Herz/Kopf/Blog: Zum Thema Mental Load!

Frau Piepenkötter I Blog I Mental Load I Familienalltag

Neulich fragte mich eine Leserin, ob ich nicht auch mal was zum Thema Mental Load schreiben könnte. Ich musste ihr ehrlicherweise antworten, dass ich nicht weiß, was das ist. Also der Begriff an sich. Meine Recherche ergab, dass ich mit dem Problem dahinter sehr wohl etwas anfangen konnte. Ich nenne es nur anders. Alltag. Alltagslast. Das Grundsummen meines Alltags.

Ich bin ein Mensch, dem es schwer fällt, tausend Baustellen gleichzeitig zu bearbeiten. Denise nannte es glaube ich mal “offene Schubladen”, unbearbeitete To-Dos die man auf dem Schirm haben muss, Aufgaben die so nebenher erledigt werden wollen. An denen man sich das Schienbein anhaut, die einem nachts den Schlaf und tagsüber jede entspannte Minute rauben.

Allgegenwärtig

Mental Load ist allgegenwärtig. Nicht nur in unserem Leben, sondern derzeit auch im Internet. Meine Recherche brachte mich an unterschiedlichste Stellen. Da waren Blogbeiträge wie der von Patricia, der von Patricia und der von (nein, nicht Patricia) Laura. Und Artikel, wie z.B. den hier in der Süddeutschen (der ist leider kostenpflichtig).

Und dann habe ich ein bisschen darauf herum gedacht, die Gedanken durch den langen Flur in meinem Kopf hin- und hergerollt und mir überlegt, was nach all diesen schlauen Texten ich, eine Frau Piepenkötter, wohl noch dazu sagen könnte. Und ich sage euch ganz ehrlich, ich weiß es nicht. Zumindest nicht “so richtig”.

Ich bin hin- und hergerissen, denn wenn man meinen Alltag mal von außen betrachtet, bin ich hier wohl einer der anscheinend seltenen Fälle, ihnen denen viel Last zwischen beiden Partnern gerecht aufgeteilt ist bzw. war. Er im Schichtdienst, ich in der Ausbildung….da haben sich bei uns wohl unbemerkt und automatisch gute Aufteilungen und gerechte Ansätze eingeschlichen. Wie sehr merke ich z.B. jetzt, wo der Mann keinen Schichtdienst mehr hat und so einiges umsortiert wird. Und auch da habe ich es ganz gut getroffen, denn die Kinder sind schon sehr selbstständig und in einem Alter in denen ihnen auch schon ein gewisses Maß an Eigenverantwortung zuzutrauen ist. Wir teilen diese Alltagslast also nicht mehr nur zwischen den Eltern auf. Glück gehabt!

Und trotzdem…

Trotzdem denke ich, dass ich oder besser wir in gewisser Weise mitreden können. Denn auch eine geteilte Last kann für den Einzelnen in seinem aktuellen subjektiven Empfinden zu schwer sein und für diese Art Probleme Abhilfe zu schaffen bzw. zu finden gehört sehr wohl zu meinem Alltag. Und ich denke wir sind nicht schlecht darin und könnten einige Erkenntnisse weitergeben. Dachte ich.

Als ich dann bei Instagram schrieb, ich könnte da mal was zu schreiben und hätte dann evtl. auch ein oder zwei Tipps die was bringen könnten, z.B. aus dem Zeitmanagement, für euch, schrieb mir wer, ich hätte das Problem des “Mental Load” wohl nicht verstanden. Es ginge dabei darum, dass Frauen…. weiter brauche ich nicht auszuholen um euch an meinem grundsätzlichen ganz persönlichen Gedankengang teilhaben zu lassen.

(K)ein Frauenleiden

“Mental Load”, die vielen ungesehenen Aufgaben im Alltag, die eine nicht unwesentliche Arbeitslast ausmachen, sind aus meiner Sicht kein reines Frauenproblem. Klar, den Hauptteil der Überlasteten machen sicherlich Frauen aus, aber eben nicht nur. Und es ist auch nicht immer die Aufteilung schuld.

Ich arbeite eng genug mit jungen Familien um dies widerlegen zu können. Wäre da nicht der Datenschutz. Haha.

Ausserdem störe ich mich sehr daran, dass der Begriff “Mental Load” nicht diese Aufgaben und Lasten, die ich als Grundsummen bezeichne, darstellen soll, sondern gleich das augenscheinlich immer existierende Ungleichgewicht der Aufteilung. Soweit geht dieser Begriff aber für mich nicht. Er bezeichnet erst einmal das Aufgabenaufkommen an sich. Ende.

Eine wichtige Familienangelegenheit

Und wenn dieser Begriff bzw. seine Deutung nicht soweit gehen würde, dann betrifft die Last grundsätzlich erstmal die gesamte Familie. Diese Last ist vorhanden, man muss ihrer gewahr werden und muss sie dann gerecht aufgeteilen. Zwischen allen Familienmitgliedern je nach ihren Möglichkeiten.

Dieses Aufteilen Und funktioniert, wie bei jeder guten Teamarbeit nicht nach dem Holzhammer- oder Gieskannenprinzip, in dem man einfach die vorhandenen Aufgaben zu gleichen Teilen unter den Familienmitgliedern aufteilt und auf sie niederregnen oder -donnern lässt, sondern man muss individuell schauen. Es darf auch immer ein wenig nach Stärken und Schwächen geschaut werden. Sozusagen, das Ganze gesehen werden.

Wenn man Glück hat, geht das auf. Bei uns z.B. sieht das so aus, dass ich keine Probleme habe mit Stromanbietern am Telefon zu diskutieren oder sehr geschäftlich wirkende Briefe an Behörden zu formulieren, aber ich hasse es einkaufen zu gehen. Beim Mann ist es andersherum. Jackpot! Aber: Es ist trotzdem so, dass ich einen nicht unwesentlichen Teil dieser Lasten mehr übernehme als er. Im Gegenzug, und das darf man in manchen Fällen auch nicht vergessen, nimmt er einen nicht unwesentlich größeren Teil Erwerbstätigkeit auf sich. Er arbeitet Vollzeit, ich Teilzeit. Das ist unser Deal. Das haben wir uns so ausgesucht und es hat nichts damit zu tun, dass einer von uns einen Penis hat und der andere nicht. Wir wären letztlich beide gern mehr zuhause gewesen um Zeit für die Kinder zu haben, aber mir fallen die Aufgaben wie Kochen, Haushalt und Vokabeln abfragen ein wenig leichter als meinem Mann, also haben wir uns vorerst dafür entschieden, dass ich sie wahrnehme. Bis auf Weiteres. Man weiß ja nie, was noch so kommt und wir würden das ggf. immer anpassen.


Mental Load also…

Stellen wir uns diese mentale Zuladung mal in Kilos vor. Sie hat z.B. 100 Kilo, die pro Tag zusätzlich noch mitgeschleppt werden müssen. Stellen wir uns vor, dass im besten Falle, diese Kilos auf zwei Menschen aufgeteilt sind (ich denke das jetzt mal mit der klassischen heterosexuellen Paarvariante durch). 50 Kilo zusätzliches Gewicht. Pro Person. Für den einen ist das viel. Für den anderen nicht. Es kommt immer ganz individuelle auf die Person an. Und auch auf die Tagesform. Der eine denkt: “Manchmal merkt mans kaum, manchmal ist es echt viel, manchmal ist es viel zuviel.” Und für den anderen fühlt es sich immer viel, manchmal kaum zu bewältigen und an manchen Tagen zum Verzweifeln an. Obwohl es ja so wunderbar gerecht aufgeteilt wird.

Was dann?

Und da komme ich dann mit meinem Zeitmanagement um die Ecke, denn wenn ich diesen Begriff mit “Mental Load” in Zusammenhang bringe, will ich die Problematik nicht kleinreden, dann habe ich nicht “nicht begriffen” oder will den armen Frauen sagen, was sie besser machen können anstatt rumzujammern. Nein! Nein! Nein! Dann will ich sagen, dass es für uns Mittel und Wege gibt und gab, wie wir das gesamte Gewicht so minimieren konnten, dass es uns beiden an den allermeisten Tagen leistbar scheint diese Last zu tragen. Und das man manchmal, wenn man erst anfängt sich darüber Gedanken zu machen, wie man den Alltag und seine Aufgaben aufteilt, gut daran tut vorher mal Klarschiff zu machen, damit nicht der eine oder der andere unter seinem Teil der Last unnötig zu leiden hat. Ich will auch sagen, dass ich weiß das machmal so ein Thema erst auf den Tisch kommt, wenn einer schon am Stock geht und man dann ganz gut eine erste Hilfe gebrauchen kann. Eine lebensrettende Sofortmaßnahme, die es braucht, damit der Patient “Partner(schaft)” überhaupt noch am Leben ist, wenn man anfängt das Ungleichgewicht zu therapieren.

“Der Heini ist auch gefallen. Der hat aber nicht geheult!”

Andersherum macht es auch Sinn, sich mal bewusst zu machen, ob man nicht vielleicht doch eigentlich ganz gerecht aufgeteilt hat und man nur deshalb noch unzufrieden ist, weil einem die eigenen Last, der eigene Aufgabenberg oder die Aufgaben, zu groß oder zuwider sind. Auch an dieser Stelle möchte ich jedem Menschen ein Recht auf Hilfe und weitere Entlastung zubilligen. Überlegt mal! Das ist alles subjektiv und individuell. Das Wissen, das es jemand anderem in der gleichen Situation viel besser ging, macht die Situation nicht leichter für einen selbst. Im Gegenteil. Nicht selten kommt man sich nur noch unfähiger vor. Und auch darum denke ich, kann es auch hier sinnvoll sein, sich den Lastenberg anzusehen und loszuwerden, was loszuwerden geht. Und auch Singles, Menschen in deren Leben es keinen Partner in dieser Hinsicht gibt mit dem Alltagsaufgaben zu teilen sind, haben ein Recht auf eine Überforderung durch die vielen kleinen Alltagsaufgaben und -lasten. Und man denke allein schon mal an Alleinerziehende….

Der Last zuviel…

Auf meine Umfragen bei Instagram mit den Fragen “Welche Aufgaben erledigt ihr im Alltag?” und “Welche Todos rauben euch den Schlaf / setzen euch sehr unter Druck? habe ich eine verhältnismäßig irren Anzahl an Antworten bekommen. Ich kann nicht in die einzelnen Familien hineinsehen, sehe nicht wie die Erwerbstätigkeit verteilt ist, ob der Rest ausgeglichen aufgeteilt wird. Ich kann nur mit dem arbeiten, was ihr mir an Stichworten gesendet habt und das wollte ich explizit so. Ich bin ja weder Paartherapeutin noch eure beste Freundin und für eure Beziehung und deren Qualität in jeder Hinsicht übernehme ich weder Verantwortung noch Haftung (man denke an Jochen). Wäre ja noch schöner! Aber ich kann basierend auf meiner Erfahrung und meiner Haltung vielleicht an der ein oder anderen Stelle einen Denkanstoss oder Tipp geben und das will ich gern tun. Und darum werde ich mich hinsetzen und diese ganzen Wortmeldungen/ Stichworte aufschreiben, sortieren und grob zuordnen um sie dann in verdaubaren Häppchen hier für euch liegen zu lassen. Immer in der Hoffnung, dass ihr zwischen Kinderschwimmstunde, Fusspflege und Steuererklärung noch ein kleines Zeitfenster findet um meine Texte zu lesen. Dafür meinen allergrößten Dank.

Liebste Grüße

Vanessa

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2 Comments

  • Reply
    Jule
    27. Februar 2019 at 10:11

    Hallo Vanessa,

    Danke für deinen Beitrag. Über Mental Load kann man nicht oft genug reden.

    Warum das Thema aber trotzdem eher ein Frauenthema ist: Gerade mit Kindern werden viele Punkte, die typischerweise eher Frauen übernehmen wie Arzttermine vereinbaren, Mitbringkuchen backen, Geschenke für Kindergeburtstage besorgen etc. pp. als Kleinigkeit angesehen, über die man ja gar nicht reden braucht, die sich ja locker noch einschieben lassen. In Summe führen sie aber zu einer Überforderung.
    Deswegen muss man darüber reden, dass es diese Aufgaben gibt, dass sie sich nicht magisch von selbst erledigen und dass alle im Haushalt befindlichen Personen an diesen Aufgaben beteiligt sein sollten. Gegen Berufstätigkeit aufrechnen kann man diese Aufgaben nämlich nur, wenn man feststellt, dass es sie gibt und dass sie eine Load darstellen.

    Liebe Grüße

    • Reply
      FrauPiepenkoetter0105
      27. Februar 2019 at 10:15

      Ja, aber da zb genau die von dir aufgelisteten Aufgaben bei uns eigentlich bislang immer Aufgabe meines Mannes waren, finde ich das es NICHT NUR Frauensache ist. Wie gesagt, meistens sicherlich schon, aber eben nicht immer. Und auch wenn jeder seinen Teil übernimmt, sind diese Aufgaben teilweise zu belastend und müssen abgestellt, umgestellt, geändert werden.Bei allen Mittragenden.

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