Ballannahme: Kinder im Netz!

Disclaimer: Dieser Beitrag enthält meine eigene Meinung. Sie kann sich von deiner unterscheiden. Das macht nichts. Du kannst meine Meinung auch richtig doof finden. Und ich deine. Macht auch nichts. Zumindest so lange wir uns im Austausch darüber mit Respekt begegnen. Wenn du dich mit dem was ich dazu schreibe so gar nicht anfreunden kannst, mich aber auch nicht mit guten Argumenten und konstruktiver Kritik vom Gegenteil überzeugen kannst, hast du jederzeit die Möglichkeit auszusteigen. Du musst nie wieder hier lesen und auch niemals mehr mein Instagram-Wohnzimmer besuchen. Behalt das im Hinterkopf!

Gestern sah ich, kurz vor knapp, die Instagram-Story von Svenja Fuchs, die sich sehr kritisch zur Abbildung und “Benutzung” von Kindern im Internet, speziell auf Instagram, äußerte. Ich teile ihre Meinung weitestgehend bzw. kann das nachvollziehen.

Fast zeitgleich mit dem Hinweis auf Svenjas Story teilte ich ein kleines Profil einer jungen Familie, auf denen sehr viel Bilder der Kinder zu sehen sind als Profilempfehlung. Einige von euch fragten sich zurecht:

Wie geht das zusammen?

Grundsätzlich gilt für mich in diesem Zusammenhang erstmal eins: Ob du dein Kind, sein Gesicht, seinen Namen auf Social Media teilst, ist deine Entscheidung. Du musst für dich selbst das Für und Wider abwägen. Du musst die Meinung deines Partners oder auch Expartners mit einbeziehen. Wenn möglich auch die deiner Kinder. Auf dieser Grundlage muss jeder für sich selbst/seine Familie entscheiden, was hier stattfinden kann und abgebildet wird und was nicht. Denn (extreme Fälle mal aussen vorgelassen) vor genau diesen Menschen wirst du dich auch rechtfertigen müssen, wenn etwas mit diesen Bildern oder Beiträgen passiert, das nicht in deinem Sinne ist. Das diese Möglichkeit besteht, ist unstrittig

Es muss Kinder und Familien geben. Überall!

Jetzt sage ich, dass ich es gar nicht schlimm finde, wenn jemand sich dafür entscheidet seine Kinder im Netz zu zeigen und auch das Alltagsleben mit ihnen. So sehe ich das. Denn Familie und Kinder sollten irgendwie schon überall stattfinden. Auch im Netz. Familien und Kinder brauchen eine viel größere Lobby und dahin werden wir nicht kommen, wenn wir an allen maßgeblichen Stellen wie im Job und unserem Auftritt nach außen in den sozialen Medien so tun, als hätten wir keine.

Ich finde, man darf dabei auch nicht außer Acht lassen, wie unterschiedlich die Plattform Instagram von Menschen genutzt wird. Nicht jede Frau oder jeder Mann der seine Brut bei Instagram postet tut dies aus moralisch verwerflichen Gründen oder gar mangelnder Fürsorge. Nicht alles, man mag es kaum glauben, wird dort getan um Geld, Herzchen (aus denen man Geld machen kann) und Follower (die Geld wert sind) zu generieren. Manchmal nutzen es Menschen auch einfach nur um schöne Momente aus ihrem Alltag als Bilder zu konservieren, Gleichgesinnte zu finden und sich auszutauschen. Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, da war das immer so. Graue Vorzeit. Warum sollte man so jemandem denn böse Absicht oder was auch immer vorwerfen, wenn er sein lachendes Baby postet? Ich für meinen Teil schaue mir das gern an und wenn hier, wie früher mal, auch nur 25 alte Schulfreunde und 10 neue Internetbekanntschaften zuschauen würden, hätte ich auch keine Bedenken meine Kinder zu zeigen, so wie ich es früher auch gemacht habe.

Die Grenze

Und doch gibt es eine Grenze. Und auch die Grenze ist, das will ich an dieser Stelle nochmal ganz deutlich sagen, individuell und für jeden woanders. Meine Grenze fängt beim schlafenden Kind an. Ich möchte nicht im Schlaf fotografiert werden und ich mag keine Bilder von schlafenden Kindern. Im Schlaf ist man so ungeschützt und verletzlich. Klar, auch süß ( also ich wahrscheinlich nicht mehr, aber kleine Kinder schon), aber irgendwie fühlt sich das für mich nicht richtig an. Ebenso wie Bilder von nackten oder halbnackten Kindern. Da ist mir auch ehrlich Pupsegal, wie nachvollziehbar die Idee hinter dem Foto ist. Oder informativ oder was weiß ich. Das melde ich. Einmal habe ich ein Bild einer amerikanischen Bloggerin gemeldet. Es bildete ihre 2 jährige Tochter ab. Nackt bis auf Cowboystiefel vor einem Fenster stehend. Von hinten fotografiert. Es ging in der Caption thematisch um Erfolge beim Töpfchentraining ( da bin ich ja per se schon raus). Instagram hat das Bild entfernt und die Bloggerin regte sich öffentlich sehr darüber auf, was für ein kranker Mensch das melden würde, weil der würde ja was sexualisiertes darin sehen. Mir ging es sehr sehr darum, dieses Kind davor zu schützen, dass mehr als 200K ihren nackten Po sehen. Fertig.

Ganz schlimm wird es für mich dann, wenn wie in Svenjas Instagram-Story thematisiert, die Kinder monetarisiert werden. Wenn sie Litfasssäulen und Geschäftsmodell ihrer Eltern werden. Leider nimmt dieser Trend vor allem auf Instagram stetig zu.

Das Kleingedruckte

Für mich im speziellen darüber hinaus immer wieder befremdlich, ist an manchen Stellen die undifferenzierte Betrachtung der Thematik eben auch durch Eltern, die sich gegen Bilder ihrer Kinder im Netz entscheiden. Warum sagt man den Namen des Kindes nicht und zeigt sein Gesicht nicht, aber teilt unter Umständen jedes andere Detail seines Lebens mit Fremden? Ist es nicht ebenso eine Verletzung der Privatsphäre, wenn ich darüber schreibe, das Melodie-Chayenne immer noch ins Bett macht und Baby Ole-Magnus sich heute wieder bis an die Halskrause eingeschissen hat? Bin ich aus moralischer Sicht unangreifbar, wenn ich mich beim Wickeln meines Babys zeige und dabei angeekelte Würggeräusche mache, nur weil ich nicht Gesicht oder Körper des Kindes zeige? Aus meiner Sicht nicht. Da nehm ich tausend mal lieber Bilder von lachenden, bekleideten Säuglingen auf Picknickdecken, deren Gesicht man im schönen Spätsommerlicht erkennen kann. Aber, wie gesagt, es entscheidet jeder für sich.

Die Zeiten ändern dich

Tatsache ist, dass es früher von mir hier auch viele Bilder meiner Kinder gab. Nicht zu letzt, weil ich noch einen Dawandashop mit Kinderkleidung hatte und ich Traumbilder mit meinen Kindern gemacht habe. Ich habe nie Dinge geteilt, die sie bloßgestellt hätten, aber schon ihr Gesicht und wer hier länger folgt, denn sind auch die Namen aller drei Mädchen bekannt. Doch auch ich habe mit der Zeit mein Verhalten dahingehend verändert. Habe dazu gelesen, mit den Kindern gesprochen, gefühlt was sich für mich richtig anfühlt und danach gehandelt. Zeitgleich wuchs das Publikum auf Blog und Instagram und meine Frustration über den nach meiner Definition moralischen Umgang mit Kindern und Familie. Alles das hat dazu geführt, dass ich nur nich selten Bilder zeige. Das Baby nur ohne Gesicht, die Großen immer nur in direkter Abstimmung mit ihnen selbst. Das ist gerade mein Weg. Sehe ich etwas, dass sich für mich nicht vertreten lässt, sich ich die Möglichkeit es anzusprechen und ebenso sehe ich meine Verantwortung dann darin, zu entfolgen.

Die Extreme

Natürlich gibt es im Netz wie bei allem dann irgendwo jemanden, der es bis zum Limit bringt. Oder darüber hinaus. Etwas was mir in den letzten Monaten sehr stark zu denken gegeben hat, sind ein paar sehr sehr sehr große Instagramprofile (100k+), die nicht nur die Kinder zeigen und benennen, sondern sie über die Nutzung als Kooperationsanlass und -fläche auch noch in den Instagramstories und -posts in (stark) sexualisierte Inhalte einbeziehen und dafür von hunderttausenden abgefeiert werden, als “super lustig” und “unglaublich unterhaltsam”. Ich bin bei Gott nicht prüde, aber ich bin Spießer genug um nicht zu wollen, dass Kinder in einen für sie nicht nachvollziehbaren Kontext einbezogen werden und eben auch, dass Sexualität in all ihren Facetten für Kinder als etwas belangloses erfahren wird. Wenn man das mal weiter denkt und sich den Teenager vorstellt, dann finde ich das nicht unproblematisch. Da möchte ich hier zum Abschluss des ganzen einfach mal dazu anregen, bei solchen Beiträgen mal die Perspektive des Kinder einzunehmen. Es kann nicht in eurem Sinne sein, das Kleinkinder durch so etwas verwirrt oder verunsichert oder bloßgestellt werden, nur um uns (oder euch) zu unterhalten. Und auch hier gilt die Verantwortung des Einzelnen gegenüber der Gemeinschaft und dem Kindeswohl hier mal laut NEIN!!! zu sagen und dieses Nein auch mit einem entsprechenden Unfollow zu bekräftigen.

Danke fürs zuhören! Wie denkt ihr denn darüber?

Liebste Grüße,

Vanessa

Teilen ist toll!

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7 Comments

  • Reply
    Rita
    29. Oktober 2020 at 09:45

    Liebste Vanessa,

    Erst mal wundere ich mich dass hier noch kein Kommentar steht. Was’n da los. Also kommt Oma Rita jetzt um due Ecke und schreibt mal was dazu.
    Im großen und ganzen stimme ich Dir zu. Natürlich sollten Kinder und Familien im Netz stattfinden. Sie sind unser Leben und unsere Zukunft, UND, viele Kinder haben keine Lobby, manche Familien haben keine Lobby , daher: sie müssen auch stattfinden.
    Jetzt wäre ich nicht ich wenn ich nicht ein großes ABER hinterlasse.

    Wo ist die Grenze? Gegen angezogene Kinder , deren Gesicht nicht zu erkennen ist hab ich absolut nichts.
    Gegen die Abbildung eines Säuglings der frisch geschlüpft ist und das erste was er sieht ist das Handy der Mutter, doch, dagegen habe ich etwas. Oder Kinder die schon morgens vor der Kita super gestylt als erstes Instagram begrüßen bevor sie gefrühstückt haben.
    Als wir hier angefangen haben waren es ein paar Mütter, die gemäßigt ihr Familienleben präsentiert haben.
    Inzwischen sind es Massen von „ Mamablogs“ die ihre Kinder um jeden Preis vermarkten und deren Papa sogar den Job kündigt damit er der Horde immer schön mit der Kamera hinterherlaufen kann. Das ist weit über due Grenze des Kindeswohls, das kann mir keiner anders erklären. Wir sehen es ja selbst täglich, je privater und intimer ich werde desto mehr werde ich in Herzchenwährung bezahlt.
    Nachfrage bestimmt das Angebot.
    Aber muß ich dem nachgehen? Ne, denn ich ziehe ja auch nicht blank um zu untermauern wie verletzlich mich meine Depression macht!
    Ach, Piepie, ein weites Feld.
    Schön ist wenn wir alle sachlich darüber diskutieren können. Da hast Du einen wichtigen Aspekt genannt!

    Liebste Grüße
    Oma Rita

    • Reply
      FrauPiepenkoetter0105
      29. Oktober 2020 at 22:14

      Ja, sehe ich genauso.Ich hoffe mir ist gelungen das klarzustellen. Genau dieses Familienunternehmen auf Instagram mit den Kindern als Inhalt, der Mutti als Moderation und dem Instahubby als Backoffice macht mich fertig.

  • Reply
    Lena
    30. Oktober 2020 at 08:27

    Liebe Vanessa,

    ich mag deine anregenden Diskussionen, irgendwie ja auch im Blog mit dir selbst.
    Finde es positiv, dass du ja irgendwie einen auch zur Selbstreflexion animierst.
    Wir haben uns klar dazu entschieden unser Kind im Netz nicht mit Gesicht zu zeigen.. da war vor allem auch mein Mann vorne mit dabei.
    Eine Freundin von mir arbeitet bei der Polizei und kümmerte sich eine zeitlang um die Kinderpornografie Sparte. Es ist unglaublich was für uns doch rech harmlose Bilder, andere Menschen dazu animieren schmutzige Dinge mit ihnen zu treiben.
    Mein Kind soll später selber entscheiden, wenn es alt genug ist, ob es sich im Netz zeigen will oder nicht.
    Die Privatsphäre ist das intimste was wir haben und wenn ich mich dazu entscheide etwas von mir preis zu geben, sollte es mein Kind später auch können.
    Ich muss mich und mein Kind gewiss nicht vermarkten.

    Regnerische Grüße aus dem Nachbarort und danke für deinen Blogpost!

    • Reply
      FrauPiepenkoetter0105
      1. November 2020 at 19:57

      Danke, Lena! Liebe Grüße!

  • Reply
    Katrin
    30. Oktober 2020 at 20:38

    Sehr gut zusammenfasst, wenn ich drüber nachname, sehe ich es genauso wie du. Ich frage mich nur, wo die Monetarisierung eigentlich anfängt. Ich habe da gerade ein Profil in Kopf, da sind die Kinder ein Teil des content – den sie gehören ja zur Familie dazu – und die Mama verdient das Geld durch Werbung für nicht Kind – bezogene Dinge. Aber würde sie Kinder gar nicht zeigen, hätte sie bestimmt weniger Follower ergo weniger Werbepartner. Ist das nun noch im Rahmen? Der Vater hat dazu mal gesagt, sie zeigen nur das von den Kindern, was man auch mitbekommt, wenn man am Gartenzaun entlang läuft.

  • Reply
    Andrea Görtzen
    31. Oktober 2020 at 17:17

    Guten Abend,
    danke für deinen Artikel. Mir gefällt, dass er differenziert ist und die Sache aus mehreren Perspektiven anschaut. Familie gehört dazu, auch im Internet (so als potentielle Abbildung der Realität…oder oft auch nicht.) Ich ahbe im Freundeskreis den Fall, dass eine Freundin ihr Kind im KLeinkindalter in einem geschützten Forumsbereich gepostet hat in dem ich auch unterwegs war. Dieser geschützte Bereich bestand aus ca 50 Mitgliedern von denen alle mir für mindestens 1 Jahr virtuell bekannt waren. Das Foto war halbnackt im Sommer im Planschbecken, sehr schönes Foto. Dieses Foto ist ein Jahr später im Rahmen einer Fahnudung auf einschlägigen Servern sichergestellt worden. Einer der zuständigen Beamten hat das Kind erkannt, denn es war das Kind seines Arbeitskollegen. Das hat mich persönlich dahingehend geprägt, dass ich im Internet /Sozialmedien keine Fotos von meinen Kindern veröffentliche. Es sei denn sie würden das wünschen und wären entsprechend von uns aufgeklärt (sind alt genug). Meine Haltung dazu hat sich auch erst entwickelt, es gibt unzählige Fotos schlafend, krabbelnd, halbbekleidet…die sind über private Nachrichten an Freunde geflossen. Ich errinnere mich an ein Foto in einem Forum wo eine Mutter ein Foto gepostet hat in einem Bereich, wo es um Gesundheitliche Fragen ging. DAs Kind saß weinend im Bett, es sah aus wie ein Splattermovie, überall Blut, ganz schrecklich. Es war Nasenbluten. Jedoch wurde erst das Foto geschossen bevor scheinbar das Kind Hilfe erhielt und dann auch noch veröffentlicht. Jeder kennt doch zig so Stories wo man ein komisches Gefühl hat was die Persönlichkeitsrechte des Kindes angeht, wo man selbst Grenze spürt. Nur scheint die ja offenbar für jeden woanders zu liegen, bei manchen fehlt sie auch ganz. Ich frage mich letztlich dieselben Fragen. Was ist mit den Kindern, möchten die das? Können sie das entscheiden? Erkennen sie die Tragweite von möglichen Auswirkungen? Das Kind muss geschützt werden solange es das nicht selbst erledigen kann. Private unverfängliche Fotos bekommen Freunde und gute Bekannte zu sehen, kontrolliert, ausgewählt wenn möglich abgesprochen, je nach Alter. Beim Gebrauch von Kindern zu Werbezwecken gerade in Socialmedien…da bin ich raus. Das finde ich nicht nur moralisch verwerflich, das finde ich schon nah an psychischer Kindeswohlgefährdung. Nein, eigentlich ist es das. In meiner Blase. Es macht mich wütend.
    Liebe Grüße Andrea

    • Reply
      FrauPiepenkoetter0105
      1. November 2020 at 19:57

      Das kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich habe da auch schon so Erlebnisse gehabt. Bilder von Kindern die in ihrem Erbrochenen sitzen tec. Internetforen sind dann sich nochmal ne andere Geschichte. Echt. Aber alles in allem ist es eben “Erst denken, dann posten”. Das ist unsere Verantwortung.

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