Fuß vom Gas: Von der Notwendigkeit des Singletaskings!

Frau Piepenkötter I Eins nach dem anderen

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Singlewhat? Okay, ich hole etwas weiter aus. Genauer gesagt in meine Küche. An einem normalen Morgen. Ich bin um 5 aufgestanden, habe während ich duschte schon den Kaffee laufen und Brötchen im Ofen. Ich decke den Tisch und räume zeitgleich die Spülmaschine aus. Während das Teewasser kocht, wecke ich die Kinder. Wenn die dann frühstücken, mache ich die Brotdosen fertig. Heute muss ich länger arbeiten. Die Kollegin ist krank. Und weil das große Kind nur ein kleines Zeitfenster zwischen Schule und Kieferorthopädentermin hat, koche ich schon mal Nudeln, denke ich, und setze einen Topf mit Wasser auf.

Später in der Kita fällt mir der Topf in keinem Moment wieder ein. Keinem. Bis ich kurz vorm Mittag auf mein Handy schaue und sehe das der Mann mir geschrieben hat. “Wolltest du das Haus niederbrennen?” Öhm, nö. Selbst da wird mir erst beim dritten oder vierten Gedanken klar, dass ich heute früh einen Topf auf dem Herd habe stehen lassen und zur Arbeit gefahren bin. Und das ich Glück hatte, das der Mann im Winter später los muss. Na Bravo!

Ich bin (eigentlich) gut in Alltagsjonglage

In meinem Alltag gibt es Zeiten, die ich mit militärischer Präzision geplant habe. Ich mache zwei, drei, vier Dinge gleichzeitig. Ich bin der Typ, der es gut findet, wenn man ihm die Multitaskingfähigkeiten nachsagt. Das spornt mich sogar an, noch ein zwei Bälle zusätzlich in die Luft zu bringen. Viele Dinge gleichzeitig machen, dass ist was ich gut kann. “Ich fahre am besten unter Volllast!” ist ein Spruch, den ich gar nicht so selten sage. Und meine. Ich tue alles während allem. Lese im Auto und Wartezimmer Fachbücher, skizziere beim Spazierengehen Artikelideen, koche während ich sauge, schreibe Einkaufszettel während ich esse, frage Vokabeln ab, während ich Brot backe, gehe mit dem Hund und gleichzeitig einkaufen und so weiter und so fort. Manchmal wache ich nachts auf und notiere mir Dinge für die Kita auf dem Block neben meinem Bett, weil ich nachts im Traum Qualitätsmanagement betreibe. Immer den Fuß auf dem Gas und alle Bälle in der Luft!

Wenn ganz langsam aus “können” “müssen” wird

Als ich im Laufe des letzten Jahres selbst meine Überforderung feststellte und begann gewisse Dinge zu überdenken, fiel mir das schon auf. Das das Können irgendwie zu einem Müssen geworden ist. Das ich in allen Bereichen innerlich immer “Effektivität! Effektivität! Effektivität!” brülle. Das ich zum Beispiel nicht mehr baden konnte, weil ich in der Badewanne nur so unnütze Dinge wie lesen, Musik oder Podcasts hören machen konnte. Das ich kaum einen Podcast zu Ende hören konnte und immer dachte “Gelesen hätte ich drei in der gleichen Zeit geschafft!” Das ich wider besseren Wissens immer mehr und mehr und mehr Bälle ins Spiel brachte. Weil es meine Stärke ist. Weil es jeder bewundert. Warum sollte ich mich ausgerechnet da beschneiden, wo ich doch offenbar am besten war? Das macht ja keinen Sinn.

Frau Piepenkötter I Singletasking

Gleichzeitig/ Gleichwertig / Gleichgültig

Was man aber nicht bedenkt ist, dass mit all dieser Fülle an Dingen die man gleichzeitig tut, irgendwie die Priorisierung der Dinge die man liebt verloren geht. Und irgendwann dann auch die Liebe. Wieviel Liebe steckt in einem Essen, bei dem man im Vorgang des Kochens schon nicht mehr weiß, ob man dieses oder jenes schon hinzugegeben hat? Wie sehr schätze ich das geschriebene Wort, wenn ich beim Lesen nur die Seiten überfliege? Wenn es nur noch ums Beenden und ums “fertig werden” geht, damit man dann zu etwas Neuem übergehen kann, dem man sich genauso lieblos und mit selbstauferlegtem Zeitdruck “widmet”? Wie gefährlich sowas mitunter auch seien kann, liest man ja am Anfang dieses Textes schon heraus.

Höher! Schneller! Weiter!

Zum Ende des Jahres, man beschäftigt sich ja mit sowas und lernt immer wieder was dazu, stellte sich bei mir das Gefühl ein, das dieses Grundsummen der Unzufriedenheit in mir vielleicht nicht durch eine weitere Effektivitätssteigerung abzustellen war, sondern durch eben genau das Gegenteil. Was, wenn ich anfangen würde, die Dinge die ich tue einfach ohne Ablenkung zu tun? Einfach nur essen? Einfach nur kochen? Einfach nur Spazierengehen? Dinge um ihrer selbst Willen zu tun und nicht daraus die nächste Challenge, das nächste Projekt zu machen oder sie in eine Gruppe einzuordnen, mit denen sie zeitgleich gemeinsam erledigt werden können und ihnen somit ihren Wert zu nehmen. Was wäre dann?

Kleine Schritte

Angefangen habe ich damit, einfach nur zu arbeiten. Ich habe angefangen mein Handy zuhause zu lassen und somit sämtliche Social Media Toilettenpausen aus meinem Arbeitsleben auszusperren. Und ich bin wirklich erstaunt, wieviel besser es mir damit geht. Keine Einkaufszetteländerungen und Anfragen der Kinder wegen Nichtigkeiten im Vormittag, keine WhatsApp der Freundin die ich aus dem Augenwinkel lese und die ich bis zur Antwort am Feierabend nicht vergessen darf. Kein Emailcheck beim Jacke anziehen. An dieser Stelle hatte ich tatsächlich nicht damit gerechnet, dass es mich so sehr ablenkt und meinen Kopf immer wieder zu allem was am Tag noch kommt lockt. Ich bin ja nun so gar kein “Digital Detox” Typ und trotzdem erkannte ich ziemlich schnell, dass das “ganz bei der Sache sein” mir gut tat und mich dann sogar effektiver machte. Anstatt den Job, den Blog und das Familienleben gleichzeitig im Kopf zu bearbeiten, hatte ich zwei Sachen so gut wie ausgesperrt und mein konzentriertes Arbeiten wiederum ermöglichte mir im Nachmittag, den Job in der Kita zu lassen und nicht auch noch zuhause daran weiter zu arbeiten. Mir war gar nicht bewusst, oder besser ich wollte mir nicht eingestehen, wie sehr sich das alles in den letzten Jahren vermischt hatte. Ergebnis ist aber: Ich war auf der Arbeit nicht zufrieden und konnte zuhause niemals abschalten. Keine Arbeitsphase, keine Freizeit. alles ein Kuddelmuddel aus beidem. Bescheuert!

Let it go!

Aber wie willst du das ändern? Wie plötzlich lösen, wenn du doch eigentlich nur noch ballen kannst? Reine Erkenntnis hilft manchmal, aber eben nicht immer. Ich habe mir das Singletasking astrein und sehr erfolgreich abtrainiert. Ich kann das nicht. Ich rutsche immer wieder ab. Vom Sofa ins Hamsterrad, oder so. Selbst das plötzliche Bewusstwerden half da nicht.

Und was hilft dann? Sagen wir es mal so: Üben. Trainieren. Die Erkenntnis vertiefen. Sich das Bedürfnis und den Benefit immer wieder klar machen. Ist aber definitiv leichter gesagt, als getan.

Ich habe ja zum Beispiel angefangen “Baden zu üben”. Ich dachte es wäre ja sinnvoll. Nein, nicht aus hygienischen Gründen für mich sinnvoll. Ich dusche natürlich! Aber früher habe ich mir so Auszeiten in der Wanne genommen um abzuschalten. Das ging zuletzt gar nicht mehr. Also: Erstmal 5 Minuten in der Wanne schaffen.Irgendwann 10. Dann mal 20.  Und prompt machte mein Kopf einen Wettbewerb daraus. Er entwarf einen Zeitplan, definierte ein Ziel. Ich steig in die Wanne und stellte den Timer und hockte dann genervt und angespannt im Wasser, bis der blöde Timer endlich klingelte. Maximal bescheuert und maximal am Thema vorbei.

Frau Piepenkötter I Singletasking

Es gibt Dinge, die lassen keine Eile zu!

Was mir wirklich half? Hefeteig und Fröbelsterne. Dinge, die ihre Zeit und deine Aufmerksamkeit brauchen. Uneingeschränkt. Die ein gutes Gefühl machen und dir deine Selbsttätigkeit zeigen. Das war für den Einstieg super. Dazu gab es dann noch das richtige Buch ( das kommt dann in den nächsten Tagen hier) und die kleine fiese App “Forrest” bei der du einen digitalen Wald anlegen kannst. Du legst fest, wie lange du jetzt konzentriert und ohne Handy und Social Media an etwas arbeiten / etwas machen möchtest ( bis zu 120min) und pflanzt mit der App auf deiner Wiese einen Busch oder Baum. Schaffst du es, die Zeit auszuhalten, ohne aufs Telefon zu schauen, dann wächst der Baum. Guckst du zwischen durch “mal eben” bei Instagram vorbei, stirbt dein Baum. Ganz einfach. Aber da wird einem auch mal bewusst, wie viel Ablenkung man auch in den scheinbar konzentrierten Arbeitsphasen (“Ich saß drei Stunden nur am Schreibtisch!”) so hat. Die App hat irgendwas um die 2,50€ gekostet und auch wenn ich sie jetzt schon sehr viel seltener benutze, hat sie sich für mich gelohnt.

Die Sache mit dem Lernen

Manch einer wird denken, dass wir das hier doch irgendwie alles schon mal thematisiert hatten. Gehen der Piepenkötter die Themen aus? Müssen wir jetzt schon mal Gedachtes wiederkäuen? Nein und ja. Klar sind das Ansätze, die es hier schon gab, aber es ist eben auch so, das hier ein Mensch schreibt. Und ich lerne eben nicht und kann Gelerntes dann immer 100% in jedem Fall und uneingeschränkt so umsetzen. Manchmal tappe ich wieder in die gleichen Fallen, muss feststellen, dass ich ein Stück weit rückwärts gelaufen bin, muss mich wieder motivieren und den gleichen Berg noch einmal hoch, in der Hoffnung das ich dann endlich die Aussicht von oben auch genießen kann. Und tatsächlich glaube ich dieses Mal verstanden zu haben, dass das mit dem Bergsteigen viel einfacher und besser klappt, wenn ich nebenher nicht auch noch versuche ein Zimmer umzugestalten, 15 Kilo abzunehmen, ein Buch zu schreiben, den Kindern Vokabeln beizubringen und die Hochbeetbepflanzung zu planen. Step by Step also. Wir werden sehen, ob es dieses Mal funktioniert.

Liebste Grüße

Vanessa

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7 Comments

  • Reply
    die chrissy
    25. Januar 2019 at 11:25

    Die triffst den Nagel so was von auf den Kopf und sprichst mir aus der Seele! Ich neige leider auch dazu, mir viel zu viele Dinge auf einmal abzuverlangen und finde innerlich keine Ruhe mehr. Mich nervt es so sehr, dass ich keine Stunde auf dem Sofa liegen konnte ohne auf mein Handy zu schauen und dann durch das Versinken bei Instagram die laufende Doku im TV nicht mehr verfolgt habe. Singletasking ist ein sehr guter Ansatz! Deine Morgenroutine kommt meiner (bis auf Kinder) ziemlich nahe. Anstatt nur gemütlich Kaffee zu trinken wird die Wäsche abgehängt, die Spühlmaschine ausgeräumt und die Kissen neu geordnet. Zwar liebe ich es, diese Dinge am Nachmittag erledigt zu wissen aber dennoch ist es fast schon ein Zwang. Deinen Beitrag finde ich einmal mehr großartig geschrieben und danke dafür, dass du mich mitgenommen hast in deine Gedanken

  • Reply
    Jule
    25. Januar 2019 at 19:29

    Ich erkenne mich total in der Beschreibung wieder!
    Seit zwei Wochen habe ich es geschafft – nachdem ich auch einen jahrelangen Lernprozess brauchte und viele Rückfälle hatte – aus diesem Wahnsinn auszusteigen. Und siehe da, ich schlafe wieder!!! Was habe ich in den letzten 5 Jahren nicht alles versucht, meine Schlafstörung in den Griff zu bekommen. Und siehe da, ich stand mir die ganze Zeit selbst total im Weg. Wenn ich den ganze Zeit durch den Tag hetze, um abends mehr Zeit zum Entspannen habe, dann ist einfach nichts mehr mit Entspannung. Mein Körper hetzt immer weiter. Nun mache ich alles langsamer und bin präsent bei dem was ich tue. Nicht mehr mehrere Sachen auf einmal. Und Nichtstun ist nicht nur erlaubt sondern Pflicht. Der Körper kann nicht immer etwas tun. Es rächt sich, wenn man sich selbst wie eine Maschine im Schichtbetrieb behandelt.

  • Reply
    Katharina
    27. Januar 2019 at 16:47

    Danke für den tollen Input! Selbst im Urlaub entdecke ich mich noch beim Multitasking 🙁

  • Reply
    Sabine
    29. Januar 2019 at 16:38

    Vielen Dank!! Du hast mich wieder mal total abgeholt und zum umdenken gebracht! Allerdings muss es jetzt noch umgesetzt werden😀

  • Reply
    Sandra
    31. Januar 2019 at 12:17

    Danke für diesen Text und deine Offenheit. Ich finde es toll, dass du deine Erkenntnisse und deinen Entwicklung hier immer wieder teilst. In diesem Fall hast du die Worte für das gefunden, über das ich schon lang nachdenke, ohne es formulieren zu können. Singletasking ist ein guter Ansatz. Ich werde das demnächst mal probieren… Wird nicht leicht, denn irgendwie ist Multitasking ja fast schon ein Qualitätsmerkmal, vor allem für Frauen/Mütter.

  • Reply
    Melba
    5. Februar 2019 at 22:30

    Ich habe mir angewöhnt, wenn ich den ganzen Tag nur am Hetzen bin, mir zwischendurch die Eieruhr für mich zu stellen. Für 20-30 Minuten tue ich dann das, was mich gut entspannt. Lesen, sonnen, nähen . Meistens klingelt gerade dann das Telefon! 😊😊
    Dabei habe ich dann mein Notizbuch, weil mein Kopf noch viele Ideen zu Tage fördert.
    Vielleicht mag jemand diese Anregung auch für sich umsetzen?

  • Reply
    Kirsten Landmann
    8. Juni 2019 at 13:48

    Liebe Vanessa, ich bin erst jetzt auf Deinen Blog gestossen und finde hier so Vieles, was mich berührt und betrifft. Ich musste Ende 2015 anfangen, umzudenken. Ich hatte mir den Tag so voller Termine und selbstgestellter Aufgaben gepackt “(Ich muss noch …) dass am Ende selbst die Hobbies (Chor!) keinen Spaß mehr gemacht haben und ich anfing, in eine Depression (nennt man heute auch Burn Out) zu rutschen. Ich musste das Sofa-Sitzen danach auch erst wieder lernen und habe mich dann im Laufe von zwei Jahren gaaaanz langsam erholt. Das ist eben auch etwas, was in der Denke der heutigen Zeit keinen Platz mehr hat – dass die Batterien, die man einmal komplett leergefahren hat, sich nicht mal eben in drei Wochen oder mit ein paar Wellness-Modifikationen wieder aufladen. Heute habe ich mir angwöhnt, mich zu fragen, was ich wirklich unbedingt tun MUSS (Arbeiten, Haushalt, Kinder kümmern) und darüber hinaus noch tun WILL (Sport, Musik, Freunde). Und diese Dinge mache ich LANGSAM und mit Muße. Nicht mal eben schnell, schnell. Das definiere ich heute als meinen persönlichen Luxus: die Dinge, die ich mache in einem schaffbaren, für mich angenehmen Tempo zu machen. Meine Lebensqualität ist dadurch in der letzten Zeit förmlich durch die Decke gegangen. Und nebenher habe ich auch noch festgestellt, wie viel nachhaltiger dieser Lebensstil ist. Wie oft bin ich früher auch für kleine Strecken mit den Kindern im Auto rumgedüst, weil mir in unserem Horror-Zeitplan nicht nur die Zeit, vor allem aber auch die Energie gefehlt hat, mit dem Fahrrad irgendwo hin zu zuckeln. Heute fahre ich sogar die 25 Minuten bis zur Arbeit mit dem Fahrrad und nehme praktisch nebenher noch frische Luft, Erholung und Kopf-Freipusten mit. Höher, schneller, weiter ist für mich definitiv out.

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