Frau Piepenkötter auf Kur: Kurzer Zwischenbericht zum ersten Post-Kur-Montag!

Frau Piepenköetter I Frau Piepenkötter auf Kur

Der Wecker klingelt. 5 Uhr. Warum 5 Uhr? Muss ich nicht später los? Und überhaupt: Wo zur Hölle ist das Wochenende? Egal, erstmal nen Kaffee…..oder nicht. Ich muss tatsächlich später los, denn ich muss ja um halb Acht zur Blutabnahme. Nüchtern. Son Sch…..

Ein bisschen wie ein Turmspringer der versehentlich ins leere Becken springt klatscht meine Laune auf die Fliesen. Kein Kaffee für mindestens noch 3 Stunden. Na bravo! Dafür aber „Servicedienst“ in der Küche. Maja braucht „mehr Frühstück“. Heute gehts mit der Klasse auf Exkursion. Nicht das vom Wochenende noch so viel Essbares übrig wäre. Jule braucht nur ein (zuckerfreies) Brot. Wäre einfach, wenn noch Brot da wäre. Ich trotze dem Knust eine letzte Scheibe ab. Ein Scheibchen, wohl eher, und laufe dabei apathisch drein blickend zum ca. 5000 mal an der Kaffeemaschine vorbei. Es waren zwei Königskinder….

Gegen sieben haben sich alle Kinder und meine Restnerven komplett verflüchtigt. Ich fahre einfach schon mal los, denke ich. „Ran und von“ sagt unser Omma immer. Das Fahrrad ist platt, aber ich bin ja jetzt so ein positiver Mensch und darum freue ich mich, dass das Auto nicht zugefroren ist. Hatten wir ja schon alles. Man nimmt, was man kriegt…

8.30 Uhr Nach dem ich den Blutverlust um ein Vielfaches durch Kaffee wieder ausgeglichen habe, fahre ich in die Kita. Dienstbeginn wäre um 10, aber ich bin froh um jede Minute die ich extra rausschlagen kann, denn in den vergangenen Wochen ist viel Büroarbeit liegen geblieben. Dann fällt mir ein: Katharina hat Urlaub, ich vertrete sie heute am Nachmittag. Hoffentlich denkt Jule daran, nach der Schule in die Kita zu kommen. Warum muss der Mann auch ausgerechnet diese Woche Spätschicht haben? Ich hasse Spätschicht.

Die letzte halbe Stunde in der Kita ist wie immer die längste halbe Stunde des Tages. Jule hängt in den Seilen. Sie hat Hunger und Schule war seeehr anstrengend. Das Essen das ich für sie eingepackt hatte, mag sie nicht. Sie will nachhause. Ich auch,bis mir einfällt was da dann noch so ansteht. Ich will doch nicht. Oder doch. Ich weiß es nicht.

Es gibt ja Feierabend und Feierabend. Und ich weiß jetzt schon gut, welche Sorte da heute auf mich wartet. Und richtig: Im Auto möchte Jule schon die Menüfolge des anstehenden „Mittagessens“ wissen. Wie gut das wir noch Reste vom Grillen haben! An der Tür verleiht der Hund schon zappelnd gewissen unaufschiebbaren Bedürfnissen Ausdruck. Also erst Gassi. Und noch während ich die Leine nehme höre ich Jule. „Hier sind aber keine Reste mehr! Und einkaufen war Papa auch nicht!“ Hervorragend. Eine ausgehungerte und nölige Elfjährige in der Fructosekarenzphase, ein hyperaktiver Labrador mit Blasendruck und ich. So fangen Legenden an… Der  „Eins nach dem anderen“-Modus wird also aktiviert. Erst der Hund, dann schnell was auftauen. Wird schon irgendwie gehen. Muss.

Während das Hähnchenfilet auftaut und ich dem Hund versuche begreiflich zu machen, das wir jetzt keinen 5 Kilometer Frühlingsspaziergang machen, holt Jule schon mal die Mathesachen raus. Volumenberechnungsgedöns. Wer schreibt eigentlich die Aufgaben für Mathebücher? Und was stimmt bitte mit dem nicht? Nachdem ich drei Aufgaben bravorös erklärt habe, scheitere ich an der letzten Aufgabenstellung, aus der sich für mich kein klarer Arbeitsauftrag ableiten lässt. Es kommt aber GARNICHT in Frage, morgen einfach den Lehrer zu fragen. Dafür gibt es dann nämlich nen Strich und für drei Striche ne mündliche Fünf. Die akademische Laufbahn meines jüngsten Kindes steht an dieser Stelle also völlig auf der Kippe und in den nächsten fünf Minuten wird sich entscheiden, ob Jule Kassierein oder Raketenforscherin werden kann. Ich bin kurz froh, dass sie ja derzeit als Berufswunsch „Tankstellenbesitzerin“ favorisiert und mache erstmal nen Kaffee. Das hier ist ein klarer Fall für Latte mit Karamelsirup. Wenn wir ehrlich sind, wäre ich jetzt schon ein Fall für Gin Tonic, aber Alkohol ist keine Lösung und ich muss ja noch Auto fahren. Kacke.

Noch bevor der Kaffee leer und die Hausaufgaben zu aller Zufriedenheit erledigt sind, muss ich los die Große holen. Es fährt kein Bus von der Schule zu uns aufs Dorf an der Landkreisgrenze. Das werden wir in den nächsten Tagen noch öfter merken, denn das Ausflugsprogramm das Maja mit ihrer Austauschschülerin absolviert beinhaltet eine Menge Bring- und Abholtermine zu Unzeiten. Apropos Austauschschülerin: Wenn ich der um Mitternacht als erstes Mahl nach ihrer Reise nicht Kapern mit Lemon Curd anbieten will, muss ich auch noch zum Einkaufen. Also los.

Auf dem Weg ist ein LKW umgekippt und alles staut sich. Ich sehe die Minuten quasi durch meine Finger rinnen, die mir im Anschluss noch bleiben um einzukaufen bevor ich zum Chor muss. Muss? Klar, ich muss da nicht hin, aber will ich die eine Sache die ich im Januar  „nur für mich“ gestartet habe ausfallen lassen? Will ich nicht. Ich habe durch die Kur schon drei oder vier Probentermine verpasst und hab ein bisschen auch Angst, oder besser die berechtigte Befürchtung, dass ich, wenn ich heute nicht gehe, nie wieder loskomme. Also Maja und Mitfahrer um 18.43 Uhr eingesammelt und im Schweinsgalopp zurück.

Im Edeka ziehen wir dann eine Nummer ab, die mich ein bisschen an „1, 2 oder 3“ mit Michael Schanze erinnert. Diese Sache mit den Einkaufwagen am Ende. Wisst ihr? Maja rennt in die eine Richtung, ich in die andere und wir werfen Dinge in Korb und Tasche von denen wir glauben sie zu brauchen bzw. das finnische Teenager sie gern essen wollen. Als wir atemlos an der Kasse unsere Beute aufs Band werfen (zum zweiten Mal, denn am ersten Kassenband war keine ECZahlung möglich) fällt uns auf, dass wir einige Dinge doppelt haben. Egal. Weiter.

Wir kommen um 19.28 Uhr zuhause an. Um 19.30 Uhr werde ich abgeholt. Von der Toilette aus spreche ich den Kindern Arbeitsaufträge als WhatsappSprachnachrichten auf Band. Liedermappen rauskramen, Rucksack leeren. Oh Gott, wo kommt die Banane her? 19.32 !! Los!!!!

Eine letzte aufgabenschwangere Sprachnachricht setze ich noch im Vorbeigehen am Küchenfenster ab. Jetzt: Singen!

Um 22.30 Uhr komme ich von der Chorprobe zurück und bin erstaunt darüber, dass man mich scheinbar erwartet, denn die Haustür öffnet sich wie von Zauberhand. Statt eines freundlich lächelnden Familienmitgieds das mich begrüßen möchte schießt aber mein wild fluchender Mann an mir vorbei. In seiner Hand eine stark rauchende Pfanne mit „es war wohl mal Spiegelei“. Die ganze Bude steht übelst unter Qualm und riecht schrecklich nach verkohlten Eiern. In einer Stunde müssen wir die Austauschschülerin abholen. Home sweet home.

Ich sperre den Hund weg, öffne alle Fenster und Terrassentüren weit und versuche mit Mühe und Not den Zustand des Wohnraums wiederherzustellen, in dem er war als ich ging. Rauch, Fett, Verpackungen, irgendwer hat in meiner Abwesenheit seinen Kleiderschrank aussortiert und alles unbrauchbare und zu kleine auf den Esstisch geworfen. Wie hilfreich. Der Mann versucht das mit den Spiegeleiern nochmal und fährt anschließend mit Maja los um die Austauschschülerin abzuholen. Wieviele Stunden bin ich jetzt wach? 18? 19? Ein bisschen muss ich noch.

Um kurz nach Mitternacht sind alle zurück und ich darf mich auf die letzten Meter wieder in mein ach so selten gesprochenes Englisch eingrooven und der jungen Finnin ein erstes Mahl auf deutschem Boden bereiten. Um 0 Uhr 50 trifft mein Kopf zufällig mein Kissen. Der Mann guckt von der Seite: „Wollen wir noch einen Film gucken?“ Ich denke viel über diesen Vorschlag. Ein ganzer Schwall Worte nimmt in meinem Kopf Fahrt auf, schafft es aber vor lauter Müdigkeit nicht aus meinem Mund heraus. Da hat er Glück gehabt. Oder ich. Ich bin wieder zuhause. Gute Nacht!

 

 

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3 Comments

  • Reply
    Sandra
    10. April 2018 at 08:47

    Ach Vanessa, was für ein Kaltstart. Von Null auf Hundert. Ich drücke Dir die Daumen, dass die Reflexion des Alltags (sprachlich übrigens fulminant auf den Punkt gebracht, Du solltest einen Roman schreiben) in Verbindung mit Erkenntnissen der Kur Dich solche Tage irgendwann anders/ besser erleben lassen.

    Eine gute Woche für Euch!
    Sandra

    • Reply
      FrauPiepenkoetter0105
      10. April 2018 at 08:56

      Danke! Dir auch ❤️

  • Reply
    Kerstin
    10. April 2018 at 15:11

    Ohje und Oh ja, kenn ich auch… Fast alles, nur dass meine Jungs noch nicht in der Pubertät sind…Ich bin bei Dir…LG Kerstin

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