Frau Piepenkötter auf Kur: Mein Körper ist (k)ein Tempel!

Frau Piepenkötter I Mutter Kind Kur

Mir ist ganz ehrlich keine gute Überschrift für das hier eingefallen, aber diese Tempelsache trifft es ganz gut. Mein Körper ist ein Tempel, wenn man mein Bild von Tempeln teilt. Alt, baufällig, stark in Anspruch genommen. Auch das, so war mir klar, will ich auf der Kur ändern. Nicht angehen, sondern ändern, denn anfangs dachte ich ja, wie so viele auch noch, das ich nach der Kur frei von allen Zipperlein und Problemen heim käme. 10 Kilo leichter, sportlich gestählt, hoch motiviert, strahlend schön. Hahahahahahahahahahaha……

Ganz gut an dieser falschen Einstellung war trotzdem, dass ich nach meinem Maximalprinzip ja auf jede Frage des Arztes, ob ich diese oder jene Anwendung oder Therapie haben wolle begeistert „JA! UNBEDINGT!“ rief. Muss ja auch alles maximal effektiv sein, wenn man sich schon mal drei Wochen aus dem Alltag ausklinkt und die Kollegen mit desoltare Personaldecke zurücklässt. Los! Los!

Tempel? Dieser Körper ist maximal eine Großbaustelle

Wenn man von den Fitbitfights, einem FitbitcoachAbo und 5-6 motivierten kleinen Yogaeinheiten (minimales Niveau) in den letzten Wochen oder besser Jahren absieht, habe ich schon sehr lange keinen Sport mehr gemacht. Meine Freundin Sabrina würde jetzt wahrscheinlich sagen: „So ca. 38 Jahre!“ Und das stimmt. Ich war noch nie in meinem eben sportlich oder sportbegeistert. Meine ab und an aufkeimende Motivation reicht in der Regel dafür „das Buch zum Sport“ und eine elastische Buxe zu kaufen (die alte ungetragene vom letzten Mal ist komischerweise eine Größe zu klein….). Manchmal auch ein Paar Sportschuhe. Dann ist wieder kein Wetter, keine Zeit und letztlich keine Lust und wir haben das Motivationshoch schadlos und sportlos überstanden.

Mit den Jahren kamen dann auch die ein oder anderen Gebrechen dazu, die ich astrein als Sportausrede anbringen kann. Der rechte Fuss war blöd gebrochen, beim linken macht das Gelenk Probleme und ich kann morgens schlecht auftreten. Die Knie sind eine Altlast und wurden über die Jahre nicht besser, der Rücken gerade im Bereich der Brustwirbelsäule macht immer mal wieder Probleme. Ich bin mit 38 noch nicht alt, aber älter. Alt genug sozusagen. In meinen Augen alles gute Gründe, keinen Sport zu machen. Und in Wirklichkeit? Dringende Gründe nun endlich doch mal Sport zu machen.

Osteopathie

Der erste Termin dem ich dieser Körpersache zuordnen würde, war beim Osteopathen. Ich hatte durchaus schon Gutes von dieser Berufsgruppe gehört, aber im Ernst! Wer gibt den so viel Geld für sich selbst aus? Ich in der Regel nicht. Umso mehr habe ich mich gefreut, dass ich im Verlauf der Kur drei Termine beim hauseigenen Osteopathen hatte.

Der erste Termin war echt ein bisschen krass. Der Typ sagte mir, auf welcher Seite ich im Job die Kinder tragen würde ( ich bin nämlich quasi der schiefe Turm von Piepenkötter), das mir die Niere Probleme macht oder machte (jepp!), das ich morgens schlecht auftreten kann (Woher wissen?), meine Hüftschmerzen gar keine Hüftschmerzen, sondern Schmerzen in der Lendenwirbelsäule sind (und ich mir nur keine Zeit nehme mal wirklich zugucken wo es weh tut) und noch ein paar Dinge mehr. Anschließend piekte er überall mal in alle Seiten, schob irgendwas an Innereien durch die Gegend und faltete mich erst im DIN A 4 Format zusammen und dann wieder auseinander. Und auch wenn ich noch während der Prozedur dachte, das ich im Anschluss wahrscheinlich direkt in den Rollstuhl oder zumindest an den Rollator muss, ging es mir danach direkt besser. Und zwar aus genau einem Grund: Ich wusste, dass mein körperlicher Verfall keinen anderen Grund als meine eigene Idiotie und Faulheit hatte. Na bravo.

Um es an einem Beispiel festzumachen: Seit ca. 8 Jahren kann ich am Morgen erst einmal nicht richtig auftreten. Das geht die ersten drei vier Minuten nach dem Aufstehen so und hat zum Ergebnis, dass ich morgens aus dem Schlafzimmer hinke, als hätte man mir ins Bein geschossen. Sexy.

Acht Jahre habe ich das nun also so hingenommen, da ich dachte, es läge an dem gebrochenen Mittelfussknochen und der Tatsache, dass ich im Anschluss die verordnete Physiotherapie einfach nicht gemacht habe (weil ich ja keine Zeit hatte. Is klar, oder?). Und dann sagte der Osteopath/Physiotherapeut/Chiropraktiker: „Sind sie sich sicher, das es der rechte Fuß ist?“  Nein, es war der linke Fuß. Aber ich hatte mir nie die Zeit genommen, diese Millisekunde, um zu überlegen, welcher Fuß das eigentlich ist. Ich habe sofort im Halbschlaf das eine mit dem anderen verbunden und hatte Zack meine eigene Diagnose gestellt. Dann kam nun also Mr. Osteo und sagte mir, das es der andere Fuß sei, eigentlich aber ein bisschen beide und das die Ursache dafür ganz einfach verkürzte Wadenmuskeln seien. Verkürzt, weil vernachlässigt. Er gab mir ne Übung die ich täglich 3x 1 Minute mache und ZACK nach ein paar Tagen war das peinliche Hinken am Morgen Geschichte…… Beknackt!

Da er alles was er machte und bemerkte immer schon verständlich an mich weitergab, ging ich nach drei Osteopathiesitzungen mit dem Wissen nach Hause, dass die meisten meiner angeblichen Alterserscheinungen einfach nur von mangelnder Muskulatur herrührten und somit alles Zipperlein, Einschränkungen und Gebrechen waren, die ich mir durch ein bisschen mehr Sport hätte ersparen können. Und der Preis für die größte Faulheit gepaart mit Ignoranz geht an….

Nordic Walking

Ja, ja, glaubt mir. Alle Witze die euch jetzt einfallen über „Stockenten“ oder „Laufen mit Stäbchen“ habe ich selbst schon gerissen und trotzdem habe ich, mich fürs Nordic Walking (und nicht für „nur Walking“ oder gar nichts) einteilen lassen. Wenn man das richtig und mit den Bewegungen ein bisschen wie beim Skilanglauf macht, ist das nämlich eine für mich ziemlich passige Sportart. Das macht man draussen, man kann Tempo machen und der Bewegungsablauf ist toll für meine Problemzone Nacken etc. Wenn man es mal vom Profi erklärt bekommt und richtig ausführt ist es auch echt anstrengend und hat mit dem so oft gesehenen „Spazieren mit Stäbchen“ nichts zu tun. Ich fand das Nordic Walking zweimal in der Woche ziemlich gut und ich habe währenddessen auch noch eine zweite wichtige Übung gemacht und zwar „Aggressionsbewältigung“, denn wenn man sowas macht und dann nicht ernst nimmt und mit schleifenden Stöcken schnatternd durch die Gegend schlurft (und das bei einer Gruppenaktivität) kann ich im Zweifel auch mal innerlich der unglaubliche Hulk sein und grün anlaufend aus dem Yogashirt platzen. Aber das hab ich gut hinbekommen und schön meine besserwisserische Klappe gehalten. Getreu dem Motto „Klar kannst du das so machen! Ist dann halt scheiße!“

Wassergymnastik

Jeden der mir vor der Kur gesagt hätte, dass ich an Wassergymnastik Gefallen finden könnte, den hätte ich ausgelacht. Lauthals. Ach was: BRÜLLEND!!!! Aber es ist so. Wassergymnastik mit Brett, Nudel, Hanteln und sonst noch so Gedöns hat mir wirklich immer immer Spaß gemacht. Es war anstrengend, was es ja auch sein sollte, aber es war auh immer …ja…kurzweilig. Und das sagt jemand, der 10 Jahre lang jedes Wasserloch gemieden hat wie die Pest und sich im Badedress nie so ganz wohlgefühlt hat bzw. wohlfühlt. Ich überlege, ob ich mir nicht ne Wassergymnastik DVD kaufe und den Kram dann im Sommer an die weiße Garagenwand hinterm Pool projiziere. Da können sich die Anwohner hier schon mal freuen. Der Kartenvorverkauf startet in Kürze…..

Frau Piepenkoetter I Kur für den Koerper

Wirbelsäulengymnastik

Die Wirbelsäulengymnastik entpuppte sich als mein Angstgegner. Am Anfang dachte ich noch „Ach, hier sind noch viel übergewichtgere Frauen! Wenn die das schaffen, schaffst du das mit links…!“ Aber heute weiß ich, dass es Frauen gibt, die 40 Kilo mehr wiegen als ich und trotzdem um ein vielfaches fitter sind. Schande! Vom Grundsatz her war die Wirbelsäulengymnastik aber super aufgebaut. Jede Übungseinheit hatte ein anderes „Gerät“ zum Thema. Hocker, Theraband, Pad, Slashpipe und (schlimmstes Sportgerät aller Zeiten) der Pezziball!

Hier kommt aber auch schon die Hinterlistigkeit des Ganzen um die Ecke. Der Pezziball war nämlich in meinen Augen sozusagen der Winnie the pooh unter den Sportgeräten. Auf Pezzibällen sitzt man und wippt so ganz easypeasy ein bisschen rum, oder nicht? NEIIIIIIN! Pezzibälle drückt man mit der rechten Hand so doll, als wolle man sie platzen lassen, während die linke Hand so tut als ob sie Drinks auf einem Tablett servieren müsse und dann streckt man ein Bein nach hinten weg, vielleicht auch beide und dann, dann stirbt  man beim Treppenlaufen 1000 Tode und kann am nächsten Tag weder stehen, noch sitzen, noch laufen und auf gar keinen Fall lachen. BLOß NICHT LACHEN! Bei der ganzen Sch… ziehste dann noch den Bauchnabel nach innen und lässt das Brustbein strahlen. Es wird sich irgendwann ein ungeheures Gefühl der Befriedigung einstellen. Im Zweifelsfall, wenn der Schmerz nachlässt.

Die Vielfalt der Übungen ist ganz schön um zu sehen, was einem so liegt und leicht fällt. Das darf man dann nämlich auf gar keinen Fall weitermachen. Es soll nämlich nicht einfach sein. Es soll anstrengend sein!

Fazit

Ich denke ja bei vielen Dingen immer, dass ich sie mit ner Anleitung, ner DVD, nem Youtube-Tutorial zuhause alleine machen kann. Ich habe einsehen müssen, dass das nicht stimmt. Wie schnell eine kleine Ungenauigkeit oder Abweichung in den Bewegungen plötzlich wieder ganz andere Muskeln fordert und wie arg man gegen den schlauen Körper der sich frei von Arbeit und Anstrengung halten will ankämpfen muss, ist mir erst durch die ständige und super aufmerksame Korrektur der Sporttherapeuten in der Klinik klargeworden. Und auch, dass ich als #fitbitfighter zwar in Bewegung bin und nicht unbedingt lethargisch, aber das ich beim Gehen eben einfach viel zu wenige Muskelgruppen „anspreche“ und somit trainiere.

Ich möchte es als übertrieben bezeichnen, würde ich sagen, es hat mir bolle Spaß gemacht. Dieses Gerenne und Geturne. Was mir aber übertrieben viel Spaß macht, ist dieses „schmerzfrei“ sein und mich bewegen zu können wie eine  Frau unter 40, die ich ja auch noch bin. Angemessen. Aus diesem Grund und der Tatsache, das ich in meinem Kopf immer so ne drahtige Sporttussi sein wollte. Kein Fitnessfanatiker, sondern die Nachbarin die morgens entspannt Yoga macht und im Urlaub zum Kitesurfen geht. Son Beachgirl. Das wird es jetzt wohl nicht mehr werden, aber für ein „für ihr Alter noch ganz gut in Schuss“ könnte es ja langfristig gesehen reichen, oder? Jetzt muss ich mir nur noch überlegen, wie ich das hinbekomme. Tipps, anyone?

Liebste Grüße,

Vanessa

 

 

 

 

 

 

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