HERZ/KOPF/BLOG: GEHT DOCH WOHIN IHR WOLLT!!

Frau Piepenkötter I Gedanken zu Instagram

Kleiner Spoiler: Es geht nicht um Gänse! Versprochen!

Neulich sprach ich mit einer befreundeten Bloggerin darüber, wie viele unschöne Gedanken es ihr macht, dass sich bei Instagram immer weniger Menschen von ihren Inhalten angesprochen fühlen. Likes bleiben aus, die Followerzahlen gehen zurück…. das ist, gerade für die kleinen bis mittelgroßen immer ein komisches Gefühl. Zu nah dran ist noch die Erinnerung an dieses Hochgefühl des Wachstums, das Gefühl, wie mit der steigenden Zahl “Leser” auch die Interaktion stieg und deinen eigenen Enthusiasmus befeuerte. “Was ich sage hat Relevanz!” “Die Leute mögen, was ich ihnen bieten kann!”

Gerade da, wo kein ausgeklügelter Redaktionsplan, kein Masterplan fürs Business in der Schublade liegt, ist das alles in der persönlichen Wahrnehmung oft viel mehr an die eigene Person gekoppelt, als nur an die Inhalte. Und wenn dir dann nach einer “Instastory mit Gesicht” plötzlich 20 Leute entflogen, dann liegt das an dir. Zumindest für dich.

Ich kann mich noch gut an diesen einen Dezember erinnern, wo ich mein Profil auf Instagram auf “öffentlich” umstellte. Wo mir plötzlich nicht mehr 3 sondern 30 und dann irgendwann sogar 60 Leute folgten ( 100% Wachstum in 14 Tagen!!). Richtig gut fühlte sich das für mich an.

(K)ein Bund für die Ewigkeit

Ich kann mich aber auch noch an die App erinnern, die ich mir irgendwann aus dem Appstore runterlud und die mir anzeigen konnte, wer genau mir denn jetzt neu folgte, wie meine Wachstumsrate ist und ( der wirklich interessante Teil) wer mir eben nicht mehr folgte. Oh Oh Oh.

Damals stellte ich an einem Tag plötzlich fest, dass eine Instagrammerin mit der ich sogar eigentlich regen Kontakt in den Kommentaren hatte, plötzlich “entflogt” war. Und es kam noch schlimmer: Auf der Suche nach ihrem Profil wurde es mir nicht mehr angezeigt. Fassungslose Schlussfolgerung meinerseits: SIE HAT MICH BLOCKIERT??????? AHHHHHHH!!!!

Du bist doof!

Ich würde gern sagen, dass ich es locker nahm. Tat ich aber nicht. Ich ging im Kopf unsere letzten Kontakte durch. Hatte ich etwas doofes gesagt? Etwas missverständliches? Habe ich selbst irgendwas gepostet, was sie derart verärgern oder angreifen könnte, dass sie mir nicht mehr folgen und mich von ihrem Profil fernhalten will? Ohne Witz, es ging mir richtig schlecht damit. Ich bin bei Gott nicht der überdurchschnittlich harmoniebedürftige Typ, aber ich bin jemand, der seinen Struggle gern klärt. Um diese Möglichkeit fühlte ich mich betrogen. Und ich bin leider auch jemand, dem seine große Klappe oder sein loses Mundwerk in Zusammenhang mit dem großen aktiven Wortschatz aus der Kategorie “dumme Sprüche” manchmal Probleme schafft. Isso.

Gestatten, die Selbstfürsorge!

Was ich zu diesem Zeitpunkt nicht wusste, aber später dann mal über Umwege erfuhr, ist vielleicht das erste große Learning, dass ich bei Instagram je hatte. Es stellte sich nämlich heraus, dass die besagte Person einfach sang- und klanglos ohne viel Aufhebens darum zu machen ( kann man sich ja in 2019 kaum mehr vorstellen) die App aus ihrem Leben gelöscht hat. Sie hatte schlicht und einfach festgestellt, dass ihr die viele Zeit die dabei draufging und die sich manchmal verschiebenden Prioritäten nicht gut taten und hat ihre Konsequenz gezogen. Ohne das es auch nur im Ansatz etwas mit mir zu tun hatte.

Schlaues Mädchen

Da war also gar kein großes Problem, keine versehentlich geschehene Beleidigung. Nichts. Da war nur ein Mensch, der erkannt hat, was für ihn richtig und wichtig ist und danach gehandelt hat, ohne daraus vorher so einen mit leeren Phrasen zum Thema Digital Detox und Selbstfürsorge gefüllten Ballon zu basteln und ihn jedem ins Gesicht zu drücken. Einfach gehandelt. Zum eigenen Besten. Gern hätte ich ihr damals noch alles Gute gewünscht. Noch lieber würde ich ihr heute für meine daraus gewonnene Erkenntnis danken.

Aus Fehlern kann man lernen

Die erste Konsequenz die ich aus dieser Nummer gezogen habe, war es, besagte “Entfolgungs-Verfolgungs-App” zu löschen. Ich werde gern gelesen, ich agiere gern mit meinen Follower, aber ich kann/darf/will weder meinen Wert noch den Wert meiner Worte über diese Menschen bzw. Zahl definieren.

Aber wie es so mit Erkenntnissen seien kann, reifte diese in mir weiter und das wurde mir in dem eingangs erwähnten Gespräch mal wieder mehr als bewusst.

Wer folgt mir und warum

Ich schätze, die wenigsten folgen mir aufgrund meiner bestechenden Schönheit. Der ein oder andere folgt mir vielleicht aufgrund meines kruden Bauarbeiterhumors. Sicher auch einige, weil sie mich zwar scheisse finden, aber trotzdem gern völlig informiert über mein Leben sein wollen. Manche auch nur aus Höflichkeit. Man kennt sich halt. Um diese alle geht es aber nicht in der Hauptsache und ich Bauhaupte auch einfach mal, dass sie nicht den größten Anteil ausmachen. Die meisten Menschen die mir bei Instagram folgen und im besten Fall auch noch meinen Blog lesen, was sind das denn eigentlich für Menschen? Im besten Falle sind es Leute, die sich für meine Inhalte interessieren. Für meine Themen.

Da meine Themen ja aber von meinem Leben vorgegeben werden und durchaus variieren , wie kann ich da erwarten, dass die Menschen die mir folgen die gleichen bleiben? Also, die gleiche Menge und die gleichen Personen? Ist es nicht völlig normal, dass jemand der sich in meinem Thema gerad nicht wiederfindet vielleicht mal vorübergehend oder gar ganz aus meinem Instagram-Leben verschwindet? Entfolge ich nicht auch Menschen, die plötzlich ihren Schwerpunkt auf etwas neu legen, was mein Interesse komplett verfehlt? Suche ich nicht auch aktiv nach Kanälen, die gerade die gleichen Themen haben wie ich? Bin ich nicht froh, wenn es irgendwie übersichtlich bleibt?

Gibt es eigentlich Esophobiker?

Ich bin ehrlich: Wir müssten uns schon persönlich kennen- und lieben gelernt haben, damit ich auch dann noch treuer Follower bleibe, wenn jemand seinen neuen Lebensinn und Instainhalt in der Esoterik findet. Gleiches gilt für Fusspflege, Handlettering und religiöse Themen. Da sind wir entweder schon Buddy oder du bist ggf. der eine herausragende Kanal auf dem ich mir Dinge die für mich belanglos sind aufgrund ihres Unterhaltungswerts oder hohen künstlerischen Niveaus doch ab und an mal reinziehe oder es ist einfach nicht so Feed-füllend, dass es mich vertreibt. Aber mal im ernst: Darf ich es jemandem der gerade durch Trennung oder Jobverlust finanziell ums Überleben kämpft krumm nehmen, wenn er einem High-End-Design-Interior-Feed entflogt der gerade in der Endplanung der mega Hochzeit ist? Darf ich böse auf die Frau mit unerfülltem Kinderwunsch sein, wenn sie der glücklich Schwangeren entfolgt? Darf ich mich , wenn mein Thema dauerhaft aufs Babyalter festgelegt ist, grämen, wenn die, deren Kinder dem Alter entwachsen sind lieber woanders anbandeln und mich verlassen? Ihr seht, die Geschichten und Beweggründe können vielfältig sein.

Das kann sich ja keiner mitansehen!!

Klar, es wird auch immer jemanden geben, der dich plötzlich einfach kacke findet oder “sich von dir trennt” nur weil du einmal was in seinen Augen Falsches gesagt oder ungewaschen und mit Augenringen in die Kamera genölt hast, ABER das sind auch Menschen, die du einfach nicht brauchst. Eigentlich braucht man sie alle nicht, auch wenn es schön ist, sie im Boot zu haben.

Themen-Tinder

Mein weiser Alte-Frauen-Rat an die Kollegin/Freundin war in jedem Fall, die Kiste im Kopf mal umzudrehen. Sich nicht mehr darauf zu konzentrieren, was man wohl gemacht haben könnte, dass die Menschen gehen und was man ändern müsste um sie zu halten, sondern sich wieder ein bisschen mehr darauf zu fokussieren, was man tun kann um von den richtigen Leuten gefunden zu werden. Denn ich glaube fest daran, dass es für jeden von uns da draussen ein paar Menschen gibt, die genau nach diesen Themen und dieser Geschichte gesucht haben und für die wir Schreibenden oder Produzierenden das Perfect Match sind, deren Worte oder Ideen ihnen genau jetzt genau die Hilfe geben können, nach der sie gesucht haben. Ganz egal ob es das Fröbelstern-Tutorial ist, die lustige Anekdote zum Feierabend, der Lifesaver im Wochenbett oder die geteilte Geschichte und Lebenshilfe nach traumatischen Erfahrungen. Alle anderen lasst einfach ziehen! Wünscht ihnen Glück und das sie woanders finden, was sie brauchen. Vielleicht sieht man sich ja mal wieder. Nichts ist so beständig wie der Wandel, oder wie sagte Heraklit?

Liebste Grüße,

Vanessa

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3 Comments

  • Reply
    Sandra
    4. September 2019 at 08:44

    Liebe Vanessa!

    Das ist ein toller Beitrag! Ich bin da wirklich ganz deiner Meinung.

    LG,

    Sandra

  • Reply
    CoBa
    6. September 2019 at 09:46

    Genau richtig. 🙂

    • Reply
      FrauPiepenkoetter0105
      8. September 2019 at 12:33

      Danke <3

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