Okay, mir reichts….

Disclaimer: Dieser Beitrag kann Spuren von Frust, Traurigkeit, Resignation, Motivationslosigkeit und unterdrückter Aggression enthalten. Wer sich eh gerade schlecht fühlt, eine Reise nach Mallorca plant oder seinen Impftermin wegen Althut-Allüren verfallen lässt, sollte nicht weiter lesen.

Es gibt in meinem Leben aktuell solche und solche Tage. Tage an denen ich zufrieden bin und froh darüber, was wir doch alles haben und wie gut es und doch trotz allem geht.

Gute Zeiten…..

Das sind Tage an denen meine Nägel meistens schwarz vor lauter Gartenarbeit sind, wir abends gemeinsam Cluedo spielen und der Knödel wieder irgendwo die RingSling gefunden und angeschleppt hat und ich sie in den Nachmittagsschlaf tragen konnte. Das sind Tage an denen mein Akku halbwegs aufgeladen ist und ich es schaffe, ein kleines Bisschen mehr meiner Motivation unter all diesen Gefühlen rauszukramen.

Schlechte Zeiten….

Dann gibt es andere Tage. Regentage meist. Und zwar innerlich wie äußerlich. An diesen Tagen sehe ich nur all die Sachen die ich NICHT machen kann. Ich bejammere, dass ich in den letzten 400 Tagen nur 3 mal in einem Geschäft war, dass kein Discounter oder eine Drogerie ist. Und das auch das normale Einkaufen für mich weitestgehend weggefallen ist. Ich könnte ausrasten darüber, dass meine Kinder ihre Freunde nicht sehen dürfen/können. Und vor allem darüber, wie unterschiedlich das in den Familien gehandhabt wird. Darüber, dass wir „so strenge Eltern“ seien müssen und unsere Kinder mit diesem diffus komischen Gefühl und der Angst zurücklassen, die wir selber noch aus langen Ferien kennen, wenn man im Urlaub war. Wird man wieder „dabei“ sein können, wenn man wieder da ist oder ist man irgendwie raus aus der Freundesgruppe, weil man als einzige eben wochenlang nicht mit von der Partie war?

Ich bin traurig über die Tatsache, dass des Knödels erstes Lebensjahr so anders und viel einsamer war, als es bei ihren Schwester der Fall war. Vor allem auch für mich, der mir der Austausch und die Anbindung fehlt, zu neuen Freunden, wie zu den alten.

Es macht mich traurig, nicht mal das Meer sehen zu können. Und das ich nicht in den Baumarkt kann. Das ich ratlos vor der Aufgabe „18. Geburtstag im Lockdown“ stehe.

Ich habe noch zwei Omas. Eine davon hat den Knödel noch nie gesehen. Und auch sonst seit einem Jahr niemanden von uns außer meinen Vater. Und das Vergessen, das ja einfach oft on den Köpfen alter Menschen wütet, hat seinen Teil dazu getan, dass es wohl dabei bleiben wird. Das tut mir für sie leid, für den Knödel, für uns alle und vor allem für meinen Vater, der die Last alleine tragen muss, einem geliebten Menschen beim Vergessen hilflos zuzusehen.

Und dann sehe ich Maßnahmen, die keine sind. Empfehlungen, wo es Gebote bräuchte, Menschen die mit Ignoranz wieder einreißen, was wir anderen uns quasi seit Monaten von der Seele (oder der seelischen Gesundheit) absparen. Und dann merk ich: Mir geht die Puste aus!

Chance vertan….

Es gibt Tage, an denen ich gelassen sein kann. Und Tage an denen ich schreien möchte. Im letzten Jahr hatte ich noch große Hoffnung. Eine für mich typische sozial-romantische Vorstellung, dass wir alle als bessere Menschen, stärkere Gemeinsschaft aus dieser Krise gehen würden. Das wir uns wieder mehr auf das wenige Wichtige besinnen könnten, zufriedener mit dem sein könnten, was wir haben. Besser leben und vor allem langsamer. Und es ist für mich ehrlich gesagt schwer zu ertragen, dass wir diese Chance so ungenutzt haben vergehen lassen und es geschafft haben, auf den ohnehin schon vorherrschenden Egoismus einen ganzen Hucken drauf zu setzen. Wider besseren Wissens. Weil, wenn jeder an sich selber denkt am Ende ja auch an jeden gedacht wurde…..ach ja.

Ich brauche meine Regentags-Resilienz

Was ich gerade sehr stark merke: Die Regentage werden häufiger. Ich brauch mehr Sonne. Ich brauche wieder mehr Kontrolle, mehr Freude und Leichtigkeit. Und ich weiß, dass das auch unter den widrigsten Umständen für mich möglich ist. Es kostet nur sehr viel Mühe. Anfangs. So wie ein rostiger alter Motor, der sehr lange nicht gelaufen ist. Am Anfang rattert es ohrenbetäubend, es raucht und gibt auch mal drei oder vier Fehlzündungen, aber am Ende läuft er wieder, wenn man sich gut genug drum kümmert. Und das mach ich jetzt einfach mal. Mich gut um meinen Motor kümmern. Mir den Regen von der Seele schreiben.

Danke fürs zuhören.

Liebste Grüße

Vanessa

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3 Comments

  • Reply
    Sandra
    7. April 2021 at 10:51

    Sehr schön geschrieben, liebe Vanessa. Und ein großes JA zu deinem Vorhaben! Hol dir deine Freude und Leichtigkeit zurück und wenn es bedeutet die Ungerechtigkeit laut rauszuschreien, dann tu das!
    Mir reicht nämlich auch. Dieses wischiwaschi! Komme mir allmählich vor Asterix und Obelix bei den Römern nur dass hier kaum noch einer lacht.
    Klar, sind die Erfahrungswerte bzgl Rainer Pandemie begrenzt. Fehler machen ist ja per se nicht schlimm, aber die guten Lösungen nicht umzusetzen, dass ist es was uns zermürbt.
    Ich drücke dich feste und sende ganz liebe Grüße! 💗💗💗💗

    • Reply
      FrauPiepenkoetter0105
      7. April 2021 at 21:38

      Danke, Sandra!

  • Reply
    Stefanie
    20. Mai 2021 at 10:06

    Oh, eben erst gelesen und Du sprichst mir aus dem Herzen. Auch ich kriege gefühlt nichts hin. Und dabei non ich den ganzen Tag beschäftigt, irgendwie.
    Wir müssen uns frei machen vom immer etwas leisten müssen, vom Zeit nutzen müssen und von tausend täglichen Selbstfürsorge und Hygge Routinen. Vom nicht klagen dürfen, nur, weil es uns objetiv im Vergleich zu anderen gut geht.
    Ich hoffe, dass wir trotz allem diese Zeit des ewig währenden Lockdowns als Familienzeit in Erinnerung haben werden und als die Zeit, in der wir täglich mindestens zweimal ALLE miteinander am Tisch saßen und erzählen konnten, auch, wenn es eigentlich nichts zu erzählen gab. Ich hoffe, dass unsere Kinder gelernt haben, dass man solche seltsamen Zeiten mit Ruhe und Humor (und gutem Essen) meistern kann.
    Danke für das Bild mit dem Motor – im den werde ich mich jetzt wieder verstärkt kümmern. Mir helfen regelmäßige Verabredungen zum Spazierengehen und das werde ich jetzt wieder öfter tun.
    Alles Gute für Dich – unbekannterweise, aber mit viel Sympathie!
    Stefanie

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