Herz/Kopf/Blog: Sag das nicht!

Manchmal ist ja echt verrückt. Da passiert etwas, das mir zu denken gibt und schon kurze Zeit später fügt sich an diesen Gedankengang der nächste und übernächste an, wie plötzlich auftauchende Puzzleteile die endlich zueinander/ineinander finden. So geschehen in dieser Woche…

Der Anfang war Kakao

Oder viel mehr mein öffentliches Outing, als junge Erstlingsmutter eben diesen dem Kind in der Nuckelflasche kredenzt zu haben. Um aufzuzeigen, dass die üblich unterstellten Konsequenzen meines damaligen Handelns ausblieben, schrieb ich in der Instagramstory, dass besagtes Kind heute weder Übergewicht, noch schlechte Zähne habe. Ich hab mir nichts dabei gedacht. Ehrlich! Bis sich eine liebe Freundin bei mir meldete. Sie fände es schade, dass ich das mit dem Übergewicht geschrieben habe, denn das Gewicht sage schließlich nichts über den Wert des Menschen aus und/oder ob er gelungen ist. Das brachte mich zum Nachdenken. Und sie hat Recht. Weder Gewicht, noch Gebiss, Hautfarbe, Bildungsstand oder was auch immer machen den Wert eines Menschen aus. Das in dem Kontext so unerklärt und platt stehen zu lassen, kann Menschen verletzen und das wollte ich definitiv nicht. Ich stellte also, wenn auch etwas unbeholfen wie ich finde, meine Äusserung in einer weiteren Instagramstory richtig und entschuldigte mich, falls ich jemanden damit verletzt habe.

Aber du hast doch nur….

Wer denkt, dass hätte der Sache nun Genüge getan, hat seine Rechnung ohne meine liebe Instagram-Community gemacht. Ganz, ganz viele Leser oder Zuschauer oder wie auch immer man das bei Instastories nennen will, schrieben mir, dass ja wohl ganz klar gewesen wäre, dass ich das nicht so gemeint hätte und man jawohl gemerkt hätte, das es sich lediglich um ein Aufzeigen von möglichen Konsequenzen bzw. deren Ausbleiben gehandelt hat. Ja, stimmt wohl, aber….

Sag das nicht!

Wann etwas verletzend/ausgrenzend/diskriminierend für eine Person oder eine Gruppe ist, muss, das sei ganz deutlich gesagt, eben diese Person oder Gruppe entscheiden. Nicht ich! Nicht ihr! Und wer schon immer oder lange Zeit oder auch nur einfach oft genug diskriminiert/ausgegrenzt/ verletzt wurde, der darf in diesem Bereich auch dünnhäutig sein. Das musste ich für mich selbst auch so reflektieren, denn ich habe durchaus auch schon mal bei Schilderungen von Alltagsrassimus durch BIPoC Menschen in meinem Umfeld Dinge gedacht wie “Ach, man darf ja auch nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen!” oder “Das hätte mir genauso passieren können!”. Und dazu habe ich schlichtweg kein Recht. Sehr deutlich ist mir das auch nochmal geworden, als das nächste Puzzleteil hinzukam. Nadine vom Blog DreierleiLiebelei schreibt über “Unerfüllten Kinderwunsch” und damit zwar über ein komplett anderes Thema, aber in meinem Kopf fügte es sich an der Stelle zu einem Ganzen zusammen, wo es um unbedachte Äußerungen, mangelnde Sensibilisierung in unserer Sprache und Kommunikation geht, und eben darum wer das Recht hat zu bestimmen wo die Grenze gezogen wird und ab wann es verletzend wird. Denn das kann nur eine(r) sein: Der/Die Betroffene selbst. Und da denke ich an die großen Gruppen die man so im Kopf hat, wenn es um Diskriminierung geht ebenso, wie an die Frau mit der Fehlgeburt, das junge Paar mit unerfülltem Kinderwunsch, die frischgetrennte Freundin und eben auch die Freunde, mit mehr Kilos als ihnen das der BMI als normalgewichtig zugesteht.

Immer Grenzen aufzeigen, bitte!

Ich fand diese Nachricht meiner Freundin also ganz und gar nicht doof, so war sie auch nicht gemeint, denke ich. Es war ein sehr wertvoller Gedankenanstoss. Ich habe sehr viel darauf “rumgedacht”. Es ist ein Learning für mich, noch bedachter und sensibler auf meine Äußerungen zu achten und mich einmal mehr mit den individuellen Grenzen des “Sag-baren” auseinander zu setzen. Ich bin sehr dankbar, dass sie mir diese Möglichkeit zur Auseinandersetzung mit dem Thema gegeben hat und dankbar für meinen Erkenntniszugewinn. Anders wäre mir das vielleicht gar nicht aufgefallen (sehr bestimmt sogar). Und das fände ich schade, denn ich möchte kein Mensch sein, der Andere auf diese Art und Weise verletzt und geringschätzt. Und wenn man mir meine Fehler so respektvoll aufzeigt, dann birgt das die großartige Möglichkeit für mich, als Mensch daran zu wachsen. Danke!

Meine Gefühle gehören mir

Auch wenn ich in vielerlei Hinsicht privilegiert bin und ein Leben ohne Angst vor Diskriminierung und rassistischen Anfeindungen führe, ist mir sehr wohl das Gefühl bekannt, wenn andere mir erzählen wollen, wie sich etwas für mich anfühlen soll. Und ebenso wenig wie ich Anderen das Recht einräume, meine Gefühle zu legitimieren, habe ich nicht das Recht festzulegen, wann sich etwas für jemand anderen verletzend, rassistisch oder ausgrenzend/diskriminierend anfühlt oder ist.

Ich bin mir im Klaren darüber, dass ich manchmal zu schnell denke und spreche um von jetzt auf gleich Perfektionismus bieten zu können, aber ich verspreche daran zu arbeiten und für mich selbst keine Ausrede mehr gelten zu lassen. Das wollt ich mal gesagt haben.

Liebste Grüße,

Vanessa

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