“You are my sunshine” oder warum meine Familie mich seit neuestem Erika nennt…

Frau Piepenkötter Photovoltaik

In meiner Familie gibt es eine große Gemeinsamkeit, die im Kern sogar die angeheirateten Mitglieder einschliesst: Wir haben einen relativ boshaften Humor und vertragen diesen auch. Und so ist es kein Wunder, dass einzelne Familienmitglieder immer wieder aufgrund persönlicher Vorlieben oder Eigenschaften zum Opfer dieses Familienhumors werden und augenzwinkernd mit besonderen Spitznamen bedacht werden.

So zum Beispiel meine Oma. 1937 geboren ist sie in einer Zeit des Mangels und der harten Arbeit aufgewachsen. Etwas, was sie so sehr geprägt hat, dass sie noch heute äußerst darauf bedacht ist, einzusparen wo es geht. Daran ist ja grundsätzlich nichts schlechtes, man könnte sogar sagen, es ist die Lebenseinstellung die der heutigen Generation fehlt. Anbauen und einkochen, Socken stopfen statt neu kaufen, die obligatorische Schüssel im Waschbecken zum Auffangen von Giesswasser…das leuchtet alles irgendwie ein und wird ja auch immer mehr zu 2019, auch wenn es mal 1950 war. Trotzdem hat mich ihr Steckenpferd, das Stromsparen, im jungen Erwachsenenalter in den Wahnsinn getrieben.

Erika- die Energiesparbeauftragte

Gefühlt mehrmals täglich hat sie am Stromkasten geschaut, wie schnell sich der Zähler dreht und ist dann in ihre und in meine Wohnung gestiefelt und hat Geräte im Standby-Modus abgeschaltet, 3erSteckdosen mit Schalter eingebaut, Ladekabel rausgezogen um dann wieder vom Dachgeschoss ( meine Wohnung) bis in den Keller ( zum Stromkasten) drei Stockwerke hinabzusteigen und zu schauen, ob der Zähler sich langsamer dreht. Strom sparen als Rentnerhobby, sozusagen. Und so wurde aus Oma Erika die Energiesparbeauftragte

Ich bin die neue Erika- die Energiesparbeauftragte 2.0

Jetzt war das ja alles so Ende der Neunziger. Die Zeiten haben sich geändert und ich mich mit ihnen. Vieles, was meine Oma damals gemacht hat um Geld zu sparen, erklärt sich heute als unbedingt notwendiges Einsparen von Ressourcen. Der Umwelt und dem Klima zu liebe. Und immer wieder erwische ich mich dabei, wie ich ihr Dinge gleich tue, die ich früher für überholt und seltsam hielt.

Versteht mich nicht falsch: Ich bin auf keinen Fall ein glorreiches Vorbild in Sachen nachhaltiger Lebensstil, aber ich versuche Stück für Stück ein bisschen grüner zu werden. Mein Tempo. Meine Bedingungen. Dazu gehörte in diesem Jahr für uns unter anderem auch, dass wir eine große Wunschinvestition leider, leider, leider gekippt haben und das Geld stattdessen in eine Photovoltaikanlage investiert haben. Und damit haben wir ein Monster erschaffen.

Waschen nur bei Sonne!

Es kann sein, ich möchte mich da jetzt nicht öffentlich festlegen, dass an unserer Waschmaschine ein Post-it befestigt ist, auf dem steht “Waschen nur bei Sonne!”. Und es kann eventuell auch möglich sein, dass ich Familienangehörige unwirsch darauf hinweise, dass ich es nicht gut heiße, wenn in den Sommermonaten der Trockner benutzt wird. Vielleicht habe ich mir ich angewöhnt, Geräte wie Waschmaschine, Backofen und Spülmaschine nicht zeitgleich laufen zu lassen und es klingeln mehrmals täglich Timer, die mich drauf hinweisen, dass Gerät A fertig ist und ich Gerät B anschalten kann. Kann sein, kann sein.

Energiesparen

Wenn es so wäre, läge es sicher daran, dass ich eine App auf meinem Handy habe, an der ich sehen kann, wieviel Strom wir derzeit erzeugen. Und das ich versuche möglichst wenig Strom vom Netzbetreiber abzunehmen. Und möglichst viel einzuspeisen. Eventuell ist das so. Und ebenso eventuell nerve ich damit meine Familie und sie sagen dann zu mir: “Ja, Erika! wir haben verstanden!”

Es ist ein bisschen so, als hätte ich mir all den sportlichen Ehrgeiz den andere im Leben so beim Handball, Tennis, Volleyball oder Turnen an den Tag legen aufgespart für meine persönliche Energiewende. Aber es gibt schlimmeres, oder?

Ekliger Fakt am Rande….

Ich bin ja so grundsätzlich immer so auf Effektivität bedacht. Beruflich wie privat möchte ich Arbeitsabläufe immer gern verschlanken. Alles muss zack zack gehen. Ich hab doch keine Zeit. Und so bin ich auch schon immer die gewesen, die die Waschmaschine und die Spülmaschine im Kurzprogramm laufen ließ. Kurze Laufzeit könnte ja auch weniger Energieaufwand bedeuten, oder nicht? Leider nein.

Ich meine Patricia von Moms Blog war es, auf deren Blog ich zuerst darüber las, dass das eine Milchmädchenrechnung ist. Keine Ahnung, warum ich da vorher noch nie drauf gestossen bin, aber vielen Dank an Patricia, die Knauser-Queen of the Internet 😉 Das die Maschinen in der verkürzten Zeit wesentlich mehr leisten müssten, als im normalen Programm und somit auch mehr Energie verbrauchen, leuchtet tatsächlich ein. Und kurze Zeit später fand ich noch einen guten Grund gegen die Kurzwaschprogramme. In einer Facebookgruppe wurde gefragt, warum die Waschmaschine der Verfasserin trotz guter Pflege riechen würde und “stock-ähnliche Flecken” hätte. Und es antwortete wer, dass es oft an den Weichspülern läge. Die aus Schlachtabfällen (denkt euch hier Würggeräusche) bestehenden Weichspüler würden in den kurzen Waschgängen nicht ausreichen gelöst werden (oder so) und die dadurch entstehenden Rückstände in der Maschine verschmutzen sie und riechen schlecht. Na bravo! Also, selbst wenn der Kurzwaschgang Ressourcen sparen würde, hebt das eine “entsorgt weil eklig” Waschmaschine ja definitiv wieder auf. Weichspüler benutze ich übrigens schon ewig nicht mehr. Und seit kurzem auch kein konventionelles Waschmittel mehr, sondern ein Eco-Egg (Affiliate-Link). Wenn ich das zu Ende getestet habe, schreibe ich die Tage mal was drüber.

Für uns gibt es also nur noch den Eco-Waschgang. Bei Sonnenschein, versteht sich. Und Wäsche aufhängen ist eigentlich eine ganz angenehme Hausarbeit. So still. Und wenn sie mich Erika nennen wollen, dann sollen sie. Denn heute weiß ich ja, dass selbst ihr Energiesparspleen nur eine weitere unglaublich liebenswerte Eigenschaft meiner Oma ist! Oder nicht?

Liebste Grüße

Vanessa

P.S.: Das Photovoltaikanlagen auch nicht unbedingt das grünste vom Ei sind, lest ihr z.B. hier. Also, auch wer seinen Strom augenscheinlich grün selbst herstellt, darf dies nicht als Freibrief für Stromverschwendung sehen und sollte Ressourcen weiter sinnvoll nutzen und weitestgehend einsparen.

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