Herz/ Kopf/ Blog: Von Vereinbarkeit, falschen Zielen und unpopulären Entscheidungen!

Frau Piepenkoetter I Vereinbarkeit

Vorweg in Kürze: Dieser Artikel urteilt nicht über dein gewähltes Lebensmodell. Ich erkläre nur, was in mir vorgeht und warum ich Dinge jetzt anders machen möchte und bereue diese Erkenntnis erst so spät zu haben. Jeder Mensch hat eine individuelle Ausgangssituation, jeder kommt besser oder schlechter damit zu recht und ist mehr oder weniger belastbar. Nur weil die Dinge sich für mich so anfühlen und ich daraus die Konsequenz ziehe, heißt das nicht, dass ich glaube oder auch nur einräume, das alle die es anders machen etwas schlecht/falsch/ verkehrt machen. Du bist nicht Ich. Keiner ist das. Und jeder/jede von uns muss für sich selbst entscheiden. Ich hab schon einmal ein paar Gedanken zu dem Thema Vereinbarkeit formuliert. Den Artikel findest du hier.

Vorletzten Dienstag

Der vorletzte Dienstag war ein Kacktag. Ich würde das jetzt gern mildern oder diplomatisch schönen, aber es geht nicht, denn es war wirklich ein ausgemachter Kacktag.

Der Plan war es, dass ich bis auf zwei Stunden Pause am Nachmittag von 7 bis 21 Uhr in der Kita sein würde. Normaler Gruppenalltag, Büro, Pause, Dienstbesprechung und anschließend Kinoabend mit den Eltern. Eigentlich ist das auch gar kein Thema und fast mein liebster Tag im Jahr, denn es ist immer was ganz Besonderes, wenn sich die Familien zum Kinoabend bei uns einfinden um sich den von uns im Krippenalltag erstellten Film mit ihren Kindern als Hauptdarstellern anzusehen. Eigentlich.

Confessions of a bad Mom

Dieser Dienstag war aber einfach eine ewige Aneinanderreihung technischer Probleme und mitten drin, rief dann natürlich auch noch die Schule an, weil eins der Mädchen mit starkem Nasenbluten im Krankenzimmer lag. Neben ihr die große Schwester als moralische Unterstützung. Es war zwar schon wieder besser, aber alle Busse waren selbstverständlich weg.

Heißt: Statt Mittagspause zu machen war ich gut 1 Stunde 15 unterwegs um die Kinder einzusammeln und zu verarzten und arbeitete quasi nebenher noch an den technischen Problemen bezüglich des Kinoabends weiter, damit unsere Elternschaft am Abend einen anständigen Film zusehen bekommen konnte. Kaum zuhause angekommen musste die Logistik für Nachhilfe, Zahnarzt und die Versorgung der Kinder am Abend im Galopp geklärt werden, bevor ich wieder in die Kita musste. Hat alles geklappt. Mach ich locker! Mit Links? Scheinbar. Gern? Nein.

Nur in meinem Kopf

Als ich unterwegs zur Schule war um die Mädchen abzuholen, lief ein ewiger Monolog in meinem Kopf. „Schöne Scheiße. Warum ausgerechnet heute? Warum ist die blöde Schule soweit weg? Warum fährt die Oma so langsam? Scheiße. Scheiße. Scheiße. Schafft Maja es jetzt noch zum Kieferorthopäden? Warum hat Jule Nasenbluten? Was mach ich, wenn das nachher nochmal passiert? Heute ist Elternabend. Scheiße. Scheiße. Scheiße…..“ Ich steigerte mich so richtig schön rein. Und ich wurde sauer. Ich kann nicht mal sagen, auf wen oder warum, aber ich war echt richtig sauer. Und als ich an der Schule dann aus dem Auto stieg kam mein Kind auf mich zu, sah mir ins Gesicht und entschuldigte sich. Dafür das es Nasenbluten hatte. Weil mir das Umstände macht. Weil sie sehen konnte, das ich sauer bin.

Wenn die Wut über das selbstgewählte Lebensmodell die Falschen trifft

Na klar hab ich sie in den Arm genommen und ihr gesagt, dass ich überhaupt nicht sauer bin und das das nichts ist, wofür man sich entschuldigen muss. Das es ganz richtig ist, dass sie damit zu den Schulsanitätern gegangen ist und nicht in den Bus gestiegen und ich hab ihre Schwester dafür gedrückt, dass sie von der Haltestelle zurückgelaufen war um ihrer kleinen Schwester beizustehen. Alles gut! Aber trotzdem muss man sich ja fragen, was da schief läuft. Warum mein Kind sich schuldig fühlt. Was aus Sicht der Kinder und in Wirklichkeit den hier die Prioritäten sind. Mein Kopf lässt immer und den ganzen Tag ein Grundsummen der Selbstreflexion laufen. Ich kann das nicht stoppen, das ich überlege, bewerte, reflektiere. So auch an besagtem Dienstag.

Wenn die Familie eine Organisationseinheit wird…

Und auf dem Rückweg im Auto, während hinter mir eindrücklich geschildert wurde, welche riesige Mengen Blut da im Spiel waren und wie schwer es war (für die Schwester) das Krankenzimmer zu finden, änderte sich der Monolog in meinem Kopf. Meine Wut verrauchte und machte einem Gefühl Platz, das ich mittlerweile ebenso gut kenne. Dem Bedauern.

Mein Kind entschuldigt sich dafür, dass es krank ist. Und das nicht zum ersten Mal. Und vorhin am Telefon wollte ich kurzfristig auch darüber schimpfen, warum sie nicht auf die Uhr geachtet und doch den Bus genommen haben. Im Affekt, sozusagen. Ein krankes Kind ist für mich in erster Linie immer ein personelles Problem in der Kita und nicht ein Mensch um den ich mich kümmern will. Ich bin froh um jedes aufgegebene Hobby der beiden und schwänze die Hälfte aller Schulveranstaltungen mit schlechten Ausreden, weil ich so kaputt bin.

Ich bin gern Mutter und ich bin gern berufstätig, aber ich bin nicht mehr gern eine berufstätige Mutter. Vielleicht war ich es auch nie.

Der Gedanke ist nicht neu. In letzter Zeit denke ich da häufig drüber nach. Da durch den Arbeitsplatz und evtl. sogar Berufswechsel des Mannes einfach alles bei uns auf dem Prüfstand steht, haben wir auch mal meine Arbeitszeit mit zur Zeit 33 Stunden plus ggf. Überstunden zum Thema gemacht. Die Kinder sind 11 und 15. Würde ich mehr arbeiten können? Und würde ich es auch wollen und sollen?

„Die Kinder sind ja jetzt groß“

Das meine Kinder groß sind, höre ich häufig. Als wären sie 28 und würden mit Mann und Kindern im Sauerland wohnen, statt mit 11 und 15 in ihren Kinderzimmern. Aber ich verstehe die Annahme, das Kinder über 10 quasi keine Arbeit mehr machen und wie in Selbstverwaltung leben. Dieser irrigen Annahme erlag ich nämlich selbst, als meine Kinder klein waren. Aber, auch wenn ich damit Erwartungen und Hoffnungen von allen Kleinkindmüttern zerstöre, ich empfinde das nicht so. Auch Kinder über 10 möchten wenn sie krank sind nicht allein zuhause bleiben, sie brauchen Ansprache, jemanden der Vokabeln abfragt, sie zum Kieferorthopäden fährt und mit ihnen die Austauschschülerin bespaßt, sie wollen von ihrem Tag erzählen können, sich zugehörig fühlen können, gemeinsam an Schulveranstaltungen teilnehmen, von Sporthallentribünen angefeuert und beklatscht werden und an Scheißtagen in den Arm genommen werden. Alles Dinge, die ich kaum, selten oder zumindest in meinen Augen zu wenig schaffe, weil ich berufstätig bin. Also wir beide. Und während ich mit meinem Mann über die Situation und meine Gefühle sprach, wurde uns klar, das der Zug eher in die andere Richtung fahren sollte.

Wunderland ist abgebrannt

Als wir, jung unbedacht und immer ein bisschen knapp bei Kasse, beschlossen, dass wir beide nochmal die Schulbank drücken würden um in besseren Jobs mehr Geld zu verdienen, taten wir das um mit den Kindern mal ein schönes und entspanntes Leben haben zu können. Damit wir auch am Monatsende genug Kohle haben um einzukaufen was uns schmeckt, schöne Kleidung tragen zu können die uns gefällt und Urlaube machen zu können an Orten die wir gern einmal sehen wollen. Dafür wären nur ein paar harte Jahre notwendig. Aber dann!

Und? Können wir das jetzt? Jein. Und zwar Jein, weil mit den Jahren und dem Einkommen auch unsere Ansprüche und Wünsche gewachsen sind. Alles was wir 2009 haben und können wollten, können wir jetzt zwar kaufen und bezahlen, ABER zum einen sind die Wünsche 2018 jetzt andere und dann ist es einfach so, dass die Hauptidee des „entspannten Lebens“ dabei leider hinten runter fiel und zum anderen fehlt uns die Zeit. Mittlerweile arbeiten wir viel, sind einfach selten entspannt, oft genug immer noch knapp bei Kasse, haben keine Zeit für große Urlaube und gehen letztlich immer noch mehr und noch mehr arbeiten um das MEHR an Geld dann für Schrott auszugeben, den wir nur brauchen um unsere Frustration über diese Art des Lebens zu überdecken.

Mein Job  / Sein Job

Ich stehe in der Kita an einer Stelle an der ich einsehen muss, dass ich an eine Grenze gekommen bin. Erst dachte ich, dass ich mich nur noch weiter qualifizieren muss, mehr Wissen und engagiertere Ziele, um diesen Job zufrieden bis ans Ende meines Berufslebens auszuüben. Mehr Kompetenz, mehr Verantwortung und natürlich auch mehr Geld. Aber ich merke immer wieder, dass die Rahmenbedingungen einfach nicht das hergeben, was ich machen müsste um zufrieden sein zu können. Ich mache das alles immer „bestmöglich“, aber manchmal ist mir das einfach lange noch nicht gut genug. Und, ich hatte es bereits schon einmal erwähnt, dieser Job ist die vernünftige Alternative zu meinem Wunsch „nur zu schreiben“ gewesen. Die beste vernünftige Entscheidung und ein schöner Job, wenn auch nicht der Traumberuf.

Mein Mann hat zwei Jahre eine Wochenendbeziehung zu mir und unseren Kindern in Kauf genommen, um eine Qualifikation zu erlangen die jetzt, wo sein Betrieb den Standort an dem er tätig ist, schließt völlig unbrauchbar ist, es sei denn wir geben hier alles auf und ziehen mindest 300km weiter.

Alles wofür wir uns so gestreckt und belastet haben, löst sich vor unseren Augen in Luft auf und wir fragen uns immer wieder warum wir all diese Anstrengungen und Entbehrungen in Kauf genommen haben?

Vielleicht ist weniger, tatsächlich mehr?

Der Job des Mannes lässt zur Zeit nicht zu, dass er Stunden reduziert und so fragten wir uns, ob ICH nicht vielleicht weniger arbeiten wollen würde. Und ich dachte im ersten Augenblick „Ja!“ und im zweiten „Ja, aber…“. Es ist ja nicht gerade en vogue weniger oder „gar nicht“ zu arbeiten. Und wenn, dann muss man zumindest schon seinen Haushalt auf Weltmeisterniveau in Schuss haben. Werfe ich meine Ausbildung, meine Fortbildungen, meine Möglichkeiten weg, wenn ich jetzt weniger arbeite, statt, wie in den letzten Jahren immer mehr, mehr, mehr? Und ist es nicht irgendwie widersinnig und traurig, dass ich die ganzen Jahre in denen meine Kinder klein waren und mich vielleicht noch mehr gebraucht haben als heute, so unendlich viel gearbeitet habe um in diese Position zu kommen nur um jetzt alles hinzuschmeissen? Seit Jule drei Jahre alt war sprinte ich quasi durch das Jobleben. Ich möchte wetten, an eine entspannte Mutter die Mittags einfach nur mit ihr am Tisch sitzt kann sie sich gar nicht mehr erinnern. Das ist jetzt höchstens mal das Urlaubsmodell. Selbst an den Wochenenden bin ich jetzt nur noch eine Getriebene mit meterlanger To-Do-Liste und nicht die Mutter die ich diesen unbestritten großartigen Kindern wünschen würde. Bleibt die Frage: Wo oder was war denn nochmal das Ziel? Wofür das alles? Mein Leben ist gefühlt angelegt, wie eine überdimensionale Treppe. Ich muss mich immer bis zur Erschöpfung strecken und bemühen , um an mein Ziel zukommen nur um dann festzustellen, dass ich wieder nur am Fuße einer nächsten Stufe gelandet bin. Es gibt kein erklärtes Ziel mehr, bzw. immer kurz vor Erreichen des Ziels wird die Ziellinie einfach mal ein paar Kilometer nach hinten verlegt. Es gibt nur Stufen ohne Ende. Immer einen nächsten Schritt der kräftezehrend und aufwendig ist, mir viel abtrotzt.

Die einzig sinnvolle Priorität: Wir!

„Eine Familie haben“ ist eine bewusste Entscheidung gewesen und auf keinen Fall weniger wertvoll und wichtig, wie unsere Qualifikationen und Ausbildungen. Die Entscheidung für Arbeit und mehr Arbeit war anfangs ja nur dafür da, dieses „Abenteuer Familie“ möglich zu machen.  Diese Familie so aufzubauen hat Arbeit und Mühe gekostet. Die Familie war schon vor dem Job da. Warum sollte ich meiner Ausbildung mehr verpflichtet sein, als meinen Kindern? Warum kommt es mir unemanzipiert vor, wenn ich eben genau das mache, worauf ich als Individuum Lust habe und von dem ich glaube, das es mich und uns glücklich machen würde? Letztlich bin ich doch nur mir selbst und uns verpflichtet, oder nicht? Fakt ist: Ich bin gern mit meinen Kindern zusammen. Meine Prioritätenbrille ist manchmal einfach falsch, weil ich Druck von aussen und innen spüre. Ich will das nicht mehr. Ich habe vielleicht noch 10 Jahre mit Kindern in meinem Haushalt. Ich möchte nicht, das sie eines Tages mit dem Gefühl alles andere sei wichtiger gewesen mein Haus verlassen und nicht gern auf ihre Kindheit zurück schauen. Auf dem Kitasektor die Weltherrschaft an mich reißen könnte ich später ja auch noch. Bis dahin sollte ich vielleicht einfach mal die Medizin schlucken die ich so verschreibe und das „höher, schneller, weiter“ den anderen überlassen….

Die gute alte Zeit

Komischerweise habe ich bislang nie darüber nachgedacht, welche Zeit in unserem bisherigen Familienleben mir eigentlich die liebste war. Welche Phase würde man vielleicht sagen. Wenn ich das alles jetzt Revue passieren lasse, war es eine Zeit in der beide Kinder noch klein waren. Ich war sehr gern die Mutter eines Kindergartenkindes und eines Babys bzw. Kleinkinds. Wir sind morgen zu Fuß zur Kita gelaufen, in den Brottaschen selbstgebackenes Brot, am Vormittag habe ich ein bisschen gejobbt bis ich Mittags die Kinder abgeholt habe (oder zumindest eins, weil eins noch zuhause war) und hatte trotzdem noch Zeit für Ehrenamt, Freunde, Hobbies, mich und ausreichend Lust und Energie um am Wochenende oder Nachmittag noch etwas mit den Kindern zu unternehmen. Das hat für mich jetzt gerade einen Astrid-Lindgrens-Bullerbü-Romantik-Filter drauf. Und zwar ganz dicke. Heute komme ich manchmal um 17 Uhr nachhause und sitze die Zeit ab, bis ich ins Bett kann. An den Wochenenden sage ich den Kindern nicht selten, das wir Erwachsenen „viel arbeiten und auch nur diese zwei Tage Wochenende zum Entspannen und für Garten und Haushalt“ haben und deshalb keinen Übernachtungsbesuch haben wollen oder in den Zoo gehen. Wir haben Geld um in den Urlaub zu fahren, aber keine Zeit und aus diesem Grund auch zu vielen Freunden kaum Kontakt. Ich habe jahrelang auf etwas hingearbeitet ohne zu wissen auf was. Das dickere Auto, das schönere Haus, die teureren Klamotten? All das habe ich jetzt im Vergleich zu damals. Aber bin ich damit glücklich? Glücklicher? Ist es tatsächlich so erstrebenswert? Nein. Das ist dieses gern genommene Beispiel von „Arbeiten um zu leben“ oder „Leben um zu arbeiten“, oder?

Diese Gedanken gärten jetzt schon ein wenig in mir. ich habe sie gedreht und gewendet, mit guten Freunden und meinem Mann besprochen. Das Gedankenkarusell dreht sich ohne Unterlass. Ich habe mein Ziel überarbeitet. Mich neu fokussiert. Ich habe begonnen meine Arbeitszeit ein wenig reduziert. Wenn sich herausstellt, wo der Mann weiterarbeiten will und wird, werde ich einen nächsten Schritt tun. Über allem steht gerade in leuchtenden Buchstaben die Frage: “ Was willst du wirklich? Ohne WENN und ABER!“ Kann das zukünftig unser Maßstab sein? Kann man trotz Haus und Kindern nach dieser Maxime leben? Ich weiß es nicht, aber ich hab richtig Bock es einfach zu versuchen.

Liebste Grüße,

Vanessa

 

P.S.: Dieser Post liegt schon ein paar Tage hier. Erst begann er mir „Gestern“, dann mit „letzten Dienstag“ und jetzt mit „vorletzten Dienstag“….. Das er heute fertig geworden ist, verdanke ich unter anderem Halima, die ganz ähnliche Gedanken hat und meine innere Diskussion damit befeuerte. Danke, Halima! Ihren Artikel lest ihr hier.

 

 

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21 Comments

  • Reply
    Patricia
    3. Juni 2018 at 14:40

    Ein sehr reflektierter, ehrlicher Beitrag!! Ich hatte vor ein paar Jahren ähnliche Gedanken und ich möchte nicht spoilern aber: JA – es klappt!! 🙂 Ich habe damals meinen unbefristeten Job im Marketing gekündigt, weil mein Bauchgefühl einfach nicht mehr stimmte. Ich habe es nie bereut!

    Ganz liebe Grüße,

    Patricia

    • Reply
      FrauPiepenkoetter0105
      3. Juni 2018 at 14:41

      Du bist doch die Chef-Cheerleaderin dieser „Tu was du liebst“-Bewegung in meinem Internet 😉

  • Reply
    Marion Stukenbrock
    3. Juni 2018 at 15:09

    Liebe Vanessa, gute und richtige Gedanken
    Ich kann dir mal erzählen, wie es 20 Jahre später aussieht. Den erwachsenen Kindern geht es gut, sie wissen ja nicht, wie es anders gelaufen wäre. Vielleicht reflektieren sie das erst später, wenn sie mal Kinder haben. Mir geht es aber nicht so gut, weil mir viel, viel Zeit in der Erinnerung mit den Kindern und Familie fehlen. Ich bin durchs Leben gehetzt und die Vorpubertären und Pubertären
    Anfälle waren mir lästig und störten meinen Tagesablauf. Ehrlich, ich würde gerne manchmal die Zeit zurückdrehen können und meinen beruflichen Ehrgeiz in den Müll stecken.
    Liebe Grüße Marion

    • Reply
      FrauPiepenkoetter0105
      3. Juni 2018 at 15:17

      Ja, das Gefühl habe ich ja schon mit dem Blick auf die letzten 10 Jahre. Nur das mir noch ein paar andere Jahre bleiben. Danke für deine
      motivierenden Worte, Marion! <3

  • Reply
    Mareike
    3. Juni 2018 at 15:18

    Dieses Gedankenkarussel habe ich auch momentan, ich stehe kurz vor der Geburt unseres zweiten Kindes und ich hab jetzt schon Sorgen, wie es in zwei Jahren nach der Elternzeit werden soll. Um ein Maximum an Elterngeld zu erhalten, habe ich, seitdem wir ein zweites Kind wollten, viel gearbeitet (Kind morgens gehetzt, erste im Kiga, 20 min vor Ende der Betreuungszeit Feierabend, losgerast, Kind geholt, danach Haushalt, Hobbies etc). Und es hat mich maximal gestresst, neben Haussanierung und was man halt so macht. So möchte ich nicht wieder zurück in den Beruf, so werde ich keinem gerecht. Mal sehen, wie wir uns in anderthalb Jahren entscheiden – aber solche Berichte wie deiner oder von Halima machen mir Mut, da mal in Ruhe und von allen Seiten drüber nachzudenken.

    • Reply
      FrauPiepenkoetter0105
      3. Juni 2018 at 15:21

      Das freut mich. Ich glaube man sollte wirklich gut darüber nachdenken, was man will und sich in keiner Hinsicht von außen
      beeinflussen lassen. Aber da kann ich alter Klugscheisser ja jetzt auch klug daher reden. Junge Familien stehen ja nochmal unter einem ganz besonderen
      Druck! Ich wünsche euch das Beste!

  • Reply
    Frauke
    3. Juni 2018 at 22:20

    Das kann ich bestätigen, dass es definitiv nicht en vogue ist „nur“ Mutter und Hausfrau zu sein v.a. wenn die Kinder dem Windelalter schon längst entwachsen sind. Wie oft musste ich mich fragen lassen, wann ich gedenke wieder zu arbeiten bevor man mir versicherte, dass es doch völlig in Ordnung sei, dass ich zu Hause bliebe….verrückte Welt. Dir, liebe Vanessa wünsche ich dass sich der gedankliche Urwald immer mehr lichtet und ihr die Lösung findet, die zu euch als Familie am besten passt. Alles Gute und liebe Grüße, Frauke

  • Reply
    Sabine Mertes
    4. Juni 2018 at 14:55

    Liebe Frau Piepenkötter!
    Ich bin ganz gerührt und beeindruckt über diesen letzten Blog und wünsche alles, alles Gute!
    Es klingt alles so richtig!
    Ich bin inzwischen 60, zweifache Großmutter, habe vier wundervolle, schon „alte“ Kinder mit liebenswerten Partnern.
    Ich war insgesamt neun Jahre zur Kleinkinderzeit ganz zuhause und habe danach in Teilzeit gearbeitet, was auch schon oft dieses Gefühl brachte, nicht allen gerecht zu werden. Wie schrecklich war es, als die Kindergärtnerin mich vorsichtig und einfühlsam fragte: „Meinen Sie denn, ihr Sohn könnte ein bisschen zuhause bleiben?“
    Ich hatte grade meine neue Stelle angetreten… Beides war mir unendlich unangenehm. (Mein Süßer hatte dann Keuchhusten! )
    Und so ging es eben weiter. Diese Zerrissenheit hat mich jahrelang begleitet. Von meinen acht Kindern/Schwiegerkindern haben sich bisher sechs entschlossen, trotz wirklich guter Ausbildung bzw. Studium ihre Arbeitszeit zu reduzieren (zum Teil drastisch zu reduzieren), um mehr Zeit zum Leben zu haben. Damit verbunden ist natürlich eine große finanzielle Einschränkung, die jedoch alle in Kauf nehmen.
    Ich finde das einfach toll und bin sehr stolz darauf, dass sie die Prioritäten so setzen.
    Je älter ich werde, desto mehr wird mir bewusst, dass das wirklich Wichtige im Leben die Zeit ist, die wir mit Menschen zusammen sind, die wir lieben. Ich muss dazu sagen, dass ich sehr, sehr dankbar dafür bin, dass mein Lebensunterhalt fast immer gesichert war. Wäre das nicht so gewesen, würde ich wohl anders denken.

    Also nochmal:
    Ich wünsche viel Mut zu unkonventionellen Entscheidungen und alles, alles Gute!
    Sabine

    • Reply
      FrauPiepenkoetter0105
      4. Juni 2018 at 17:47

      Ganz vielen herzlichen Dank für diese schönen Worte! es ist gut zu hören, dass es sich am Ende wohl wirklich so anfühlt, wie ich es jetzt vermute. Das
      bestärkt mich in der Entscheidung! Danke!

  • Reply
    Clara
    4. Juni 2018 at 21:18

    Ach Piepenkötterin… Ich drück Dich einfach mal! Meine Lebenssituation ist natürlich eine etwas andere, aber ich denke auch viel darauf rum wie es weitergehen kann. Meine Selbstständigkeit ist natürlich ideal und auch die Möglichkeit von ,einer Seite frei entscheiden zu können, wieviel Geld ich von meinen Einkünften für Arbeitsentlastung ausgebe. Aber auch ich arbeite zu viel! Ich bin die die die Kinder auf den letzten Drücker abholt und nicht frisches Obst und Wasser dabei hat! ich bin die die manchmal noch ausrastet, da ich den Abend noch zum Arbeiten eingeplant habe und die Kinder um 23 Uhr noch nicht schlafen!
    Ich drück Dich und wünsch Dir dass Du die beste Entscheidung für Dich bzw. für Euch fällst.. und Bestsellerautorin ist auch immernoch ein Berufsziel, nä!

    • Reply
      FrauPiepenkoetter0105
      4. Juni 2018 at 21:32

      :-** Dank dir, Claretti! Ich denke, die Selbsständigkeit klingt ja auch immer nur für Außenstehende so gut. Am Ende, man weiß es ja, ist es dieses „selbst“ und „ständig“! Genieß die Zeit mit diesen Knallergirls und mach genauso wie du denkst. das sollten wir einfach alle machen“ Ich schreib jetzt eben mal ne Engtanzszene in meine Italoschmonzette rein. Die widme ich dir!

  • Reply
    Aniri
    7. Juni 2018 at 14:52

    Sorry, aber ich muss gestehen, dass ich leider kein Verständnis habe wie man Kinder in diesem Alter noch so „betüddeln“ muss. In diesem Alter war ich viel selbstständiger. Meine Eltern haben mich nicht durch die Gegend gefahren und das war auch verdammt gut so! Dadurch wurde ich sehr selbstständig. Dass frau (möglichst) viel oder vollzeit arbeiten sollte, hat auch mit der späteren Rente zu tun. Danken tut es einem keiner, wenn man kaum bis gar nicht arbeitet: nicht die Kinder, die irgendwann aus dem Haus sind, nicht der Staat oder der (Ex-)Partner, der schön Karriere gemacht hat und einen mit Anfang 50 sitzen lässt; wo frau irgendwann auf Hartz4-Niveau landet. Gewisse „Moden“ haben ihren Sinn: nämlich dass frau nicht die Fehler der Vorgenerationen wiederholt. Eine gewisse Unabhängigkeit erlangt und nicht in Altersarmut endet.

    • Reply
      FrauPiepenkoetter0105
      7. Juni 2018 at 17:16

      Das schöne ist ja, und darum geht es mir auch, das jeder für sich selbst entscheiden kann. Und dein Kommentar spiegelt meinem Empfinden nach
      eines der Hauptprobleme. Das Urteilen über die Situation eines anderen ohne alle ausschlaggebenden Parameter zu kennen, anstatt die Menschen machen zu lassen wie sie es selbst wollen und auch vor sich selbst verantworten müssen. Als gelernte Bankkauffrau und vor meiner beruflichen Vergangenheit als Erfüllungsgehilfin bei einem Gerichtsvollzieher, kann ich dir garantieren das ich in keinster Weise leichtsinnig mit meiner finanziellen Absicherung bin, aber wenn es mir nur um das gehen würde, hätte ich mir wohl die Kinder verkniffen. Ich spreche dabei aber wiedermal nur von mir. Also, mach dir keine Sorgen!

  • Reply
    Liv Äpplegrön
    11. Juni 2018 at 23:22

    Ich danke Dir, liebe Vanessa. Du weißt ja, dass mich gerade ähnliche Gedanken umtreiben und das Gedankenkarussell nicht enden will. Aber ich hab ganz feste vor, auch auf mein Bauchgefühl zu hören. Wir rocken das für uns uns unsere Familien 😊. … ich staune manchmal selbst über meinen riesengroßen Optimismus. Wenn doch der Mut auch so groß wäre. Kram, Liv Äpplegrön

    • Reply
      FrauPiepenkoetter0105
      12. Juni 2018 at 12:42

      Vielleiht wächst der einfach hinterher und holt dann plötzlich auf! Wünsch ich uns <3

  • Reply
    Susanne
    5. Juli 2018 at 18:34

    Ich kann das so gut nachvollziehen! Ich habe das auch hinter mir, zwei kleine Kinder und seit der Kleine 6 Monate war wieder angefangen zu arbeiten. Es wird immer erwartet, das Mütter alles unter einen Hut kriegen und dann auch noch entspannt sind, gut aussehen und das Haus in Ordnung halten. Ich habe gelernt zu einigen Dingen nein zu sagen, zum anderen zu Telearbeit (weil ich dann Nachmittags nichts mehr mit den Kindern auf den Spielplatz hätte gehen können), nein zu Dienstreisen, Fortbildungen, die außerhalb meiner Arbeitszeit liegen und ehrenamtliche Tätigkeiten im Dorf. Und meine normale Arbeit habe ich gern gemacht, allerdings in Teilzeit. Und das war gut so, denn meine Kinder, die inzwischen erwachsen sind, hatten immer das Gefühl, dass ich mir Zeit für sie nehme.
    Jetzt, wo sie groß sind, gehe ich wieder viel mehr in meinem Beruf auf, habe mich fortgebildet, übernehme zusätzliche Tätigkeiten und kann das ganz entspannt angehen.
    Kinder brauche gerade, wenn sie zwischen 11und 18 sind viel mehr Aufmerksamkeit als man meint. Hausaufgaben, für Klausuren lernen, Händchen halten, wenn was weh tut, Arztbesuche, Fahrten zum Sport, Gesellschaftsspiele, manchmal auch einfach mal blöd vorm Fernseher abhängen. Da ist das wirkliche Leben! Das, was in Erinnerung bleibt.

    • Reply
      FrauPiepenkoetter0105
      7. Juli 2018 at 10:47

      Das seh ich genauso! Danke für deine Bestärkung!

  • Reply
    Nadine
    9. Juli 2018 at 23:41

    Liebe Frau Piepenkötter,
    ich habe das hier gerade alles gelesen und bin emotional so gerührt, dass ich das Pipi in den Augen gespürt habe. Mir geht es zwar anders, und trotzdem, dass was dir emotional durch den Kopf geht und diese Überlastung, das konnte ich gut nachspüren.
    Zu seiner Frage im P.S.: Ja, es geht. Entspannt mit Kind(ern), Haus und Garten. Dafür hast du dir selbst auch schon eine Antwort gegeben, ich glaube, dass es ganz essentiell ist seine eigenen Prioritäten zu kennen, und sein Leben danach auszurichten. Das ist nicht immer leicht, und auch nicht immer cool, fühlt sich aber einfach anders an.
    Vor Jahren habe ich immer mehr zum Thema Minimalismus gelesen, ausgemistet und ganz viel hinterfragt: Was ist mir wirklich wichtig? Was brauche ich wirklich? und am Ende dessen standen meine persönlichen Antworten, während ich in meinen frühen Zwanziger mich viel danach richten wollte, was ich dachte, was andere erwarten. Das fühlte sich nur nie gut an. Ja, die Frage „Was tut mir gut?“ war für mich ebenso wichtig.
    Heute verbringen wir unseren Urlaub in unserem Garten, weil ich nicht einen ganzen Monat arbeiten gehen will, damit wir von dem Geld dann eine Woche in den Urlaub fahren. Dadurch das Haus und Garten bei uns getrennt sind, ist im Garten schon am Wochenende immer Urlaubsstimmung, und in den Ferien sowieso, zumal die Urlaubskasse dann öfter essen gehen, ermöglicht, wenn sonst keine Ausgaben anfallen. Wir gewinnen bestimmt keinen Schöner Wohnen Preis, haben nicht die spannendsten Geschichten zu erzählen, fliegen z.B. aus ökologischen Gründen nicht mehr, aber wir gehören mit zu den entspanntesten Elternpaaren, die ich kenne. Trotz insgesamt schon 65 Stunden Arbeit, wir haben uns ein Leben geschaffen in dem wir uns wohlfühlen. Weil wir das dürfen (das war mir früher nicht immer klar!), und interessanterweise: Wenn man sich selbst gewisse Fragen beantwortet, Dinge wünscht, dann geht es teilweise in Erfüllung. Nicht jedes Mal, und ich glaube auch nicht planbar; aber ich wollte immer einer Stadt- und ein Landhaus, und jetzt habe ich auf eine etwas andere Art beides.
    Das Leben ist jetzt auch nicht immer leicht, im Gegenteil, nur ist es gleichzeitig trotzdem alles leichter. Das Getriebene, was ich früher so stark gespürt habe, das ist nicht da. Weil ich weiß, was ich wirklich brauche, und das ist weniger als ich ganz früher mal dachte (und dann braucht man eben auch gegebenfalls weniger Geld und die Spirale läuft in die andere Richtung…).
    Ich wünsche Dir alles, alles Gute für deinen Weg, für den beruflichen Weg des Mannes, und bin gespannt, ob du irgendwann von deinem weiteren inneren Weg berichtest.
    LG Nadine

    • Reply
      FrauPiepenkoetter0105
      20. Juli 2018 at 10:10

      Ja, ich glaube wirklich das es davon abhängt sich der eigenen Prioritäten klar zu werden. Und leider brauchte ich dafür scheinbar wirklich lange.Aber jetzt kann ja alles gut und entspannt werden!

  • Reply
    Natalie
    16. Juli 2018 at 21:36

    Ich wollte mir nur mal Küche ansehen, als ich auf diesen Beitrag stieß und sofort gefesselt war. Du sprichst mir aus der Seele. Bevor das 3. Kind kam, habe ich in Vollzeit gearbeitet. Morgens um Sechs auf Arbeit, damit ich um kurz nach Drei Zuhause bin. Erst nach der Geburt des 3. Kindes und bei Wiedereingliederung auf Arbeit merkte ich, dass irgendwas ganz und gar nicht stimmt. Sollte so mein Leben aussehen? Um Vier aus dem Bett quälen, früh arbeiten gehen, um dann nicht zu spät Zuhause zu sein? Vieles bekam ich von den Kindern (10 und 16), die täglich sich selber überlassen waren, nicht mehr mit. Nachmittags war ich meist nur abgenervt und abgekämpft. Ich habe dann meine Arbeitszeiten von 40 h auf 30 h reduziert. Ganz optimal ist es noch nicht, denn durch den langen Arbeitsweg bin ich trotzdem sehr kaputt, wenn ich komme. Aber ich sehe meine Kinder morgens mal wieder und werde ab September noch einen Homeoffice-Tag bekommen. Vielleicht kann ich die Stunden noch auf 25 drücken, das wäre perfekt. Ich kann dich verstehen und möchte dich bestärken, dein Leben zu ändern. Die Zeit gibt dir keiner wieder und egal, was andere sagen, schlussendlich musst du zufrieden sein. Ich finde auch nicht, dass das etwas mit Betuddeln und Verhätscheln zu tun hat. Es geht einfach auch darum, präsent zu sein und mit der Familie zu LEBEN. Alles Gute.

    • Reply
      FrauPiepenkoetter0105
      20. Juli 2018 at 10:08

      Vielen Dank für deinen Zuspruch und liebe Grüße!

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