Schmonzetten Tipps : „Der kleine Laden der einsamen Herzen“ von Annie Darling

Schmonzetten Tipps

 

Es gibt ja, ich bin da neulich in eine Diskussion verstrickt worden, solche Schmonzetten und solche Schmonzetten. Und eigentlich auch drölfmilliarden Bücher dazwischen. In der einen geht es um große und großartie Gefühle,die in wunderbare Wörter verpackt den Leser oder die Leserin zu Tränen rühren. Meist hat sie noch ein Drama im Gepäck, welches auch nicht immer so ausgeht, wie der/die Lesende sich das wünscht. Ich erinnere mich an einen Sommerurlaub mit Jojo Moyes „Ein ganzes halbes Jahr“ und bin der Buchhändlerin immer noch dankbar, dass sie mir ein beherztes „Oh Gott, lesen sie das bloß nicht am Strand! Nur allein in geschlossenen Räumen!“ mit auf den Weg gab. So schlau war ich zum Beispiel bei „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ nicht. Da saß ich an einer handlungstechnisch schwierigen Stelle in ein Handtuch gewickelt auf einem Plastikstuhl mitten in der Sauerland-Therme. Keine gute Idee! Von dieser Art Buch kriegst du rote Augen.

Dann gibt es aber noch eine andere Art Schmonzette. Und von dieser Art Schmonzette kriegst du im Zweifel eher rote Ohren, denn hier wird nicht nur theoretisch über die Liebe zwischen zwei Menschen gesprochen, sondern es kommt dann und wann auch zu, nennen wir es Praxiseinheiten. Ähm.

Abgesehen davon haben sie aber meist auch viele komische Anteile. Nicht selten muss ich irgendwo im Zug laut lachen (auch peinlich, aber nicht so peinlich wie schniefheulend im Spaßbad sitzen). Romantische Komödie eben. Ihr wisst was ich meine!

Da ich festgestellt habe, dass die Häufigkeit der ähm…ach ja „Praxiseinheiten“ für manchen unter euch ausschlaggebend für das Gefallen der Schmonzetten  sind, habe ich mich dazu entschlossen bei den zukünftigen Schmonzetten-Rezensionen eine Bewertung der Häufigkeit bzw. der verwendeten Sprache abzugeben. Damit keiner was kauft bei dem er einschläft oder das er sich nicht traut in den Müll zu werfen, weil das es die Nachbarn sehen könnten. Diese Bewertung  erfolgt in Auberginen und ihr ist natürlich meine subjektive Einstellung zugrunde gelegt.

1 Aubergine = „Dieses Buch kannst du getrost deiner Mutter und deiner Grundschullehrerin leihen! “   Kein oder stark eingeschränkter (oder gar ausgesparter) Vollkörperkontakt und minimale bis garkeine Gossensprache.

2 Auberginen= „Wenn zwei Menschen sich sehr sehr lieb haben….“ Hier wird auf Erwachsenen-Niveau geturnt. Und wer es zu was bringen will, muss schon ab und an mal trainieren. Olympiareif ist das hier aber noch nicht!

3 Auberginen= „Ambitionierte Hobykünstler“ Die Performance ist noch nicht ganz im Profibereich angesiedelt, lässt aber schon sehr professionelle Anteile erkennen und ist durchweg als ambitioniert zu beschreiben, was ihre Häufigkeit und Ausführung anbelangt.

4 Auberginen= „Lets talk about Sex!“ Bei vier Auberginen ist dann mit dem höflichen Umschreiben fast schon Schluss. In diesem Buch gehen zwei miteinander häufig aufs Ganze. Ihr wisst was ich meine. Im Bezug auf die sprachliche Umschreibung befinden wir uns jetzt schon im Privatfernsehn, aber noch auf den vorderen Rängen. Nichts mit ner Zwei hinter dem Namen oder so.

5 Auberginen= „Uiuiui“ Hier hat jemand Gefallen am Beschreiben von Körperteilen und Körperreaktionen gefunden  und Held und Heldin ordentlich Kalorien verbrennen lasssen. Auch sprachlich ist hier so einiges los und wird deutlich beim Namen genannt. Und das ist nicht immer der Name den ihr verwenden würdet.

Nun aber Schluss mit kategorisieren. Jetzt geht es ins schöne London  und wir vergnügen uns mit Posy und Sebastian.

“Der kleine Laden der einsamen Herzen”

Nach den eher praktisch veranlagten Herren in den letzten Schmonzetten, habe ich heute einen Anzugträger für euch. Mit Einstecktuch und farblich abgestimmten Socken. Pah!

Die Geschichte:

Als Posy früh ihre Eltern verliert, findet sie Halt und Obdach in der Buchhandlung der herzensguten älteren Dame Lavinia. Lavina und das Team der Buchhandlung werden für Posy, neben ihrem jüngeren Bruder dessen Vormund sie ist, zu einer Familie. Umso härter trifft es sie, als Lavinia eines Tages an den Folgen eines Unfalls verstirbt. Allein der menschliche Verlust ist nach dem Unfalltod ihrer Eltern schon ein harter Schlag, aber was wird nun aus ihr und ihrem Bruder? Aus der Buchhandlung? Den Kollegen?

Völlig unvorbereitet erfährt Posy dann, dass Lavinia ausgerechnet ihr die Buchhandlung vererbt hat. Allerdings mit ein paar Auflagen. Sie muss es innerhalb von 2 Jahren schaffen, den Laden „Bookends“ wieder in ein rentables Unternehmen zu verwandeln. Und als Testamentsvollstrecker an ihre Seite gestellt bekommt sie niemanden geringeren als den größten Kotzbrocken Londons, Lavinias Enkel Sebastian, mit dem sie seit Jahren verfeindet ist. Posy beschließt, aus „Bookends“ eine auf Schmonzetten und Liebesromane spezialisierte Buchhandlung zu machen. Ein Laden voll Happy Ends. Aber: Wie soll sie das bitte schaffen? Wo sie doch so überhaupt keine Ahnung vom Geschäft an sich hat und eher darauf spezialisiert ist, alle Dialoge aus den schnulzigsten Regency-Romanen zu kennen? Und vorallem, was macht sie mit dem renitenten Sebastian, der von Anfang an klar macht, dass er sie für unfähig hält und immer wieder versucht die Zügel an sich zu reißen? Und warum zur Hölle schreibt Posy plötzlich einen schwülstigen Roman im Regency-Stil in dem die Protagonisten die junge Unschuld Posy und der dreiste und lüsterne Lord Sebastian sind?

Was ihr erwarten dürft:

Mir haben die Charaktere des Buches unheimlich gut gefallen. Vorallem in der Auseinandersetzung. Posy, die es nie so wirklich schafft schlagfertig zu sein und es jedoch immer schafft sich in ungünstige Situationen zu bringen und erst leidenschaftlich auf Konfrontationskurs geht um dann doch immer wieder hin- und hergerissen zu sein und sich einwickeln zu lassen. Und ihr gegenüber Sebastian, der erfolgreiche Geschäftsmann und überhebliche Lackaffe, der in unbedachten Momenten immer sehr menschlich erscheint und bei dem man doch von Anfang an merkt, das er Vieles auch nur tut, weil er Posy damit so auf die Palme bringen kann. Das hat mich sehr gut unterhalten. Irgendwann wird die eigentliche Handlung  immer wieder mal durch Texte aus Posys vermeindlichem Roman unterbrochen. In der geschwollenen Sprache des frühen Englands, komplett mit Lord und alter Jungfer. Das war mir manchmal zu lang und schwülstig, ließ sich aber gut auslassen, ohne das man in der eigentlichen Handlung den Anschluss verlor. Manchmal wollte ich auch einfach zu dringend wissen, wie es mit den beiden weitergeht. Da konnte ich nicht noch mit dem Lord vorm beleuchteten Fenster auf die Jungfer im Nachtgewand warten. Wenn ihr versteht.

Alles in allem war „Der Laden der einsamen Herzen“ ein wirklich unterhaltsames Buch, dass ich für Sommerurlaube und Herbstabende durchaus empfelen kann. Oder für gefühlte Herbstabende in eigentlichen Sommerurlauben. Ist ja in diesem Jahr auch nicht ausgeschlossen. Wenn ihr es kaufen wollt, könnt ihr das hier (*) tun. Und was der Schinken auberginentechnisch hermacht, wollt ihr wissen? Ich vergebe 1 Aubergine.

Liebste Grüße,

Vanessa

(*): Das ist ein Amazon Affiliate Link. Ich erhalte für deinen Kauf eine kleine Provision, aber dich kostet es nichts extra. Du kannst natürlich auch den lokalen Buchhandel mit deinem Kauf unterstützen)

Dieses Buch ist mir als kostenfreies Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt worden. 

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