Alte Eier- Eine Geschichte vom Älter- und Elternwerden: Wenn nur eine(r) noch ein Kind will… (2/3)

Was bisher geschah findest du hier.

Diese Vorstellung, dass mein Kinderwunsch “ausklingen und sich irgendwie von selbst erledigen würde”, sie kommt mir damals wie heute völlig abstrus vor. Ich bin kein leichtfertiger Mensch, nicht impulsiv, übermäßig wagemutig oder gar wankelmütig. Das ich die Idee eines dritten Kindes, die Idee die ich von unserer Familie, ja, von meinem Leben habe, verwerfe wie den Einfall am Wochenende vielleicht nach Sankt Peter Ording zu fahren, war eigentlich von vornherein ausgeschlossen. Sie basierte einzig und allein auf der Hoffnung meines Mannes aus der Nummer ohne viel Aufhebens rauszukommen. Dem war nicht so.

Ich kann andere Meinungen/ Wünsche respektieren

Ich habe nicht getobt oder so. Nein. Aber ich fühlte mich verraten. Ungewollt. Ich hatte das Gefühl, die Kontrolle über mein Leben verloren zu haben.

Es wäre mir nie in den Sinn gekommen, meinen Mann zu verlassen. Ich weiß, dass viele an dieser Stelle durchaus mit dem Gedanken spielen. Mir wäre es sehr egoistisch vorgekommen, meinen Kindern aus diesem Grund ihre Familie so wie sie sich kennen wegzunehmen und eine Beziehung in der ich ja so glücklich war, dass ich mir ein drittes Kind wünschte, aufzugeben, weil wir uns in diesem einen Punkt nicht einigen konnten. Aber es ging mir schlecht damit. Rationalität ist dem Herzen egal. Es fühlt, was es fühlt. Und ich saß in dem Haus mit dem leeren Kinderzimmer, fuhr den auf Zuwachs gekauften VW-Bus, arbeitete mit Kleinkindern und war ständig mit werdenden und jungen Müttern und dem ganzen drumherum konfrontiert und es ging mir damit schlecht. Wirklich schlecht.

Klar, es gab immer auch gute Tage. Tage an denen ich dachte, ich würde etwas anderes finden. Ich würde vielleicht wirklich irgendwann drüber wegkommen. Aber es gab auch viele schlechte Tage. An denen ich missgünstig war, traurig, wütend, verzweifelt. Das meine beiden Töchter entsprechend ihrem Alter anfingen mich immer weniger zu brauchen und sich auch ohne uns Eltern immer weiter hinaus in die Welt zu trauen machte es an manchen Tagen nicht besser.

Abschließen können…

Wünschte ich mir in den vorangegangenen Jahren noch, mein Mann würde spontan seine Meinung ändern (so von “später” auf “jetzt”), so begann ich mich jetzt zu fragen, was ICH tuen kann oder muss um endlich damit abschließen zu können. Ihr dürft mir glauben: Ich war zu allem bereit! Und Niklas auch, denn an ihm ging ja auch nicht vorbei wie ich mich damit quälte, wie oft ich still vor mich hin heulte und wie düster manche Tage waren.

In einem Anfall von blindem Aktionismus aus dem tiefen Wunsch heraus wieder Herrin über mein Leben zu werden, schlug ich (mal wieder) vor, unser Haus zu verkaufen. Das Haus mit den vielen Kinderzimmern, mit der Seilbahn im Garten und dem süßen kleinen rotweißen Kinderspielhaus. Und wir verkauften es und bauten ein Haus mit zwei schön geschnittenen Kinderzimmern und einem kleinen Garten. Für alte Leute.

Dann bestand ich darauf, den VW-Bus zu verkaufen. Zu Hollandurlauben mit drei Kindern, Kinderwagen und Hund würde es ja ohnehin nicht mehr kommen. Die Kinder fahren meistens ÖPNV. Wie das Klischee eines Mannes in der Midlifecrisis stieg ich vom Familienbomber auf ein kleines schwarzes Beetle-Cabrio um. Für Kinder unter 10 ungeeignet. Genau das richtige.

Ich tilgte die Möglichkeiten aus meinem Leben. Ich versuchte alle äußeren Faktoren so abzustimmen, dass eben genau überblieb, was wir waren. 4. Und ich liebte uns 4 ja auch sehr. Trotzdem hatte ich mir mein Leben anders vorgestellt. Und so sorgte ich für Maßgenauigkeit in meinem Leben. Raum für 4. Und trotzdem ging das Gefühl nicht weg.

Die Hoffnung stirbt zuletzt….

In einem rückblickend eher schwachen Moment erklärte ich meinem Mann, ich , da ich ja nach wie vor einen Kinderwunsch hätte, sähe es nicht als gerecht an, dass die Verantwortung der Verhütung bei mir läge. Nicht ohne Grund vermutete ich, dass die Hormonspirale sich nicht gerade bestens auf meine Akne auswirkte und überhaupt! Der der keine Kinder will, soll sich gefälligst auch drum kümmern, das er keine zeugt. Oder nicht?

Den Schlussstrich….

…zog dann sozusagen der Chirurg in dem er das durchführte, was gemeinhin als Sterilisation und bei uns mittlerweile als “übereilte Schnappsidee” bekannt ist.

Warum ich das nicht verhindert habe? Na, weil ich die Idee gut fand. Weil ich dachte, dieser kleine und relativ kostengünstige Eingriff würde große Auswirkungen auf mein Seelenleben haben. Ich würde abschließen können. Alle Möglichkeiten wären dahin. Die letzte Chance verstrichen. Das Thema durch. Oder?

Natürlich nicht.

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1 Comment

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    Alte Eier- Eine Geschichte vom Älter- und Elternwerden: Wenn nur eine(r) noch ein Kind will… (3/3) | frau-piepenkoetter.de
    27. September 2019 at 07:47

    […] Was bisher passiert ist findet ihr hier (Teil 1) und hier ( Teil 2). […]

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