Die Refertilisation beim Mann: Die ersten Schritte! 1/3

Irgendwie klingt der Untertitel jetzt sehr hochtrabend, aber es ist nicht das erste Mal, dass ich über etwas aus dem Bereich Medizin schreibe und hier habe ich mich gegen eine zotige Anspielung und für die Nennung des richtigen Begriffs entschieden, weil ich damit ggf. im Netz auch gefunden werden will. Gefunden, von Menschen die vor der gleichen Entscheidung stehen, vor der auch wir standen. Also. Refertilisation. Man kann es für Google ja nicht oft genug sagen 😉

Bevor ich jetzt ans Eingemacht gehe ( Nein, keine Angst! Keine Fotos!) möchte ich an dieser Stelle darauf hinweisen, dass es sich hierbei um einen reinen subjektiven Erfahrungsbericht handelt. Weder ich noch mein Mann sind medizinisch vor- oder ausgebildet. Für Rückfragen stehe ich, wie eigentlich fast immer, zur Verfügung, solange eben die Antworten innerhalb meiner Möglichkeiten liegen. Für alle anderen Fach- oder Detailfragen findet ihr in den Beiträgen nach und nach informative Links und einen aus unserer Sicht mehr als empfehlenswerten Ansprechpartner, wenn es um die Wiederherstellung der Fruchtbarkeit beim Mann, also die Refertilisation, geht. Ich habe auch diesen Beitrag wieder in drei Teile geteilt. Dieser erste heute bezieht sich mehr auf die Vorarbeit, also die Informationsuche, das erste Infogespräch bei einem Arzt und der Struggle den wir damit hatten. Im Beitrag morgen wird es dann um alles ab “den richtigen Arzt gefunden” bis nach der OP gehen. Also organisatorischer Ablauf, Kosten etc.. Einen dritten Beitrag plane ich etwas zeitversetzt, denn dort soll es neben einer Liste mit den aus unserer Sicht wichtigen Fragen auch ein Sammelsurium eventueller Leserfragen geben. Für alle die es eilig haben: Der im zweiten Teil dieses Textes genannte und auch verlinkte Arzt ist aus unserer Sicht absolut empfehlenswert.

Die Suche nach Doktor Right…

Da Mister Right und ich zu diesem Zeitpunkt ja schon mehr als ein Jahrzehnt ein Paar waren, folgte der Entscheidung für unser drittes Kind erstmal die Suche nach dem richtigen Arzt. Wir hatten der endgültigen Entscheidung ein paar Fragen vorangesetzt, die es zu klären galt. Wie läuft so ein Eingriff ab? Wie gut sind unsere Chancen? Was kostet das Ganze? Wie sind die Wartezeiten? Wie lange nach der OP wird der Mann “krank” sein? Wie lange dauert es, so im Durchschnitt, bis sich eine Schwangerschaft einstellt?

Wir machten, was internetafine Menschen eben tun. Wir lasen Google leer zu entsprechenden Suchanfragen und ich wurde sehr findig, wie man den Vorgang wohl noch so umschrieben oder bezeichnen könnte um wenigstens ein paar Berichte von “echten Menschen” mit guten Erfahrungen zu finden. Machen wir uns nichts vor: Ich wollte Erfolgsstories lesen! Und auch wenn ich nicht wirklich Erfahrungsberichte von Familien fand, in denen der Kindsvater und nicht die Mutter ihre Sterilisation hatte rückgängig machen lassen, so wurde ich vom Netz aber dennoch mit einem Wunschergebnis beschenkt: Ein echter und wirklicher Experte für die Refertilisation beim Mann hat seine Praxis nur 7km von unserem Haus entfernt! Jackpot! Oder?

Der Refertilisationsexperte

Bereits am nächsten Morgen klingelte ich in der Praxis des Experten an, den ich hier aus Gründen ungenannt lasse, und versuchte einen Termin zu machen. Problematisch. Der gefragte Mann unterhielt zwei Praxen an zwei Orten und war somit hier bei uns nur sehr eingeschränkt erreichbar. Da mein Mann beruflich stark eingespannt und auch noch in der Probezeit war, taten wir uns schwer einen Termin zu finden, der für alle passte. Schließlich einigten wir uns auf einen Mittagstermin Ende Januar. Das war zu diesem Zeitpunkt zwar noch sechs Wochen hin, aber es war okay, denn wir hatten ohnehin vor, erst auch noch meine Gynäkologin zu konsultieren um zu erfragen, ob es bei mir denn überhaupt so aussähe, als wäre eine weitere Schwangerschaft möglich.

Ende Januar, mit grünem Licht meiner Ärztin, saßen wir dann also beim “Experten” und hatten eines der wohl seltsamsten Gespräche ever. Also zumindest für mich.

Drum prüfe, wer sich ewig bindet….

Ihr habt ja mit Sicherheit schon herausgelesen, dass dieser Arzt aus unserer Sicht ganz und gar nicht empfehlenswert ist und wie wir mittlerweile wissen, auch kein wirklicher Experte in unserer Definition, aber ich möchte trotzdem kurz zusammenfassen, was da in diesem Gespräch so auf den Tisch kam.

Zusammenfassend sagte der Arzt erst, dass er nicht glaube, dass die OP noch lohnt, wenn mein Mann sich mit einer so alten Frau wie mir fortpflanzen wolle. Äh…okay. Im “Normalfall” seien es ja Männer die sich im zweiten Durchgang eine jüngere Partnerin gesucht hätten und der nun “ein Kind schenken wollten”. Okay. Mir war nicht klar, dass die OP an einen gewissen Lifestyle angegliedert ist….naja.. Die Kosten seien auch vorher schwer festzulegen, da man ja meist erst unter der OP sehen könne ob man eine einfache Vasovasostomie (Wiederverbinden der Samenleiter) oder eine aufwendige Tubulovasostomie (Verbindung des Samenleiters mit Nebenhodenkanälchen) durchführen müsse und die Kosten sich nach Zeit und Aufwand berechnen. Ausserdem sind vorher Untersuchungen des Hormonstatus und ein Spermiogramm notwendig. Des Weiteren rät er dringend dazu, wenn wir das ernsthaft durchziehen wollen, vorher noch ein MRT zu machen, damit man in einem bildgebenden Verfahren klar sehen kann, wo die Enden der gekappten Samenstränge liegen. ( Zur Info: Das Beratungsgespräch kostete schon 150 Euro, die Laboruntersuchungen nochmal ca. 100 Euro und das MRT wäre ja auch privat zu bezahlen gewesen. Die Kosten dafür kenne ich allerdings nur aus der Tierklinik, allerdings lagen sie da schon im vierstelligen Bereich ;-)) Also, vermutlich schon mehr als 1500 Euro weg, bevor auch nur ein Schnitt gesetzt wurde.

Alles in allem würde er, eben auch wegen dem hohen Alter “der Frau”, eine Chance von unter 20 % einrechnen und von daher eher zu einer ICSI mit vorangegangener operativer Gewinnung von Spermien raten ( einer sogenannten Tese). Da würden sich, laut meinen Informationen bzw. der anschließenden Recherche, auf ca. 8000 Euro aufwärts belaufen. Für einen Versuch. Es klappt aber selten beim ersten Versuch. Man müsste also eher zwei oder drei rechnen und dann noch die Kosten für die Aufbewahrung des “Materials”…… Aber zurück zur Refi: Für die Genesung gibt es keine Krankschreibung, die Dauer der selbigen wurde mit ungefähr 4-6 Wochen angesetzt. Keine körperlich schwere Arbeit, kein Sport. Alles zuzugehen, wenn man die ICSI wählt. Da ist der Eingriff beim Mann nicht der Rede wert und den Rest könnte dann “die Frau” erledigen. Aha. Uff.

Also zusammengefasst war unser Vorhaben finanziell hochriskant, zeitlich kaum zu leisten bzw. organisieren und eigentlich fast aussichtslos. Das saß.

Von “himmelhoch jauchzend” zu “zu Tode betrübt”…

Ihr könnt euch vorstellen, wie es uns nach diesem Gespräch ging. Wir waren völlig desillusioniert. Wollen wir das wirklich? Und was von beiden Möglichkeiten? Können wir das überhaupt bezahlen? Wie soll Niklas mit seinen paar Urlaubstagen diese lange Genesungszeit abdecken? Niklas fing an, über die Möglichkeit der ICSI zu debattieren. Darüber das eine Chance besser wäre als keine und das da alles irgendwie überschaubarer wirkt. Geld, Zeit aber leider auch Erfolgschance. Ich konnte verstehen, dass er innerlich zu dem für ihn leichteren Weg tendierte. Und es war auch nicht so, dass ich nicht bereit gewesen wäre, meinen Teil der Last zu tragen, aber…. Ich hatte im Januar bereits eine OP mit Vollnarkose hinter mir, da sich die Hormonspirale nicht ziehen ließ und in der Gesamtmenge war für mich der Weg ICSI der aufwendigere, teurere und weniger erfolgversprechende.

Mit dem Gedanken daran konnte ich mich also nicht anfreunden. Gar nicht. Klar, ohne medizinische Unterstützung würde es dieses mal nicht gehen, aber irgendwie hatte ich mich mit dem Gedanken der “Ausbaustufe” angefreundet. Damit den Arzt die Vorarbeit machen zu lassen und den Rest uns und eben auch dem Schicksal zu überlassen. Ich wusste auch um die Schwierigkeiten hormoneller Stimulation der Frau bei Kinderwunschbehandlungen und hatte im Bekanntenkreis gerade erst die riesige Diskussion über die Anzahl der einzusetzenden Eizellen miterlebt. Die Entscheidung zwischen der Erhöhung deiner Chancen und dem “Risiko” von Mehrlingen. Nicht das ich was gegen Zwillinge gehabt hätte, aber ehrlicher Weise: Drei hätten mir schon Angst gemacht… Das wollte und konnte ich mir also nicht vorstellen, so groß mein Wunsch nach einem weiteren Kind auch war.

Niklas entschied, erstmal Termine für die weiteren anscheinend notwendigen Voruntersuchungen machen zu lassen und ich war verunsichert genug um erstmal ein paar Zyklen lang meinen Eisprung tracken zu wollen, bevor wir ggf. mit dem Versuch Refertilisation “all in” gehen würden.

Wer suchet, der findet…

So richtig auf die lange Bank geschoben war das Vorhaben also nicht, wir waren brav weiter im Zeitplan, doch wir haderten. Und ich versuchte diese desaströs niedrige Chance von “maximal 20%” für mich einzuordnen und zu relativeren, in dem ich noch intensiver nach Erfolgsstories im Netz suchte. Ein Name, der mir dabei immer und immer wieder unter kam, war der von Dr. Martin Petsch in Düsseldorf. Als ich irgendwann begann, nicht mehr nur nach Refertilsitation, sondern nach Dr.Petsch zu suchen, fand ich Beiträge in Zeitungen, im Fernsehen und auch die Videos des Doktors bei YouTube. Nicht zum ersten Mal wurde ich dort mit der Aussage konfrontiert, dass der Erfolg der Refi ganz maßgeblich vom Geschick (resultierend aus der Erfahrung) des Operateurs abhängt. Dr. Petsch, so erfuhr ich, macht nur noch Sterilisationen und eben Refertilisationen. Seit Jahren. Mehr Erfahrung geht also wohl kaum. Auf der Website befand sich ein Bereich in der Art eines Gästebuchs Allerdings befindet die Praxis sich in Düsseldorf. So ziemlich genau 222km von uns entfernt. Wenn man da fürs Infogespräch, Voruntersuchungen und Narkosevorgespräch etc. hinfahren müsste, würde das ganze Unterfangen schon daran scheitern. Trotzdem bat ich Niklas, auch diesen Arzt noch zu kontaktieren um sich zumindest zu informieren und eine mögliche zweite Meinung einzuholen. Und das taten wir und waren ab Minute eins begeistert. Aber dazu dann im nächsten Beitrag.

Liebste Grüße

Vanessa

Offenlegung: Dieser Beitrag enthält keine Werbung, sondern unsere ehrliche Meinung und Empfehlung. Er ist nicht “In Kooperation mit” oder gar “Im Auftrag von…” entstanden. Die Kosten aller Untersuchungen, der OP und sämtliche Nebenkosten haben wir selbst getragen. Muss man ja heute dazu sagen 😉

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1 Comment

  • Reply
    Piepenkoetter I Refertilisation beim Mann I Vasovasostomie
    21. Oktober 2019 at 15:02

    […] Was bisher geschah lest ihr hier. […]

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