Alte Eier- Eine Geschichte vom Älter- und Elternwerden: Wenn nur eine(r) noch ein Kind will… (1/3)

“Und? Freut ihr euch?”

Ich weiß gar nicht, wie oft mir diese seltsame Frage in letzter Zeit unterkam. Und ich weiß auch nicht, was sie soll. Denn seien wir doch mal ehrlich: Selbst wenn sich jemand nicht oder vielleicht noch nicht oder auch nur nicht so doll freuen würde, Mutter oder Vater zu werden, so setze ich doch den Anstand des zukünftigen Elternteils voraus, dies nicht öffentlich kund zu tun. Wobei ich natürlich davon ausgehe, dass es überhaupt nur deshalb Gesprächsthema ist, weil man sich DAFÜR entschieden und die Schwangerschaft öffentlich gemacht hat. Klar, man kann/sollte mit jemandem ehrlich reden, wenn es nicht so ist, aber nicht mit der Postbotin, den anderen Kindergartenmüttern und der entfernt bekannten Bürokollegin.

Was wäre wohl gewesen, wenn ich “NEIN!” gesagt hätte? Was bezweckt diese Frage? Mich und mein hormongesteuertes Schwangerschaft-Ich fordern derartige Fragen in jedem Fall immer wieder dazu heraus, ganz eindeutig klipp und klar zu stellen, dass dieses Kind nicht nur gewünscht, sondern auch geplant war. Von beiden Eltern. Aus diesem Grund, und weil ich weiß, dass meine Geschichte dahinter kein Einzelfall ist, möchte ich euch mit der neuen Reihe “Alte Eier” ein bisschen mitnehmen auf die Reise einer schwangeren 39jährigen und allem was davor so Phase war. Heute:

MEIN Wunsch nach einem dritten Kind

Im jungen Erwachsenenalter stellte ich mir mein Mutter-Ich immer mit drei wilden Jungs vor. Vieler meiner liebsten und besten Freunde im Kindesalter waren Jungen gewesen und meine eigene Pubertät reflektierend hielt ich drei Jungs für eine gute Idee. Als dann in der ersten Schwangerschaft feststand, dass es ein Mädchen ist, war ich wiederum sehr froh über diese Tatsache, denn ich war alleinstehend und mir erschien es so, dass die Vaterlosigkeit meines Kindes für ein Mädchen vielleicht ein Stück weniger schwerwiegend seien könnte, als sie es ggf. für einen Jungen wäre. Was blieb war aber der Wunsch, irgendwann einmal drei Kinder zu haben. Drei.

Als Jule geboren wurde, äußerte mein Mann Bedenken an dieser Idee. Immerhin war er innerhalb von 2,5 Jahren um zwei Kinder reicher geworden und das quasi aus dem Stand. Vom Junggesellendasein ins Familienleben ohne Vorbereitung. Jetzt noch mehr Kinder? Wer soll das bezahlen? Wann wollen wir je wieder schlafen? Damals war ich 27 und er gerade 30. Wir hatten also Zeit. Ich machte mir keinen großen Kopf und ließ die Sache erstmal laufen.

Es fehlt noch was!

Als unsere Jüngste drei wurde, merkte ich, wie unruhig mich das machte. Plötzlich waren so viele mögliche “letzte Male” in unserem Leben. Ich wurde 30, der Abstand zwischen den Kindern immer größer. Er hatte immer gesagt, er wolle nie ein “alter Vater” sein. Müssten wir dann nicht jetzt?

Nein. Niklas Haltung war klar. Das passt jetzt nicht. Das ist zuviel. Ein Kind gerad in der Schule, eins im Kindergarten. Fängt jetzt nicht erstmal die Zeit der Erholung des Alltags an? Die Zeit wo er nach der Nachtschicht am Vormittag nicht wach wird, weil ihm eine seiner Töchter Polly Pocket in die Nase schiebt, während er schläft? Okay.

Ich verstand ihn so, dass er Zeit brauchte. Meine Güte! Ich war 30. Wir hatten doch jede Menge Zeit. Und so entschloss ich mich, die Erzieherausbildung zu machen. Das wären so ca. 3 Jahre Aufschub für Baby Nummer 3. Ein gutes Gefühl machte mir das trotzdem nicht. Ist das, was für mich eine solche Bereicherung ist, für ihn etwa eine Belastung? Ist das alles für ihn rückblickend ein Fehler gewesen? Seine Unfähigkeit ein klares JA zu einem dritten Kind zu geben, wurde von mir an schlechten Tagen umgedeutet in ein NEIN zu mir und unserer Familie. In mir wuchs ein Knoten aus schlechten Gefühlen, der sich mit jedem verstrichenen Monat und jeder glücklichen Schwangeren in meinem Umfeld vergrößerte. Denn ich war mir sicher: Wir sind noch nicht komplett.

Jetzt aber. Oder nicht?

Als die Erzieherausbildung auf ihr Ende zuging, war es an der Zeit dies alles noch einmal als Paar zu thematisieren. Das Ergebnis blieb das gleiche. Ich war mir sicher und wurde langsam unleidlich. Er war sich sicher, dass das nicht der richtige Zeitpunkt ist und wurde unleidlich ob meiner Unleidlichkeit. Schlussendlich schlug er vor, eine Weiterbildungsmaßnahme zu machen. 2 Jahre. Das würde seine Jobsituation soweit verbessern, dass seine finanzielle Sorge rund um eine Familie von 5 abgehakt werden könnte. Und man könne ja einfach mal so grob planen, dass ich zum Ende hin schwanger werden würde. Oder so.

Er denkt/ Sie denkt

Was ich nicht wusste: Da ich gegen die weitere Verschiebung keine großen Einwände hatte, ging er erleichtert davon aus, dass mein Wunsch nach einem weiteren Kind “ausklingt” und diese weiteren 1,5 Jahre dazu reichen würden, mich gänzlich von dieser Idee zu heilen.

Was er nicht wusste: Mir kam nach all der langen Zeit der Zeitraum von etwa 1,5 Jahren nicht mehr wirklich lang vor. Ich glaubte das Licht am Ende des Tunnels zu sehen und begann zu planen.

Und dann kam der Tag….

…zum Ende seiner Weiterbildung, an dem ich davon sprach, dass ich mir einen Termin beim Frauenarzt geholt habe um die Spirale ziehen zu lassen. Das war dann auch der Tag, an dem er mir zum ersten Mal klar und deutlich sagte, dass er auf gar keinen Fall ein weiteres Kind will. Und das er gehofft hatte, es würde sich mit der Zeit von allein erledigen. Wie gut und bequem wir es doch jetzt haben. Was wir jetzt nicht alles machen können. Gute Jobs, ausreichend Geld, zwei wunderbare Töchter. Reicht Dir das nicht?

Nein. Leider nein.

Teilen ist toll!

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1 Comment

  • Reply
    Petra
    25. September 2019 at 18:41

    Da bin ich aber gespannt was deinen Mann umgestimmt hat ☆

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