
    Flo | Tasteboykott
    18. März 2018 at 19:57

    Frau Piepenkötter, du bist Bombe! Als Bloggerin und einfach als Person. Genieß deine Kur so gut es geht!

    • Reply
      FrauPiepenkoetter0105
      18. März 2018 at 20:03

      ❤️❤️

  • Reply
    Grit
    19. März 2018 at 19:38

    Liebe Vanessa,

    DU stehst nicht auf Deiner eigenen to-do-Liste. Gut, dass Du dabei bist das jetzt zu ändern. Ganz viel Kraft dafür und genieße die Kur!

    • Reply
      FrauPiepenkoetter0105
      19. März 2018 at 19:39

      Danke❤️

  • Reply
    Liv Äpplegrön
    28. März 2018 at 17:31

    Oha. Da habt Ihr so einiges zu wuppen gehabt und immer mindestens 150% gegeben. Ein Wunder, dass dir dein Körper das nicht schon vorher gezeigt hat. Oder vielleicht hat er und du hast es ignoriert? Kenne ich, kann ich auch gut. Und was deine berufliche Bahn betrifft! Wow. Next step: Fachberatung! Alles Gute für Euch auf der Kur.

  • Reply
    Ruth
    29. März 2018 at 14:21

    Liebe Vanessa, ich fühle mit Dir. Mehr als Du ahnst.
    Mein ‚Kurgang‘ hat ja eine sehr ähnliche Geschichte, wenn auch über andere Wege.
    Ich hoffe, dass Dir und mir die Kur sehr viel bringt.
    Vielleicht passen wir danach ein bisschen aufeinander auf, damit wir nicht vergessen, nach dem Gelernten auch zu handeln, bevor uns der Alltag und das Schicksal wieder auffressen!
    Lass es Dir gut gehen, genieße ohne zu hinterfragen (und ohne schlechtes Gewissen). Drei Wochen sind kurz, aber immerhin drei Wochen mehr als nichts! 😉
    Liebst Grüße – Ruth

    • Reply
      FrauPiepenkoetter0105
      29. März 2018 at 14:40

      Danke, Ruth! Ich bring dir nen paar gute Tipps und noch was anderes mit ❤️

  • Reply
    Frau Piepenkötter auf Kur I Vom Stress und schattenwerfenden Gedanken
    8. April 2018 at 12:53

    […] wisst ja nun schon, warum ich zur Kur gefahren bin, ihr habt die Anreise quasi miterleben können und ich habe auch schon ein bisschen was zum Thema […]

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