Frau Piepenkötter auf Kur : Eure Fragen und meine Antworten!

Frau Piepenkötter I Kur Fragen und Antworten

So, nach dem mich eine fette Erkältung mal kurz ne Woche aus dem Verkehr gezogen hat bin ich nun mehr als bereit das Thema Mutter Kind Kur hier und heute mit euch abzuschließen. Als einziges bislang nicht behandeltes Thema steht noch Essen bzw. Gewichtsabnahme auf meinem Zettel. Dazu möchte ich wohl grundsätzlich auch noch kommen, aber nicht so stark im Kontext mit der Kur. Im Laufe der Kur und der darauf folgenden Artikelserie hier auf dem Blog kamen eine ganze Menge Fragen von euch an mich zu diesem Thema auf. Da sich die Fragestellungen aber sehr häufig zumindest ähnelten will ich versuchen alles für euch in Form eines Q&A zu beantworten.

Eure Fragen und meine Antworten zur Kur

1. Wann hast du die Kur beantragt?

Der Entschluss eine Kur zu machen fiel im August 2017, nachdem es uns unmöglich war eine adäquate Ernährungsberatung für Jule mit der frisch diagnostizierten Fructoseintoleranz zu finden. MIt zwei Schulkindern auf der weiterführenden Schule wollte ich aber ungern außerhalb der Ferien fahren und an einen Termin für die Herbstferien war zu dem Zeitpunkt schon nicht mehr zu denken. Die meisten Krankenkassen genehmigen eine Kurmaßnahme maximal 6 Monate vor Antritt ( manche aber auch eher, da lohnt es sich nachzufragen). Um eine Kur für die Osterferien (also März 2018) zu beantragen, musste ich also im Oktober 2017 den Antrag stellen. Ich sprach mich im Vorfeld mit meiner Hausärztin ab und wir vereinbarten einen Termin zum Ausfüllen der Anträge durch die Ärztin für September 2017, so das mein Antrag Anfang Oktober 2017 fertig ausgefüllt auf dem Schreibtisch meiner Krankenversicherung lag und bewilligt wurde. Mein Antrag ging sofort durch, inklusive der zwei Therapiekinder. Ich hab aber auch schon davon gehört, das der Antrag erst abgelehnt wurde und nach Einspruch durch den Versicherten bewilligt.

2. Wie hast du die Kur beantragt?

Ich habe mir auf der Homepage meiner Krankenkasse die entsprechenden Anträge heruntergeladen und alles ausgefüllt bzw. ausfüllen lassen. Meine Hausärztin vergibt für diese Anlässe extra Termine an denen sie dann gemeinsam mit mir den Antrag ausgefüllt hat und mich nochmal genau zu Beschwerden und Wünschen befragt hat. Die Anträge dann rechtzeitig (und dann auch zackig) an die Krankenkasse gesendet und der Rest läuft.

3. Hast du dir die Kurklinik selbst ausgesucht?

Ich bin in solchen Sachen manchmal etwas unflexibel und wollte auf keinen Fall irgendwo hin gesteckt werden. Ich hab also im Vorfeld selbst nach der passenden Klinik gesucht. Mir kam zu Gute, das ich ja selbst schon mal iin Friesenhörn war (als Kind) und ich viele Leute im Umfeld hatte, die in den letzten Jahren da waren und nur Gutes berichteten. Da es eine der wenigen Kliniken war, die ich fand, welche sich mit Fructosemalabsorptionsstörungen beschäftigt und (ganz wichtig) sie am Meer und nicht in den Bergen lag, schrieb ich diese Klinik gleich mit auf den Zettel an die Krankenkasse und rief parallel in der Kurklinik an und reservierte. Die Klinik bat darum, dass ich bald möglichst die Bewilligung der Krankenkasse vorlegen sollte und das wars. Die Krankenkasse nahm meinen Vorschlag an/hin und ich meldete alles der Kurklinik zurück.

4. Würdest du das mit Kindern im Alter von XY auch empfehlen?

Meine Kinder waren zum Zeitpunkt der Kur 11 und 14. Wenn man sie erstmal da hat ist das ein äußerst dankbares Alter, da sie schon sehr selbstständig sind und in der Öffentlichkeit ein durchaus gutes Benehmen präsentieren. Die Frage, ob das mit Kindern in anderem Alter anders gewesen wäre, kann ich schwer beantworten, denn seien wir mal ehrlich: Alle Kinder sind anders. Das hat oft wenig mit dem Alter zu tun. Trotzdem neige ich dazu das Modell „Mutter-Kind-Kur“ auch Eltern der jüngeren Altersklassen zu empfehlen. Man sollte nur vorher genau nachdenken, was man will und sich dahingehend bei der Klinik schlau lesen. Werden die Kinder den ganzen Tag betreut? Auch während der Mahlzeiten? Will ich das? Will ich das nicht? Kinderbetreuung nur während Anwendungen? Reicht mir das? Das sind Fragen die sich jeder selbst beantworten muss und dann muss man dieses selbstgewählte Schicksal auch annehmen. Grundsätzlich denke ich, müssen wir stressbewältigungsmäßig das Kind nicht erst in den Brunnen fallen lassen. Auch Eltern mit kleinen Kindern (oder gerade) und Einzeleltern ebenso wie Großfamilienoberhhäupter können einen gut gefüllten Werkzeugkasten mit Strategien wie man sich selbst nicht vergisst und auch bei Sturm nicht untergeht gut gebrauchen. Dafür muss man nicht erst runterbrennen.

5. Hat die Kur das gebracht was du erhofft hast?

Sollte ich das jetzt mit einem Wort beantworten, so wäre das sicher NEIN. Denn am Anfang hatte ich eine völlig abstruse Vorstellung davon wie ich geheilt von allen Sorgen, schlank und fit quasi als neuer Mensch zurück nachhause kommen würde. Was stattdessen passiert ist, ist ein viel intensiveres Prozess der Selbstreflexion der ANGESTOSSEN wurde und immer noch vor sich hin läuft. Ich habe Anstoß bekommen nachhaltig meine Sichtweise zu ändern und ich kam wieder mit etwas in Berührung, dass lange schon vergraben unter allen möglichen Ansprüchen, Voraussetzungen und Annahmen lag: meinem Ich so wie ich sein wollte. Wozu das führt kann ich auch jetzt noch nicht sagen. Wie auch.

Während der Kurmaßnahme hatte ich einen ziemlich schlauen Moment. Eigenlob stinkt, aber dafür ohne Spaß, klopf ich mir jetzt noch auf die Schulter. Ich befand mich im Umkleideraum vor der Wirbelsäulengymnastik und um mich herum schaukelten sich so 5-6 Frauen hoch, was sie nicht erwartet hatten und wie sehr sie doch enttäuscht wäre und wie wenig von dem was sie brauchen würden doch tatsächlich möglich gemacht werden würde. Und anstatt mir einfach meinen Teil zu denken hörte ich mich plötzlich sagen: “ Vielleicht ist es aber ja so, dass wir aus genau diesem Grund hier sind! Weil uns nie etwas schnell genug geht, nie etwas gut genug ist! Und weil wir zwar immer glauben alles am besten zu wissen, aber wir letztlich keine Ahnung haben, was wir wirklich brauchen! Und vielleicht sollten wir deshalb einfach auf die Leute vertrauen, die seit 30 Jahren alle 3 Wochen so ne Truppe wie uns vor sich haben.“ Ich war selbst erstaunt über meinen Ausspruch, denn eigentlich hab ich immer versucht mich möglichst bedeckt zu halten, aber ich hatte zu diesem Zeitpunkt schon meinen Frieden mit der Idee des „geheilt werdens“ gemacht und hab eine andere Erkenntnis in meinen Rucksack gepackt. Die Erkenntnis das es so viel wertvoller ist, sich selbst heilen zu können. Auch wenn es langsam voran geht. Ich hab die Verantwortung für mein Leben wieder in die Hand genommen. Das wird mir am Ende mehr helfen, als wenn ich drei Massagen mehr gehabt hätte.

6. Würdest du das nochmal machen?

Ja und Nein. Zum einen sind meine Kinder in 4 Jahren, wenn ich wieder „kuren“ könnte mit 15 und 18 wohl definitiv aus dem Alter raus. Zum anderen war es für mich als Mutter alter Kinder auf ungewohnte Art speziell wieder ob der Gegebenheiten in so eine Gruppe eingemeindet zu werden. Im Kindergarten und Grundschulalter ist das ja noch irgendwie normal, aber mittlerweile ist es einfach nicht mehr mein täglich Brot. Eine Kur hat dahingehend ihre eigenen Regeln. Man findet sich, ob man will oder nicht in Gruppen zusammen. Ich hab auch tatsächlich sehr liebe neue Menschen kennengelernt, deren Bekanntschaft ich nicht missen wollen würde, aber meinem Bedürfnis nach Alleinsein entsprach das einfach nicht. Neben Mutter-Kind-Kuren und Vater-Kind-Kuren gibt es auch Kuren nur für den Elternteil (Voraussetzung ist ein Kind unter 18). Da mir die Kur an sich wirklich viel für mich gebracht hat, würde ich wahrscheinlich in 4 Jahren eine ebensolche Mutter-Kur machen und in den kurfreien Jahren möchte ich mir trotzdem die ein oder andere Auszeit nehmen (z.B. ein Präventionskurswochenende mit der Krankenkasse wie z.B. hier zu finden) und dem Alleinsein frönen. Das war mir einfach schon immer ein tiefes Bedürfnis und kommt im Alltag definitiv zu kurz.

7. Warst du am Ende echt entspannt?

Ja, und das obwohl es mir erst gar nicht bewusst war. So richtig bewusst wurde mir das erst, als jemand anderes versuchte seinen Stress bei mir abzuladen und sich mit sofort sämtliche Nackenhaare aufstellten. Auch jetzt, drei Wochen danach, glaube ich immer noch etwas von dieser Entspannung in mir zu haben und bin immer echt ärgerlich, wenn jemand klein macht was eine Kur seien kann („Ach ja immer dieses Psychogequatsche! das hat ja mit dem Leben nix zu tun!“ „Ist doch zuhause eh alles vergessen!“). Jeder muss das nach so einer Maßnahme mit sich selbst ausmachen, wie sehr er daran festhält oder nicht. Ich möchte diese wertvollen Erkenntnisse eigentlich nicht einfach so verblassen lassen. Was hätte das dann alles für einen Sinn gehabt?

8. Was hat das gekostet?

Ich habe pro Tag für mich einen Zuschuss von 10 €, also 210€ gesamt bezahlt. Hinzu kam noch die Servicepauschale von 30€ die die Kurklinik für gewisse Serviceleistungen erhebt. In der Kinderbetreuung gab es auch noch ein paar Angebote für die Materialgeld zu entrichten war (z.B. Keilrahmen bemalen) und es gab einen Ausflug für die Kinder (den beide mitgemacht haben) und Ausflüge für die ganze Familie am Wochenende (da haben wir gepasst) die für wenig Geld stattfanden. Für Material und Ausflüge fielen bei uns nochmal 25 Euro an.

9. Was mach ich mit dem Hund während der Kur?

Diese Frage stellte sich bei uns nicht, da der Mann und der Hund zuhause in friedlicher Eintracht verbrachten und unser Hund auch super gut eine Schicht lang alleine bleiben kann. Ich hab mir trotzdem zu dieser Frage mal Gedanken gemacht und bin zu folgendem Ergebnis gekommen:

Im Zweifelsfall ist an dieser Stelle schon etwas notwendig, dass später in der Kur vielleicht auch nochmal zur Sprache kommt. Hilfe zulassen! Denn ich möchte in 90% der Fälle vermuten, dass es da schon jemanden gibt, dem der Hund anzuvertrauen wäre und der das auch gern machen würde bzw. dem es nicht viel ausmacht. Meist stehen wir uns da selbst im Weg, denn wir wollen uns ja keinem aufbürden. Keiner soll unsere Arbeit machen müssen, während wir gefühlt auf der Massagebank liegen und uns knetenlassen. Aber das ist Schwachsinn und darum plädiere ich dazu einfach mal jemanden zu fragen, von dem man glaubt, der würde sich kümmern. BTW: Wer am Ende mit ner ausgewachsenen Depression gar nicht mehr vor die Tür kommt wird an mehr als 21 Tagen jemanden brauchen, der sich um den Hund und ggf. noch die Kinder kümmert. Denkt mal drüber nach!

Die andere Alternative wäre ein bezahlter Dogsitter oder ein Hundehotel. Das könnte man sich ja auch dort suchen, wo die Kurklinik ist und sich den Hund auch mal für Gassirunden holen. Seht es als das was es ist: Eine Investition in eure Gesundheit!

Wenn irgendjemandem von euch jetzt noch schlaue Fragen eingefallen sind, zum Thema Kur, dann schreibt sie gern in die Kommentare und ich ergänze diesen Post hier nach und nach! Abschließend möchte ich nur noch einmal ausdrücklich sagen, dass euch eine Kur nur etwas bringen kann, wenn ihr bereit seid auch unbequeme Wahrheiten einzusehen, Hilfe anzunehmen und Veränderung zuzulassen. Wer nur mal drei Wochen raus will, sucht sich besser einfach irgendwo nen Ferienhaus!

Liebste Grüße,

Vanessa

 

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1 Comment

  • Reply
    Ruth Legagneux
    22. April 2018 at 23:14

    Toll!
    Ich muss noch 3x schlafen – dann bin ich da und schlafe ja sogar vielleicht im gleichen Bett wie Du. Auf jeden Fall sitze ich ‚im gleichen Boot‘!
    Ich freue mich und bin gleichzeitig nervös und gespannt. Ich hatte mir Sorgen gemacht, dass die Kinder zu alt sind, aber die werden das wahrscheinlich besser durchstehen als ich.
    Ich berichte, wenn ich wieder da bin. Freue mich auf einen Kaffee mit Dir!
    LG – Rudi

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