Ordnungswoche: Es geht ans Ausmisten !

Frau Piepenkötter I Ordnungswoche I Teil 3

So, da sind wir schon beim dritten Post meiner Ordnungswoche und heute gehts richtig zur Sache, denn es geht ums Ausmisten und das finde ich großartig. Tatsächlich finde ich es so großartig, das ich mich sogar anderen Menschen anbiete ihre Dinge für sie wegzuwerfen. Ohne Spaß. Erst gestern wieder.

Das Wegwerfen, Verschenken, Verkaufen und Entsorgen hat für mich eine maximal therapeutische Wirkung. Besser als jede Massage und jedes andere Wellnessangebot hilft es mir dabei, mich gut zu fühlen. Gut, leicht und frei.Ich weiß gar nicht, ob das schon immer so war, aber ich weiß noch sehr genau, wann ich das registriert habe.

Vom innerlichen und äußerlichen Entrümpeln

2012 befand ich mich im vorletzten Ausbildungsjahr zur Erzieherin. Zwei Jahre Vollzeitschule, Praktika, Ausarbeitungen, Nebenjob, Haushalt und Familienleben lagen hinter mir, das letzte Ausbildungsjahr mit allen Prüfungen vor mir. Und irgendwann im Juni saß ich wegen Ohrenschmerzen beim Arzt und meine Hausärztin fragte mich, wie es mir geht. Ich fing an zu heulen und hörte nicht mehr auf. Zumindest nicht so schnell. Ich war einfach fertig. Komplett ausgebrannt.

Meine Hausärztin zog mich damals für ein paar Wochen aus dem Verkehr. Ich sollte zu mir kommen und mich erholen. Zusammen mit den anstehenden Sommerferien insgesamt 9 Wochen. Zuhause war ich ruhelos und unglücklich. Mich plagte erst das schlechte Gewissen Unterrichtsstoff zu verpassen, dann begann ich tausend andere Baustellen, die mir auf andere Weise weiterhin alles abverlangten. Kurz um: Ich drehte am Rad. Und mein Mann machte das einzig sinnvolle für mich: Er bestellte einen Schrottcontainer.

Wenn die anderen also morgens in der Schule über „zielgruppenorientierten Arbeitsprozessen“ brüteten, zog ich Jogginghose und Arbeitsschuhe an und verkaufte, verschenkte und verschrotte ungefähr 30 % unseres Hausstands. Und mit jedem Teil das ich verschenkte, bekam ich ein Stück mehr gutes Gefühl zurück. Und mit jedem Teil das ich verkaufte, wurde ein Stück weniger „jobben“ nötig um die Haushaltskasse zu füllen. Und mit jedem Teil das ich verschrottete wurde meine To-do-Liste ein wenig kürzer und mein Lebensraum ein wenig weiter. Ich liebte es und liebe es bis heute.  Ich fand es fast schon bedenklich, mit was für einer Vehemenz ich durch das Haus fegte und aus dem Bauch heraus entschied, was geht und was bleibt. Heute, fünf Jahre und ein paar Schrottcontainer später, gibt es Grundsätze des Ausmistens die sich hier etabliert haben. Gern würde ich behaupten, das sich hier kein Zeug mehr ansammelt und zusammenrottet um mir den Tag zu vermiesen, aber erstens wohne ich nicht allein und zweitens gibt es auch in meinem Leben gut, wachsame Phasen und dann wieder Phasen an denen das Leben nur so an mir vorbeirauscht und alle Pläne und gute Vorsätze nur müde am Straßenrand winken. Normal. Aber ich weiß: Wenn es mir echt dreckig geht, hilft oftmals ein leerer Pappkarton und eine Mülltüte und alles wird wieder gut.

I bims! Der Wegwerfer!

Wer das Bild vom letzten Ordnungspost aufmerksam betrachtet hat, hat ein Buch gefunden entdeckt, welches augenscheinlich nicht wirklich zu den anderen passt. Fritz Riemanns „Grundformen der Angst“ (*). Und doch hat das Buch für mich sehr viel mit diesem Thema zu tun, denn Riemann beschreibt unter anderem den zwanghaften und den hysterischen Persönlichkeitstyp. Der zwanghafte Typ, wer hätte es gedacht, mag es, wenn die Dinge so bleiben wie sie sind. Keine Veränderung! Dieser Typ mag es beständig. Der hysterische Typ hingegen hängt auf ein Stichwort sein gesamtes Leben an den Nagel und startet neu. Er braucht den Wandel und Veränderung wie die Luft zum Atmen. Nicht schwer sich vorzustellen, welcher dieser beiden Typen es leichter mit dem Ausmisten hat, oder? Mit Trennung und Verlust. Und genau dieser hysterische Type fühle ich mich zugehörig.Ein Wegwerfer!

Fällt euch dieses ganze Wegwerfen vielleicht viel viel schwerer als mir, manchem vielleicht sogar zu schwer, dann ist er vielleicht der andere Typ. Auch nicht schlecht, aber für diese Aufgabe eher hinderlich. Ich würde mir in diesem Fall, und das ist dann hier sozusagen der erste offizielle Tipp, jemanden dazu holen der vielleicht anders vom Wesen ist und (nicht unwichtig) zu den Dingen in meinem Haushalt keine emotionale Bindung hat. Der nicht weiß, dass ich diese mittlerweile fleckige und zu enge Bluse beim ersten Date mit dem Mann an hatte und die kaputte Nähmaschine die von Oma ist. Seid ein Wegwerfer oder sucht euch einen! Dann habt ihr den ersten Schritt schon gemacht!

Du kannst bleiben/ Du nicht

Als erster Grundsatz gilt: Es darf nur bleiben, was unbestreitbaren Wert oder Nutzen hat. Und damit meine ich nicht Dinge, die nur für teures Geld wiederzubeschaffen sind. Im Gegenteil. Ich meine Dinge, an denen mein Herz hing/hängt oder die wirklich praktisch und nicht in der Mehrzahl vorhanden sind. Das ist dieses „Does it spark joy?“ von dem alle Reden. Klar kann ich fünf Schneebesen in der kaum noch zu öffnenden Küchenschublade habe. Wenn einer kaputt geht, kann ich ihn quasi sofort ersetzen. Würde ich die Schneebesen weggeben, müsste ich irgendwann wieder Geld in die Hand nehmen um einen Neuen zu kaufen. Das hätte ich mir gespart. Nur das mir diese klemmende Küchenschublade bis zu dem Tag an dem vier der Dinger hinüber sind immer wieder den letzten Nerv rauben wird.  Und das, meine Meinung, ist mit Geld nicht aufzuwiegen. Also müssen vier Schneebesen im Austausch gegen das Seelenheil weg und mit ihnen alles was doppelt und dreifach vorhanden ist und nur einfach gebraucht wird. Klamotten die zu klein/ zu groß/ kaputt sind dürfen ebenso gehen , wie unvollständige Spiele, morsche Bänke, löcherige Tischdecken, zerkratzte CDs, angeschlagenes Geschirr und uralte Zeitungen und Baumarktkataloge. Gerade bei den ganzen Küchenutensilien mache ich es gern so, dass ich sie in eine Kiste in den HWR lege. Was ich benötige hole ich mir raus und lege es danach wieder an seinen Platz in der Küche. Was nach einer gewissen Anzahl an Wochen noch in der Kiste liegt und nicht in die Kategorie „fancy Spezialwerkzeug“ fällt, ist über. Weg damit! Gleichermaßen lässt sich beim Kleiderschrank vorgehen.

Wohin damit?

Auch wenn ich ein Wegwerfer bin, so bin ich aber bestimmt nicht wahllos. Ich bin ziemlich rigoros in der Hinsicht WAS wegkommt, aber auf der anderen Seite aber auch, ich denke so kann ichs sagen, sehr bedacht im Hinblick darauf WOHIN die Dinge kommen, für die ihre Zeit in meinem Haushalt beendet ist.

Verkaufen

Dinge von denen ich glaube, dass noch ein Markt dafür besteht und die auch so intakt sind, das ich sie guten Gewissens für Geld an den Mann bringen kann, verkaufe ich. Dabei bin ich ganz erfolgreich mit Flohmarktgruppen bei Facebook und mit dem Kleinanzeigenportal von ebay. Man muss ein bisschen darauf achten, das man einen anständigen Preis kalkuliert, was nicht immer leicht ist, wenn man sich ja schon dafür entschieden hat, das dieses Stück für einen selbst ja quasi wertlos ist. Aber verschenken will man sie ja eben auch nicht. Es sei denn…

Verschenken

Unsere ausrangierte Kinderkleidung hat feste Abnehmer. Meine Freundin bekommt sie und hilft mir dafür ab und an bei Sachen, die ich so gar nicht gut kann. Win-Win. Für zu klein gewordene Plastikschüsseln ohne Deckel,  das nicht induktionsgeeignete Kochgeschirr und die übrigen vier Schneebesen habe ich mit in die Krippe genommen. Viel besser als jedes Pupenküchengeschirr! Unvollständige Gesellschaftsspiele verschenke ich als Ersatzteillager an Freunde und Bekannte. Das überschüssige Fahrrad bekam die Flüchtlingshilfe. Die doppelte Guglhupfform wohnt jetzt im Jugendzentrum. Die Reisenähmaschine wartet schon seit Monaten darauf endlich zum Patenkind gebracht zu werden, die alte Weihnachtsdeko hat der Arbeitskreis Tschernobyl bekommen und weiterverkauft und alles was sonst noch so nicht niet- und nagelfest ist bekommt der nette Herr der in der lokalen Facebookgruppe immer soviele Flohmärkte bewirbt auf denen er verkauft oder der Gnadenhof aus dem Nachbarort für seinen Hofflohmarkt. Alternativ gäbe es da noch das Sozialkaufhaus, bei uns IcksPlus, die auch gut erhaltenes Ausgedientes annehmen. Alles in allem bleibt eins gewiss: Schenken macht Freude!

Verschrotten

Dinge für die sich bei aller Liebe und Mühe kein Nutzen oder Nachnutzer finden lässt, die entsorge ich eben. Wichtig ist aber, dass das nicht auf der grünen Wiese oder vom Feldweg links passiert, sondern ordentlich. Meine Container sind da ja maximaler Frevel, denn dort werfe ich alles rein. Egal ob Holz, Glas, Plastik oder Metall. In dem guten Glauben  das der Azubi beim Entsorgungsunternehmen dann den Teil der Arbeit übernimmt, den ich mir erspart habe. Besser ist es natürlich (und mit Sicherheit auch günstiger), wenn man sich die Mühe macht, sortenrein vorsortiert und selbst auf dem Wertstoffhof entsorgt. Das ist ja in der Regel keine Weltreise, wohl aber Samstags am Vormittag eine Art kleiner Abenteuerurlaub bei dem man die seltensten und seltsamsten Spezies beobachten kann. Ich würde sagen: Eine Reise wert!

Ausmisten mit dem Internetz

Ganz großartig fand und finde ich, für Menschen mit Disziplin und Durchhaltevermögen, die „52 Weeks to an organized Home“ von Home Storage Solutions 101. Jeder Woche flattert eine Email mit einem klar definierten Bereich den man ausmisten soll ins Haus und das ganze ist auch noch verpackt in clevere und nachvollziehbare Überlegungen und To-dos. Ich schaffte es bislang leider selten über die ersten drei Wochen hinaus und bin auch grundsätzlich mehr der Typ, der ohne schnellen und umfassenden Erfolg die Motivation verliert…

(Mehr solcher Listen, Anleitungen und Pläne findet ihr in meinen Literaturtipps vom Dienstag und auf meinem Pinterest-Board zum Thema „Ordnung“ . )

 

Durchstarten und Dranbleiben

Hier komme ich dann letztlich aus obengenannten Gründen wieder zur magischen Küchenspüle  (*)zurück, denn auch wenn Marla Cilley Mini-Schritte verlangt, hat sie mit dem Instrument des „27-Dinge-Wegwerf-Boogies“ auch was für die Ungeduldigen geschaffen. Nehmt euch einen Korb, stellt den Timer auf 15 Minuten und versucht in dieser Zeit 27 Dinge zu finden, die weg können. Durch den Zeitdruck handelt man intuitiver und hat keine Zeit großartig abzuwägen und mit sich selbst in Diskussion zu geraten. Was weg ist, ist weg!

Das „Fliegen“, wie sich dieses gute System ja irgendwie seltsamer Weise nennt, geht mit dem Gerümpel im Haus aber noch ein zweites Mal auf Tuchfühlung. Cilley teilt euer Haus oder eure Wohnung nämlich in 5 Zonen auf und dann muss pro Woche in einer Zone je 15 Minuten täglich entrümpelt und geputzt werden. In der nächsten Woche ist eine andere Zone dran. Das habe ich tatsächlich so noch nicht ausprobiert, werde mich aber quasi morgen daran machen. Ich werde euch dann berichten! Nach 5 Wochen sind dann also alle Räume entrümpelt und grundgereinigt und, wenn man sich an das System hält auch sauber und instand gehalten. Das diese 15 Minuten bei mir ganz hervorragend funktionieren (ich funktioniere generell am besten unter Zeitdruck), habe ich ja Dienstag schon erzählt.

Im nächsten Post wird es nochmal ein bisschen um Aufräumen gehen, also um das Lieske-Prinzip „Ordnung halten“ (Achtung, Insider!) in den schon entrümpelten Räumen. Ich freu mich drauf! Wer noch tolle Tipps zum Ausmisten hat, der kann sich gern in der Kommentarspalte verewigen. Die vielen weiteren Buchtipps die seit Dienstag hier eingetroffen sind, werde ich auch noch ergänzen.

Liebste Grüße,

Vanessa

 

 

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