Die Veränderung: Was ist noch übrig von der Kur nach sechs Monaten?

Frau Piepenkoetter I Sechs Monate nach der Kur

Oh Gott! Schon wieder Kur? Ist zu diesem Thema nicht schon alles gesagt? Und ann auch noch „Die Veränderung“. Das ist ja schon fast kafkaesk!

Ich kann oder könnte es verstehen, wenn ihr keine Lust auf einen weiteren Post zu meiner Kur habt. Ist ja auch schon lange her.  6 Monate um genu zu sein. Heute vor 6 Monaten klopfte ich zum ersten mal in Friesenhörn an die Tür zum Sprechzimmer. Und ich finde, gerade weil ich so motiviert während und nach der Kur die Fahne für solche Maßnahmen hochgehalten habe, ist es richtig jetzt nochmal etwas dazu zu schreiben, wie langfristig denn die Veränderung bei mir war. Oder hält sie sogar noch vor? Schauen wir mal.

Demotivation frei Haus

Etwas , was ich wohl am meisten vor, während und nach der Kur gehört habe, sind Sätze die mit „…aber das hält nicht lange an!“ endeten. Man sagt sie mir vor der Kur und belächelte und schmälerte damit meine Hoffnung, das mir dort geholfen werden kann, mit all dem Stress, den Gefühlen und den Wehwehchen die ich so hatte. Man sagte sie mir während der Kur und zerredete mir damit das Hochgefühl, das sich durch die erhaltene Hilfe eingestellt hatte. Man wiegelte mich damit nach der Kur ab und gab damit der Angst in mir Futter, alles würde einfach immer bleiben wie es ist. Und ich frage mich, ganz davon ab wie sich das bei mir entwickelt hat, warum tun die Menschen sowas? Warum nehme ich Hoffnung, entziehe ich Glück und nähre ich Angst in anderen Menschen ohne Grund und ohne Anlass? Wer sagt denn, dass das bei mir ebenso sein muss wie bei eurer Nachbarin Uscchi, wie bei euch damals und wie bei Karin aus dem Kindergarten? Jeder Mensch nimmt Rat, Hilfe und Hinweise anders auf, geht anders damit um und gewinnt andere Erkenntnisse daraus. Jeder Mensch hat zumindest in dieser Hinsicht die Möglichkeit das Beste daraus zu machen und hat eben diese Chance verdient. Warum kann man nicht Cheerleader statt Demotivator sein? Warum kann man nicht beglückwünschen, mithoffen, unterstützen?

Ich kam mir oft auf gut deutsch „dämlich“ vor, wenn ich von der Kur erzählte und meinen weiteren Plänen die dort gewonnenen Erkenntnisse in meinem Leben umzusetzen. Als wäre ich einem Wunderheiler auf den Leim gegangen, würde glauben das in Jogurette echtes Obst ist oder das es wirklich Käptain Iglo ist, der mit dem Kutter raus fährt um das gute Seelachsfilet für die Fischstäbchen zu fangen. So war es aber nicht. Ich habe einzig und allein daran geglaubt, dass ich mich selbst reflektieren könnte, das ich neues Wissen würde anwenden können und ich etwas durchziehen kann. Das halte ich noch heute für nicht allzu schwierig, aber selbst wenn ich nicht dazu in der Lage wäre, wäre es nicht richtig mir diesen kurzen Moment der Zufriedenheit und des Glücks zu nehmen. Nur weil man glaubt es besser zu wissen. Nur weil man es selbst vielleicht nicht besser konnte. Das wollte ich mal loswerden. Basta!

Post für mich!

Wie wollen wir nun aber feststellen, ob das alles gefruchtet hat? Ganz einfach. Kurz bevor die Kurmaßnahme im April zu Ende war, forderte uns Frau Janssen dazu auf uns selbst einen Brief zu schreiben. Es gab Briefbogen und Umschlag und die klare Aufgabe einen Brief an uns selbst zu schreiben in dem wir uns an unsre neu gefassten Vorsätze erinnern sollten. Diesen Brief würde uns die Patientenbegleitung in ein paar Wochen dann zuschicken und die Vorsätze würden vor dem Vergessen bewahrt werden, wenn wir wieder „Betriebstemperatur erreicht hätten“. Mein Brief kam, glaube ich, so ca. vier Wochen nach Kurende und ich konnte ihn nicht öffnen.

Ich konnte mich nicht wirklich daran erinnern, was ich da rein geschrieben habe. Sicherlich was Emotionales. Aber was genau war mir entfallen und ich fürchtete, mit diesem Brief würden alle Unkenrufe bestätigt werden und ich könnte schwarz auf weiß nachlesen, dass schon nach vier Wochen alles wieder beim Alten ist. War es doch, oder? Zumindest fühlte es sich mit jeder Woche die verging „normaler“ an und ich hatte in den letzten Wochen nur einen Bruchteil der Dinge machen können, die ich mir so fest auf meine Fahnen geschrieben hatte. Und dann kam es, wie es kommen musste und als ich endlich bereit war den Brief zu lesen, fand ich ihn nicht mehr. Chaos Queen Piepenkötter.

Ende Mai fand ich ihn dann wieder, legte ihn an die Seite und vergaß ihn, bis er mir nach all diesen Urlauben und faulen Tagen am Pool und den ersten Arbeitswochen im neuen Kindergartenjahr wieder, immer noch ungeöffnet,  in die Hände fiel. Der einzige in diesem Haus existierende Maßstab (außer meinem inneren) an dem sich überprüfen lässt, wie nützlich oder unnütz diese meine Kur nun wirklich war. Also lest selbst:

 

„Einen Brief an sich selbst schreiben ist eine etwas seltsame Aufgabe, aber „Neues wagen“, „Ausbruch aus alten Mustern“ und „den Dingen eine Chance geben“ war ja erklärtes Ziel dieser Reise.

In den vergangenen drei Wochen ist nichts besser geworden oder geheilt. Aber vielleicht richtiger und wichtiger: Du hast endlich erkannt, wo die Probleme liegen! Die Fehlersuche war erfolgreich und der entgleiste Zug ist wieder in der Spur. Von hier aus kannst dich selbst heilen und in eigenem Tempo wieder in Fahrt kommen. Denk immer daran, was du schon alles geleistet und getan hast und nimm es an, dass es gut und tatsächlich auch außerordentlich viel ist!

Ich hoffe dein Ziel „zu schreiben“, endlich mal mehr Sport zu machenwird realisiert. Nimm die Warnungen deines Körpers wahr und nimm sie ernst! Mehr Wasser, keine Light-Getränke mehr und noch weniger Süßigkeiten wäre gut. Das bringt dich nicht um!

Nimm Arbeit als das was sie ist: Dein Broterwerb! Deine Lebensaufgabe ist es gesund und glücklich zu sein. Jetzt eine Liste. Kein Brief an dich selbst ohne Liste.

  1. Mach Sport!
  2. Iss gesünder!
  3. Such dir die Beziehungen die du pflegst sorgsam aus!
  4. Finde deine Struktur wieder!
  5. Bereise die Welt!
  6. Schreibe!

Halte dich von Schlechtem fern! Sprich aus, wenn dir Unrecht widerfährt! Sei glücklich!

Das wünsch ich dir. Mir.

 

Wenn man mal davon absieht, dass ich ein Listenfreak bin der dazu neigt pathetisch zu werden, entnehme ich dieser Liste vor allem eins: Ich habe noch nicht alles 100 % umgesetzt, aber  nicht alles lässt sich so ad hoc umsetzen. Und manches erscheint mir auch recht hochgegriffen. Also das mit der Pepsi und der Schokolade…. naja….. Und für mich ist gut, dass bereits ein paar Monate ins Land gegangen sind. im Mai hätte diese Aufrechnung schlechter für mich ausgesehen, als heute, denn ich gehe jetzt mindestens zweimal die Woche ins Fitnessstudio, einmal die Woche zur Wassergymnsatik und ich fahre viel Rad. Ich koche wieder häufiger, gesünder und abwechselungsreicher. Ich habe dank der magischen Küchenspüle den Haushalt im Griff und erarbeite mir davon ausgehend eine Tagesstruktur die ich brauche. Ich umgebe mich mit Menschen die mir gut tun und nehme mir Zeit für mich allein, wo und wann ich sie brauche, auch wenn ich damit manchmal andere verprelle. Ich bin mir wichtig. Ich arbeite weniger. Manchmal zumindest 😉

Gereist bin ich zumindest seither schon nach Italien und Holland. Griechenland ist schon gebucht. Man darf nicht vergessen, dass wir mit dem Jobwechsel des Mannes ja auch noch andere familiäre Baustellen hatten. Dafür bin ich meines Erachtens schon weit gekommen. Und das Feuer in mir, der Wunsch nach Veränderung, brennt nach wie vor wie das ostfriesische Osterfeuer am Strand von Horumersiel im April 2018. Einzig das Schreiben ist in letzter Zeit etwas kurz gekommen, aber vielleicht bin ich da ja jetzt auf nem guten Weg! Und wenn ich das kann, kann das fast jeder. Und darum bitte ich euch inständig: Lasst euch nicht demotivieren und demotiviert nicht. Seid einander Cheerleader ( Ihr seht! Pathetisch!) und ändert eure Leben so oft und so sehr ihr wollt!

Danke fürs Zuhören.

Liebste Grüße,

Vanessa

P.S.: Der geneigte Leser mag sich fragen, welchen Zusammenhang die Autorin zwischen Beitragsbild und Text sieht. Ihm sei gesagt, es könne sich um zwei stark unterschieliche Beweggründe handeln, die die Autorin dazu bewogen haben können, dieses Bild für eben diesen Text zu wählen. Zum einen kann die Autorin darauf verweisen wollen, dass es nicht immer notwendig ist, den gesamten Weg klar vor sich zu sehen, wenn man erkennen kann, was man jetzt gerade vor sich hat. Zum anderen könnte die Autorin aber auch nur maximal einfallslos in den Ordner mit den Reservebildern gegriffen haben und sich jetzt eine bedeutungsschwangere Erklärung hierfür aus den Fingern saugen. Was genau sie zu der Entscheidung bewog, werden wir wohl nie erfahren.

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10 Comments

  • Reply
    Anika
    14. September 2018 at 16:41

    Liebe Frau Piepenkötter,
    leider liegt es unserer (deutschen) Natur immer zuerst zu warnen und das Negative in den Vordergrund zu stellen. Auch bei mir ist das so. Schön, dass Sie trotzdem Positives für sich aus der Kur ziehen konnten.
    Ich glaube, wir sollten Prozesse nicht immer auf das Ergebnis reduzieren. Es ist wichtig, sich mit sich selbst zu befassen. Das tun wir meistens im Alltag nicht allzu oft.
    Und das ist ganz offensichtlich gelungen! Find ich super.
    Liebe Grüße

    • Reply
      FrauPiepenkoetter0105
      15. September 2018 at 10:30

      Dankeschön <3

  • Reply
    Elli
    14. September 2018 at 22:00

    Vielen Dank für diesen Post……und nein, es ist nicht zuviel über die Kur! Aufgrund Ihrer Kurberichte habe ich auch endlich eine Kur für unsere Töchter und mich beantragt. Danke für den Anstupser! Ich finde mich in Ihren Posts ganz arg wieder und bin jetzt sehr gespannt auf unsere Herbstferien in den Friesenhörn-Kliniken 😉 und wie wir uns währenddessen und danach fühlen. Danke für die ehrlichen Worte! Liebe Grüße!

    • Reply
      FrauPiepenkoetter0105
      15. September 2018 at 10:30

      Wow, da freu ich mich! Und drücke die Daumen, dass alles auf fruchtbaren Boden fallen kann und die Erkenntnis wächst. Viel Spaß!

  • Reply
    Anja
    16. September 2018 at 09:05

    Guten Morgen!
    Mit so einem schönen und motivierenden Post, kann der Sonntag nur noch gut werden.
    Vielen Dank dafür!
    Anja

    • Reply
      FrauPiepenkoetter0105
      19. September 2018 at 12:22

      Herzlich gern <3 Ich freue mich riesig, dass so viele daran Anteil nehmen.

  • Reply
    Julius
    17. September 2018 at 09:05

    Liebe Vanessa,

    hört sich alles sehr gut an. Vielen Dank für den interessanten Einblick. Das mit dem eigenen Cheerleader finde ich ein sehr schönes Bild.

    LG
    Julius

    • Reply
      FrauPiepenkoetter0105
      19. September 2018 at 12:21

      Mal schauen, wie es nach weiteren sechs Monaten aussieht… 😉

  • Reply
    Birgit G.
    19. September 2018 at 10:12

    Hallo Vanessa,
    danke für den aufmunternden Artikel. Ich wünsche Dir, dass Du Deine Ziele weiter verfolgst und dass es Dir damit gut geht.
    … und was ist die „magische Küchenspüle“? Hört sich an, als ob ich das auch gebrauchen könnte 😉

    Liebe Grüße, Birgit

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