(Not) just another Muddi-Blog

Kurze Anmerkung vorab: Die Karte stammt von Diana von Hand&Maus und der Himbeersaft am Fingernagel stammt aus dem Kühlschrank. Sorry not Sorry. Jetzt aber…

Der kleine, feine Babybauch, der im weiteren Verlauf des oh so gefühlvollen, emotionalen Textes oft als riesige Murmel bezeichnet wird, ist nackt, während der Rest der jungen Frau mit Kleidergröße 34 in zarte Spitze gehüllt ist. Daneben ein gutaussehender Typ, offensichtlich maßgeblich am Bauchumfang der neben ihm stehenden Dame beteiligt, hält verschmitzt lächelnd ein Letterboard mit einem launigen Spruch zum Thema Elternschaft, während die erstgeborene Leibesfrucht der beiden in sandfarbener Leinen-Latzhose und mit sonnengebleichtem Haar vor der engelsgleich erscheinenden Mutter steht und sanft ihren kaum erkennbaren, okay ja es ist subjektives Empfinden, riiiiiiiesigen Babybauch küsst. Wer sich den Text voller Liebe und Harmonie bis zum Ende durchliest, hat die Möglichkeit ein ebenso wunderschönes, wie arschteures Familienbett oder eine kleine Wuppertalerin (aka Thermomix) zu gewinnen, in dem er den vier bis vierzehn liebsten Muddibloggerfreundinnen der Verfasserin und dem Hersteller des bedürfnisorientierten Küchengeräts/Holzmöbels folgt. Von jetzt an und für alle Tage. Happy End.

Hat sie das jetzt wirklich geschrieben? Wie kann sie nur!

Heute mal wieder gehässig. Was jetzt zugegebener Maßen wie ein kleines Auskotzen klingt und in gewissen Maße auch ist, thematisiere ich hier um zwei Dinge anzusprechen. Erstens: Ein derartiges Vorgehen ist ein Erfolgsgarant für Instagram. Und zweitens: Absolut nicht ich.

Ich geb es ehrlich zu: Ich mag solche Blogs und Instaprofile nicht. Ich störe mich aber weit weniger an der oftmals sehr ähnlichen Bildsprache und der, für meine Begriffe manchmal sehr platten werblichen Absicht, als an den Inhalten. An Erziehungsratschlägen die auf der individuellen Erfahrung Einzelner gründen, aber als allgemeingültige Weisheiten formuliert werden. Daran, dass da soviel Kalkül und Strategie hinein gesteckt und etwas so natürliches wie Mutter- oder Elternschaft, ebenso wie Kindheit, gedankenlos monetarisiert wird. No offense! Jeder trifft diese Entscheidung für sich und seine Familie. Jeder muss es letztlich auch vor sich und und seiner Familie rechtfertigen. Es gibt vielleicht Gründe. Die mögen gut sein. Ich habe sie nicht.

Oh doch! Leistung soll bezahlt werden!

Ich bin die letzte, die sich dagegen aussprechen würde, dass Blogger mit ihrer Arbeit Geld verdienen sollen. Ich kenne so viele und gute Blogs und ich kenne die viele Arbeit die dahinter steht, um anderen Menschen mit den eigenen Ideen, Geschichten und Erfahrungen einen Mehrwert bieten zu können. Aber an mancher Stelle wünschte ich mir, mehr Verantwortungsgefühl. Thats it. So wie ich mir von jedem Wirtschaftsunternehmen erwarte, dass die Leistung und deren Qualität nicht irgendwann hinter der Gewinnmaximierungsbestrebung des Unternehmens zurückbleibt, so wünsche ich mir das auch von den kleinen One-Man/One-WomanUnternehmen der Influencer und Influencerinnen, Blogger und Bloggerinnen, Instablogger und Instabloggerinnen (heisst das überhaupt so?). Und gerade in diesem Business möchte ICH eigentlich auch weiter das Produkt empfohlen bekommen, was dem Menschen hinter dem Blog am besten gefallen hat. Nicht das Produkt, dessen Hersteller das größte Budget für Influencermarketing locker macht. Versteht ihr?

Ich mach da nicht mit……

Wer diese Haltung nachvollziehen kann, versteht sicher auch, warum ich mich zu Anfang meiner dritten Schwangerschaft ganz klar distanzieren wollte. Ich wollte nie das machen “was die Muddis auf Insta so machen”. Ich will immer nur machen, was sich für mich gut und richtig anfühlt. Und als nach Bekanntwerden meiner Schwangerschaft die ersten besorgten Nachrichten von Lesern eintrudelten, die ganz offen fragten, ob ich denn nun auch “son Muddiblog” werden würde, hatte ich bereits genug Zeit mit der Verfolgung der Beiträge unter dem Hashtag #märzbaby2020 verbracht, um eine mehr als klare Grenze ziehen zu wollen. An diesem Zirkus will ich nicht teilnehmen. Never ever.

Piepenkötti allein zuhaus

Jetzt war es aber ja auch so, dass ich schon im August mit einem Beschäftigungsverbot nachhause geschickt wurde. Ich hatte zum ersten mal seit Jahren Zeit. Viiiiel Zeit. Ich trank (koffeinfreien) Kaffee, las das erste mal seit Ewigkeiten die Zeitung ganz von vorn bis hinten, ich las Fachbücher, stiefelte mit dem Hund durch die Botanik und, es lässt sich nicht leugnen, war (und bin) aufgeregt und voller Vorfreude auf das was da kommt. Auf das Leben zu fünft. Mit einem Baby. Ein Leben mit meinen drei Töchtern. Ich beschäftigte mich also auch mit Schwangerschaftszeug und Babykram. Damit, was so ein weiteres Familienmitglied mit der vorhandenen Konstellation macht. Was sich für Schwangere, für Eltern, für Babys in den letzten 13 Jahren so geändert hatte. Ich recherchierte, was es heute so (zu kaufen oder zu brauchen) gab und versuchte zu erinnern, was mich diese ersten zwei Kinder diesbezüglich gelehrt hatten. Ich versuchte in Bloggerhausen die Spreu vom Weizen zu trennen und die Autoren und Autorinnen zu finden, die nicht einfach nur blind Konsumanreize und fragwürdige Erziehungstipps raushauen, sondern die, die menschlich, pädagogisch oder informationstechnisch echten Mehrwert bieten. Und immer wieder kam ich an Stellen, an denen ich dachte, dass würde da draussen vielleicht auch viele interessieren. Aber ich schrieb nicht drüber, denn ich hatte/habe weder vor, diese Schwangerschaft und dieses Baby zu thematisieren um Follower und Geschäftspartner zu generieren, noch habe ich je das Versprechen vergessen, das ich mir selbst und euch bezüglich meiner Inhalte gegeben habe. Nicht noch so ein Muddiblog.

Allein mir fehlt der Inhalt

Was ich von vornherein nicht bedacht habe und wo sich meine Content-Katze jetzt in den Schwanz beisst: ein Großteil meines Lebens wird sich in naher Zukunft um solche Themen drehen, denn ich habe ja dann nicht nur ein Baby und später einmal Kleinkind zuhause, sondern auch mein Job dreht sich zu 99 Prozent um das Baby- und Kleinkindalter. Klar, es wird auch immer noch ein drumherum geben, aber schon in den letzten Monaten habe ich gemerkt, dass es kaum ausreichen wird um regelmäßig etwas Neues oder Interessantes für euch zu bloggen oder in der Instastory zu erzählen. Ihr merkt ja schon jetzt: Obwohl ich unendlich viel mehr Zeit habe, kommt weniger rum, als zu den Zeiten als ich noch richtig viel gearbeitet habe. Ein bisschen ist es für mich auch immer schade. So ganz persönlich. Ich habe immer gern und viel Dinge aus meinem Leben mit euch geteilt und jetzt unterliegen die Dinge einer Art innerer Zensur.

Einige haben sich auch ganz explizit eher Beiträge zu “älteren Kindern” und den Sorgen, Nöten, Problemen von Teenagern und Teenie-Eltern gewünscht. Da ergibt sich für mich immer wieder das Problem, dass die Dinge die uns so im Alltag begegnen oft sehr individuell sind und somit ja auch Privatsphäre des jeweiligen Kindes aka Menschen sind. Diese Grenze habe ich bislang immer geachtet und will das auch weiterhin tun.

Wenn, dann…

Ein paar mal habe ich mich ja schon bewusst ( weil ich es wichtig fand über den einseitigen Kinderwunsch und die Refertilisation zu sprechen) und auch unbewusst darüber hinweggesetzt, die Schwangerschaft aussen vor zu lassen. Ich habe zum Ende des achten Monats ein Bauchbild gepostet, habe über meinen verkackten Zuckertest und die bislang ausgebliebene Gewichtszunahme sinniert. Ein paar viele haben sich deshalb auch dafür entschieden, dieses Programm nicht mehr einzuschalten und das ist völlig in Ordnung für mich, aber ich hab auch ein bisschen drüber nachdenken müssen, wie das denn jetzt weitergehen soll. So rein thematisch. Im Leben 1.0 ein Baby zu haben und sich auch beruflich vorwiegend mit Themen des frühen Kindesalters und der Elternschaft zu beschäftigen und auf Instagram das Leben das ich davor hatte weiter zu spielen kommt mir ein bisschen wie ein Doppelleben vor. Und seien wir ehrlich: Als wäre ein Leben nicht oftmals schon kompliziert genug…

Ich bin mit 40 zu alt zum Verbiegen

Warum denn auch? Habt ihr als Leser ein Recht darauf, dass alles so weitergeht, wie an dem Tag an dem ihr euch entschieden habt hier zu lesen oder zuzusehen? Gewohnheitsrecht? Eher nicht, oder? Gefühlt wäre ich dann auch nicht mehr ich. Also so von der Authentizität her. Ich habe ja immer über das gesprochen und geschrieben, was mich bewegt und nicht über die Dinge, die gerade gern gehört oder gelesen wurden. Und könnte es nicht viel mehr mein Weg sein, ohne Spitzentuch, Letterboard und Thermomix-Gewinnspiel einer dieser mehrwertigen, ehrlichen Blogs zu sein, deren Anzahl ich selbst ja ohnehin als viel zu gering empfinde?

Neulich habe ich in der Instastory darüber geschrieben und gesprochen, dass ich kein Moseskörbchen und bei Vollmond gesponnene Spuktücher aus Mittelerde-Baumwolle gekauft habe, sondern Kohlblätter und Erbsen , Retterspitz und Quark um sie ausserhalb und innerhalb des neuen Gefrierschranks für ihren Einsatz parat zu haben. Und darüber, dass der Gefrierschrank meine wichtigste Anschaffung in Sachen Baby war. Da schrieb mir eine Hebamme, die mir bei Instagram folgt, dass sie das richtig gut findet und ich damit ruhig mal ein paar andere “influencen” sollte. Und ich empfinde mich selbst ja manchmal als ulkigen Sonderfall, wo ich sich doch nach so vielen Jahren ohne Baby alles wieder neu und aufregend anfühlt und ich trotzdem noch ein Vollprofi im Muttergeschäft bin, der gelassen auf 17 Jahre mehr oder weniger erfolgreich absolvierte Elternschaft zurückblicken kann. Sollte ich das unter den Teppich kehren?

Worum gehts hier eigentlich?

Der Text ist irgendwie auch wieder entglitten. Das kann ich ja gut. Ellenlange Reden führen, beim Schreiben weiter denken, auch das noch aufschreiben, weiter und weiter, und am Ende wieder eine unendliche Geschichte produziert haben. Das klingt nach mir. Und dabei hätte ich es so kurz fassen können: Sorry an alle, die hier nichts von Baby, kindlicher Entwicklung, “Erziehung” oder Schwangerschaft lesen oder sehen wollen. Diese Themen wird es hier trotzdem geben. Aber eben ohne Spitzenhülle, Letterboard, ganz sicher ohne Konfektionsgröße 34 und auch ohne die Absicht mein Kind versilbern zu wollen. Einfach, weil es ein Teil meines Lebens ist. Ich wünsch euch alles Gute!

Liebste Grüße

Vanessa

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6 Comments

  • Reply
    Jorin Frosch
    28. Januar 2020 at 17:23

    Als Mutter einer Achtzehnjährigen schiele ich schon eher Richtung Enkelkinder (aber natürlich nur aus dem äußersten Augenwinkel, wir wollen ja nichts überstürzen!) und werde sicher das eine oder andere zum Thema Baby und Co. bei Dir überlesen – aber das habe ich doch vorher auch schon gemacht, wenn mich etwas nicht interessiert hat. Wo ist also das Problem? Lieber authentisch und anders als früher als verbogen und wie immer. Wir entwickeln uns doch alle weiter!
    Liebe Grüße von Frau Frosch

  • Reply
    Katharina Pohl
    29. Januar 2020 at 16:13

    Spitze – bitte so weitermachen, authentisch ist einfach am besten! Liebste Grüße, Katharina

  • Reply
    Gabi
    1. Februar 2020 at 06:00

    Herrlich geschrieben, ehrlich und herzlich und so echt ? ganz ohne Schickimicki und plimmplimm
    Das ist genau mein Ding; ich wünsche dir alles erdenklich Gute und viel Vorfreude auf das Erdenkind
    Ganz herzliche Grüße und fühl dich lieb umärmelt
    Gabi

    • Reply
      FrauPiepenkoetter0105
      8. Juli 2020 at 21:38

      Danke <3

  • Reply
    Irene Radinger
    12. Februar 2020 at 09:51

    Du als Bloggerin solltest immer nach deinem Hausgefühl handeln und nicht nachdem was deine Leserschaft von dir erwartet. Die die wegen dir und deiner Persönlichkeit hier sind lesen fleißig weiter und die anderen haben ja die freie Entscheidung (wie am Anfang) zu gehen oder zu bleiben. Ich finde es immer toll wenn ein Blog authentisch und persönlich ist. Also weiter so und alles gut für deine Schwangerschaft.
    Liebe Grüße Von Irene (MOLIBA)

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    Sommer, Sonne, Sommersprossen- die Piepenkötter Version | frau-piepenkoetter.de
    8. Juli 2020 at 22:59

    […] nicht und das respektiere ich vollkommen und beim Baby… Da sind wir irgendwie wieder beim letzten Blogpost und den ganzen hochglänzenden Instaprofilen, bei denen ich das ungute Gefühl habe, das dort Kinder […]

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